Ein Projektentwickler will auf dem leergeräumten Grundstück des ehemaligen Bertram-Speichers an der Scharnhorststraße einen Supermarkt bauen. Das bedeutet: in unmittelbarer Nachbarschaft zu Penny an der Ecke Moltkestraße. Ein Konflikt ist vorprogrammiert und dieser wird die Stadträte in der Ausschusssitzungsrunde nächste Woche beschäftigen.

Stendal. Entweder Penny bekommt einen Konkurrenten vor die Nase gesetzt oder Penny zieht selbst in den Neubau auf der anderen Straßenseite. So stellt sich die Alternative dar, sollte die Stadt einen weiteren Supermarkt an der Scharnhorststraße, auf dem Gelände des niedergemachten Bertram-Speichers, genehmigen. In beiden Fällen würde dies nichts Gutes für das Wohn- und Geschäftshaus an der Ecke Scharnhorst-/Moltkestraße bedeuten, in dem Penny Hauptmieter ist.

Dessen Besitzer, die Behling & Partner GbR in Garbsen bei Hannover, haben sich jetzt mit einem Rundschreiben an den Oberbürgermeister, die Fraktionsvorsitzenden des Stadtrats, die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung und an das Planungsamt der Hansestadt gewandt. In dem Brief, der der Volksstimme vorliegt, warnt Hans-Wilhelm Behling eindringlich vor der Ansiedlung eines weiteren SB-Marktes auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Sein Mieter habe ihm bedeutet, "wenn dieses Objekt genehmigt würde, beabsichtige Penny, seinen Betrieb aus unserem Objekt auf die gegenüberliegende Straßenseite zu verlagern", heißt es in dem Schreiben. In diesem Falle wäre zu befürchten, dass "kein vergleichbarer Nachnutzer gewonnen werden kann", Bäcker, Fleischer und andere Mieter ebenfalls den Standort aufgeben würden und "insgesamt Leerstand und Erosion drohen".

Doch Behling rennt mit seinem Hilferuf offene Türen ein. Die Stadtverwaltung hat nach Informationen der Volksstimme die Bauvoranfrage des Projektentwicklungsbüros abgelehnt. Im Stadtrat findet diese Haltung offenbar breiten Rückhalt. "Die SPD-Fraktion unterstützt die Position der Verwaltung zur Ablehnung des Vorhabens ausdrücklich", sagt Fraktionsvorsitzender Reiner Instenberg. Ähnlich die Christdemokraten, mit 25 von 53 Abgeordneten mit Abstand größte Fraktion. "Ich sehe an der Scharnhorststraße nicht die Notwendigkeit, dass dort ein neuer Markt entsteht", so Fraktionschef Hardy Peter Güssau. "Das Areal wäre für eine Wohnbebauung bestens geeignet."

Doch SPD und CDU liegen in Sachen Einzelhandelsentwicklung nicht ganz und gar auf einer Linie. Das wird sich zeigen, wenn in der nächsten Woche im Ausschuss für Stadtentwicklung über das Bebauungsplankonzept "Erhaltung und Entwicklung zentraler Versorgungsbereiche der Hansestadt Stendal" diskutiert wird. Dieses Konzept soll verbindlich festlegen, an welchen Standorten künftig Einzelhandel zugelassen wird und wo nicht. Instenberg ist dafür und hofft auf eine breite Mehrheit. Anders Güssau. "Damit würde der Stadtrat pauschal die Entscheidungsgewalt über solche Standorte an die Verwaltung abgeben", bemängelt er. "Über konkrete Anträge müssen wir auch künftig im Stadtrat reden können."