Stendal. Am Ende der weit über 90-minütigen Gesprächsrunde im Stendaler "Hotel am Bahnhof" wollten sie ihn gar nicht mehr gehen lassen. Das hatte nichts mit einem Fluchttrieb des FDP-Spitzenkandidaten zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, Veit Wolpert, zu tun. Die Mitglieder des Kreisverbandes Stendal nahmen am Mittwochabend Tuchfühlung zu ihm auf; man war schließlich heiß auf Antworten.

Wolpert blieb geduldig im Angesicht seiner 13 Zuhörer und späteren Frager, obgleich an der Saale in Halle noch Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger am selben Abend auf ihn wartete. Spitzenfrau wollte Spitzenmann den Rücken für den 20.März stärken. Das geht dann doch nur mit ihm. Dafür hatten die Stendaler ja Verständnis.

Zuvor sah die Dramaturgie der Zusammenkunft vor, dass Wolpert, nachdem er das letzte Mal "im Sommer hier war", sich also nicht vorstellen musste, zumindest doch seine Zielrichtung und Sichten für die möglichen kommenden Jahre im Landtag aus liberaler Sicht unterstrich: Verlängerung der Autobahn A14 "schnellstmöglich", eine Wirtschaftspolitik, welche wegen des fortschreitenden Fachkräftemangels die "richtigen Signale setzt", gleichsam eine Schul- und Bildungspolitik, die mehr "Konstanz statt Probierphasen" brauche und schließlich in Gesetzen und Verordnungen jene Regelwut begrenzen, die beim Komposthaufen des Nachbarn kaum endet. Kurz: Mehr Freiraum für mehr Freiheiten. Rundum also hohes liberales Gedankengut, das weit weniger in der Sache als vielmehr in der Masse um Akzeptanz ringt. Denn die Liberalen müssen um ihre fünf Prozent landesweit bis zur letzten Wahlminute bangen.

So bekam jede politische Couleur neben gelb-blau ihr Zeugnis von Wolpert geliefert. Mal mehr, mal weniger scharf in der Abgrenzung; in jedem Fall mit viel nickender Zustimmung der Zuhörerschaft um Stendals Kreisvorsitzenden Marcus Faber. Ihr FDP-Ehrenvorsitzender Herbert Stuhl (93) gab Wolpert mit: "Ich bin seit 65 Jahren Liberaler. Und das mit ganzem Herzen." Wolpert darauf: "Von ihrem Schwung werde ich meiner Frau berichten." Sprach‘s, bedankte sich und stieg ins Auto Richtung Leutheusser-Schnarrenberger.