Stendal. Seit einigen Wochen steht im Haus der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde an der Bahnhofstraße in Stendal wieder eine Wohnung leer. Nun sollen die Räume auf völlig neue Art belebt werden. "Ab Montag heißen wir dort Menschen ohne Arbeit willkommen", sagt Ursula Blume-Hartwig und wird bei der Realisierung von Gemeindeleiterin Dorothee Oesemann unterstützt.

Die Idee zu solch einer Begegnungsstätte hatten die beiden schon vor vielen Jahren. Doch bevor die Idee in die Tat umgesetzt wurde, war die Wohnung wieder vermietet. "Jetzt ist die richtige Zeit", ist Oesemann überzeugt. Die Gemeinde sei nicht nur zum Selbstzweck da, sondern will sich auch für ihr Umfeld einsetzen. "Die Erfahrung hat gezeigt, wenn man etwas wagt, dann bekommt man auch Hilfe von außen", sagte die Gemeindeleiterin.

Der Antrieb von Ursula Blume-Hartwig ist noch ein anderer. "Wenn man sich diesen Menschen nicht zuwendet, nimmt es meist Richtungen an, die wir alle nicht wollen", sagt sie. Vor 15 Jahren hat ihr ehemaliger Arbeitskollege einmal erzählt: "Als Arbeitsloser bist du tot." Ohne Job hatte er es schwer, kam mit seinem Leben nicht klar, hat getrunken und ist früh gestorben. Auch wenn das kein exemplarisches Schicksal ist, hat es die Christin aufgerüttelt und will nun mit Dorothee Oesemann einen Ort der Begegnung schaffen.

Allerdings stellt die Gemeindeleiterin eines klar: "Wir wollen nicht nur Dienstleister für motivationslose Menschen sein, sondern sie auch animieren etwas zu tun und eine neue Aufgabe zu finden." So könnten die Teilnehmer an Projekten wie Weihnachten im Schuhkarton, im Tier- oder Altenheim, im Krankenhaus aber auch in der Nachbarschaft helfen. "Freunde und Zufriedenheit kann man nicht kaufen, aber erleben", sagt Ursula Blume-Hartwig.

Um diesen Zustand zu erreichen, sollen die Menschen in der Begegnungsstätte auch miteinander ins Gespräch kommen. " Menschen mit ähnlichen Problemen finden viel schneller eine Gesprächsebene. Allein das Wort kann ihnen schon helfen", sagte Oesemann.

Wie die Begegnungsstätte in den nächsten Wochen gestaltet wird, dabei sollen auch die Nutzer und Gäste ein Wort mitreden können. Oesemann ist gespannt und sagt sich: "Mal gucken was wird." Um das Angebot auf breite Schultern zu stellen, würden sich die beiden Frauen über Hilfe von außen freuen und gern mit anderen Organisationen in der Hansestadt zusammen arbeiten.

Startschuss für die Begegnungsstätte ohne Arbeit an der Bahnhofstraße 8 ist am Montag, 4. April um 9.30 Uhr. Bis auf weiteres sollen weitere Treffen montags und mittwochs jeweils von 9.30 Uhr bis 11.30 Uhr angeboten werden. Anmeldungen sind erforderlich. "Wir freuen uns über jeden, der das Angebot nutzen möchte", sagte Oesemann.