Es wird abgefragt, abgebucht und abgezockt – bei Kaffeefahrten und sogenannten Gewinnspielen, am Telefon und im Internet. Die Besucher, vornehmlich Senioren, die am Dienstag zum Aktionstag zu diesem Themenkomplex in die Verbraucherzentrale kamen, wussten ein Lied davon zu singen.

Stendal. Herrn X. wird der Gewinn eines Mercedes im Wert von 45 000 Euro avisiert. Kleine Hürde: Das Auto steht in der Türkei, kann aber für 600 und ein paar zerquetschte Euro nach Deutschland überführt werden. X. zahlt hoffnungsvoll. Statt der Limousine kommt eine zweite Nachricht: Komplikationen! Es müssen noch 800 Euro nachgezahlt werden. X. überweist. Dann hört er lange nichts von seinem "Gewinn". Bis ihn der Brief eines Anwalts erreicht. Das sei alles Betrug gewesen, teilt dieser mit. Er bereite eine Sammelklage aller Geschädigten vor; dafür sollte X. doch mal schnell 60 Euro überweisen.

Die dreiste dreifache Abzocke für ein Auto, das nie seinen "Gewinner" erreicht, ist sicher die Ausnahme. Margit Schmidt von der Stendaler Verbraucherzentrale wurde sie vorgestern am Weltverbrauchertag bei einer persönlichen Beratung geschildert. Andere Betrugsversuche passieren täglich. Die Beratungsstelle am Jacobikirchhof hatte zu einem Aktionstag unter dem Motto "Abgefragt, abgebucht, abgezockt – (be)trügerische Gewinne" eingeladen. Und der große Zustrom bewies, dass kaum ein aktuelleres Thema hätte gewählt werden können.

Die Mitarbeiterinnen der Verbraucherzentrale standen mit vielen Informationen zur Verfügung, kostenlose Broschüren und Merkzettel lagen aus. An einem Computer konnte man sich selbst über die Gefahren informieren, wenn man online seine persönlichen Daten preisgibt. Eine individuelle Beratung zu einem persönlichen Problem bot Margit Schmidt für fünf Euro an.

Auch das Polizeirevier hatte sich in den Aktionstag eingeschaltet. Kriminaloberkommissarin Birgit von der Heide gab Tipps, wie man sich vor der alltäglichen Kleinkriminalität schützen kann. Etwa solche: Nicht zu viel Bargeld und nicht alle Geldkarten bei sich führen, und wenn, dann möglichst in einem Brustbeutel am Körper tragen, die Tasche im Supermarkt nicht in den Einkaufskorb legen und vieles mehr. Ihre wichtigsten Tipps in Sachen Telefon- und Internet-Abzocke: "Sagen Sie am besten immer: Kein Interesse! Und geben Sie niemals Ihre Kontonummer heraus!"

Einen selbstbewussten Umgang mit den täglich lauernden Gefahren des Betruges legte die Stendalerin Gisela Marggraf an den Tag. "Man kann sich ruhig mal einen schönen Tag machen bei einer Kaffeefahrt", verriet sie der Volksstimme. "Wichtig ist aber: Nichts kaufen!" Sie nehme öfter mal mit einer Bekannten, die Rechtsanwältin sei, an solchen Fahrten teil. "Da lassen wir uns von keinem Verkäufer belatschern." Dass sich gerade ältere Leute oft nicht trauen, nein zu sagen, und dann völlig überteuerte Sachen kaufen, ist ihrer Meinung nach ein Problem, dem man mit mehr Selbstbewusstsein begegnen könnte.

Doch wirklich gefeit davor ist niemand. Nach Einschätzung von Margit Schmidt sind ältere Leute eher von Einladungen zu Kaffeefahrten und Gewinnspielen betroffen, während Jüngere häufiger in die Fallen des Internets tappen.