Vier Landtagskandidaten stellten sich am Montagabend im Grete-Minde-Saal von Tangermünde den Fragen der "Bürgerinitiative gegen das Steinkohlekraftwerk Arneburg": Detlef Radke (CDU), Harry Czeke (Die Linke), Nils Rosenthal (Bündnis 90/Die Grünen) und Rosemarie Dizner (SPD).

Tangermünde. "Ich bin froh, dass ich in Magdeburg und nicht bei Ihnen in Tangermünde zur Wahl gehe", sagte Oliver Wendenkampf am Montagabend. Als Moderator des Kandidatenforums hatte der Landesgeschäftsführer des BUND schnell erkannt: Hier sind sich alle einig. Ganz gleich, ob CDU-, Linke- oder Bündnis- 90/Die-Grünen-Mann beziehungsweise SPD-Frau. Sehr oft hieß es: "Ich kann mich nur meinem Vorredner anschließen."

"Ja, aber was unterscheidet Sie denn nun von den anderen Kandidaten? Warum sollte ich bei Ihnen und nicht bei den anderen mein Kreuz machen?", versuchte Wendenkampf die vier ein wenig aus der Reserve zu locken. Doch wirklich kämpferisch wurde es nicht hinter dem gelben Atomkraftwerke-abschalten-Banner.

Ob schwarz, rot, grün oder links – sie alle sprachen sich gegen das Steinkohlekraftwerk in Arneburg und damit auch den Bau eines Kohlehafens aus, auch gegen ein CO2-Endlager in der Altmark. Zwei waren sich einig, dass die Elbe Weltkulturerbe und damit touristisch erhalten, doch nicht ausgebaut werden sollte. Hier kam der Einwand von Detlef Radke: "Wir sind jedoch per Gesetz dazu verpflichtet, die Schiffbarkeit zu erhalten." Rosemarie Dizner forderte, den "Erhalt der Schiffbarkeit im Einklang mit der Natur".

Ein wenig differenziert ging es im Bezug auf die Verlängerung der Autobahn A14 zu. Für Harry Czeke ist der Bau eine vom Bund beschlossene Sache, "auch wenn keiner weiß, woher das Geld dafür kommen soll. Ich persönlich bin gegen die A 14 und hätte dem Ausbau der B 189 zugestimmt." Ähnlich sieht es auch Nils Rosenthal. Er erachtet den Weiterbau der Autobahn gen Norden "für nicht nötig". Das Geld könnte an anderer Stelle besser eingesetzt werden. Für Detlef Radke ist die A 14 "ein Lückenschluss". Rosemarie Dizner hofft auf mehr Investoren "und auch touristisch gesehen auf einen Aufschwung".

Im Bezug auf den weiteren Abbau von Braunkohle im Tagebau Profen, nördlich von Zeitz, gab es ebenfalls gegensätzliche Ansichten. Detlef Radke: "Solange nicht ausreichend alternative Energie vorhanden ist, müssen wir hier weiter abbauen. Der Landesentwicklungsplan sieht es außerdem vor." Auch Harry Czeke, der bereits 1995 die dortigen Anlagen und die Menschen, die dort eine Arbeit haben, besuchte, sagt, dass "zur Zeit dieser Tagebau akzeptiert werden muss". Die SPD-Kandidatin spricht sich klar gegen den weiteren Braunkohleabbau aus. Nils Rosenthal sieht Sachsen-Anhalt für eine ganz andere Aufgabe prädestiniert: "Es bietet sich regelrecht an, unser Land zu einem Vorzeigeland im Bezug auf erneuerbare Energien zu machen."

Zum Schluss möchte Oliver Wendenkampf von den Kandidaten noch ein Frage beantwortet wissen: Was machen Sie in den nächsten fünf Jahren, wenn Sie in den Landtag gewählt werden?

Czeke: "Ich kämpfe dafür, dass sich Sachsen-Anhalt klar gegen Atomkraft positioniert."

Rosenthal: "Ich werde dafür sorgen, dass endlich etwas am Tagebau Vehlitz-Möckern getan wird. Forderungen gibt es seit langem. Doch passiert ist noch immer nichts."

Radke: "Auch wenn ich jetzt Buh-Rufe ernte – ich werde mich für den Ausbau der A 14 einsetzen. Außerdem müssen wir das Finanzausgleichsgesetz so gestalten, dass die Kommunen gestärkt werden."

Dizner: "Mein Ziel ist ein familienfreundliches Sachsen-Anhalt. Ich werde für Mindestlöhne kämpfen, damit Familien von Ort arbeiten und leben können."

Etwa 20 Interessenten hatten die Wahlkampfdebatte verfolgt. Einige von ihnen verließen bereits vor Ende der gut zweistündigen Veranstaltung den Grete-Minde-Saal.