Zusammen blicken sie auf eine 126-jährige Mitgliedschaft in der Klädener Feuerwehr zurück. 1948 sind die Cousins Fritz und Mannfred Micheel in die FDJ-Löschgruppe des Ortes eingetreten, am Sonnabend feiern sie beide das 100-jährige Bestehen der Wehr im Gerätehaus.

Kläden. "Am Sonnabend feiert mein Enkel in Arendsee Jugendweihe", erzählt Mannfred Micheel (77) mit etwas Wehmut. "Ausgerechnet, wenn die Feuerwehr 100 Jahre alt wird." In diesem Fall wird aber für Mannfred Micheel am Sonnabend die Feuerwehr der Familie vorgezogen. Wie so oft in seinem Leben. "Die Klädener Feuerwehr habe ich immer im Mittelpunkt gesehen", so der 77-Jährige. "Sie ist ein Symbol der Gemeinde."

Fritz Micheel (79) pflichtet seinem Cousin bei. Die beiden gebürtigen Klädener sind 1948 in die Löschgruppe der Freien Deutschen Jugend (FDJ) eingetreten. Da waren sie noch keine 18 Jahre alt. "Wehrleiter war damals Willi Fahrholz", erinnert sich Fritz Micheel. "Und mein Bruder Gerhard war unser Gruppenführer." Die Ausbildung der insgesamt acht jungen Klädener lag in den Händen von Gerhard Bohl und Heini Haase, beide von der Berufsfeuerwehr in Stendal.

In den Nachkriegsjahren mussten die Großbauern, die mehr als 20 Hektar Land besaßen, die Feuerwehr verlassen. "Die wurden rausgeschmissen. Waren nicht erwünscht", erklärt Fritz Micheel und verdreht ein wenig die Augen. "Wir haben aber dagegen aufgemuckt", erinnert sich der 79-Jährige (feierte am vergangenen Sonnabend Geburtstag). Viel Theater hätte es in Kläden wegen der Angelegenheit gegeben. "In anderen Dörfern mussten die Großbauern nicht aus der Feuerwehr", wundert sich Fritz Micheel noch heute.

Ernst werden die Mienen der Cousins Micheel, als sie von ihrem "schwerwiegendsten Einsatz" als Mitglieder der Feuerwehr berichten. Es trug sich am 31. Oktober 1960 zu. "Ich war bereits Gruppenführer", erinnert sich Mannfred Micheel. In den frühen Morgenstunden wurde die Klädener Feuerwehr zu einem folgenschweren Brand im Ort gerufen.

"Das Haus von Knieps brannte", erzählt Mannfred Micheel. Anna Kniep hatte, wie sich später herausstellte, das Feuer im Herd mit Benzin aus einem Kanister entzündet. Eine Stichflamme schoss aus dem Ofen und setzte den Kanister in Brand. Die Frau erlitt im Gesicht schwere Verbrennungen. Der brennende Kanister setzte das Treppenhaus in Brand. Am Ende war das Gebäude von innen komplett ausgebrannt.

Zwei Tote bei Hausbrand geborgen

Die Klädener Kameraden, die laut eines Zeitungsberichtes auch zu spät benachrichtigt worden waren, hatten bei dem Hausbrand zwei Tote zu bergen - mit Siegried und Franz Tschiedel die Tochter des Hauses und den Schwiegersohn. "Das Baby haben wir noch durch das Fenster gerettet", erinnern sich Fritz und Mannfred Micheel.

Die Cousins Micheel haben ein Leben lang für die Feuerwehr gewirkt. Mannfred Micheel brachte es sogar vom Feuerwehrmann zum Brandinspektor. Von 1974 bis 1977 war er Bereichsleiter für die Feuerwehren in Kläden und der umliegenden Dörfer. Von 1984 bis 1988 stellvertretender Zugführer der Brandschutzeinheit 68 des Bezirkes Magdeburg. "Wir gehörten immer zu den besten drei im Kreis Stendal", erzählt Mannfred Micheel nicht ohne Stolz. Das schützte ihn aber nicht vor einer Suspendierung. Aus politischen Gründen. Zum einen trat er trotz mehrfacher Aufforderungen nicht in die Partei ein, zum anderen äußerte er sich auf öffentlichen Brandschutzkonferenzen kritisch. "Die Politiker haben uns immer unsere Aufgaben erklärt. Sie haben aber nie erklärt, wie wir die bei den schwierigen Bedingungen umsetzen sollen", erzählt Mannfred Micheel.

Eines Tages wurde Malermeister Mannfred Micheel von der Arbeit geholt und in die Klädener Gaststätte (heute Suppenmanufaktur) beordert. "Da haben mir die Leute vom Rat des Kreises und die Bereichsleiter erklärt, dass sie mich abgesetzt haben", erinnert sich Micheel. Auf die Frage nach einer Begründung wurde ihm nur geantwortet: "Das geht dich gar nichts an."

Dennoch war Mannfred Micheel von 1976 bis 1989 Wehrleiter im Ort. 13 Jahre lang hielt er die Geschicke der Klädener Feuerwehr in seinen Händen. Als es in der Zeit der politischen Wende galt, einen Nachfolger zu finden, stand der damals 56-Jährige vor einem Problem. "Keiner wollte die Verantwortung übernehmen", erzählt Mannfred Micheel. Zu guter Letzt erklärte sich Kurt Reschke bereit, der dann "19 Jahre lang eine gute Arbeit ablieferte", so Micheel.

Wenn man mit den Cousins Micheel in deren Erinnerungen kramt, lässt sich auch das umstrittene Gründungsdatum der Klädener Feuerwehr nicht aussparen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden alle Unterlagen der Wehr vernichtet. "Schon vor 1911 gab es in Kläden eine Löschgruppe, die dem Gut derer von Bassewitz unterstellt war", hat Mannfred Micheel recherchiert. Tischlermeister Otto Fritze hatte jede Menge Unterlagen von der Feuerwehr, so Micheel. Aber nach dem Krieg wurde alles, wie bereits erwähnt, verbrannt.

Auf der Suche nach dem Gründungsdatum

"Wenn wir zu Wettkämpfen waren, habe ich mich immer mit den Älteren unterhalten, um etwas über die Gründung unserer Feuerwehr herauszubekommen", erzählt Mannfred Micheel. Erfahren hat er seinerzeit, dass 1910 anscheinend noch keine Wehr aus Kläden an Wettkämpfen teilgenommen hat. Für das Jahr 1912 gab es dagegen eine Bestätigung. So habe man sich auf 1911 als Gründungsdatum verständigt.

Mit den Jahren sind Fritz und Mannfred Micheel zu Ehrenmitgliedern der Feuerwehr Kläden ernannt worden. Mannfred Micheel erhielt 1999 vom sachsen-anhaltischen Ministerpräsidenten Reinhard Höppner das silberne Brandschutzehrenzeichen am Band überreicht.

Am Sonnabend feiert die Klädener Feuerwehr ihr 100-jähriges Bestehen. Anlässlich des Jubiläums findet um 19 Uhr im Gerätehaus eine Festveranstaltung statt. Mit dabei sein werden Fritz und Mannfred Micheel mit ihrer jahrzehntelangen Erfahrung in der Feuerwehrarbeit und ihren insgesamt 126 Jahren im Dienst der Gemeinde.