Stendals Stadtwehrleiter Michael Geffers sprach am Dienstagabend Klartext im Ortschaftsrat Jarchau: Die freiwillige Ortsfeuerwehr habe mit zwölf Kameraden zu wenig Aktive und sei somit nicht rund um die Uhr einsatzbereit. Kurzum: Es brennt bei Jarchaus Wehr. Wenn sich daran nicht bald etwas ändere, sehe es schlecht aus für die Einwohner.

Jarchau. Die Offenlegung der personellen Situation bei der Ortsfeuerwehr Jarchau zeichnet ein düsteres Bild von der Einsatzbereitschaft – wenn der Ernstfall eintritt. Das machte Michael Geffers den Mitgliedern des Jarchauer Ortschaftsrates mehr als deutlich. "Die Wehr zählt 34 Kameraden, das klingt erstmal viel, ist es aber nicht." Von den 34 sind gerade einmal zwölf Aktive, davon wiederum sechs Atemschutzgeräteträger, acht sind in der Jugendwehr, zehn in der Alters- und Ehrenabteilung, und vier sogenannte Dienstanfänger. "Bei 539 Einwohnern eindeutig zu wenig Aktive", bescheinigt Geffers.

Die zwölf Aktiven seien wiederum nicht rund um die Uhr einsatzbereit. Viele arbeiten auswärts oder sind am Tage nicht in Jarchau, um im Notfall Hilfe zu leisten. "Und innerhalb von zwölf Minuten können auch wir von der Stendaler Feuerwehr nicht hier sein", warnte der Stadtwehrleiter. Hilfe von rechts und links habe man ebenfalls nicht rechtzeitig zu erwarten. Kurzum: Wenn es in Jarchau brennt, sieht es schlecht aus mit der Brandbekämpfung.

Und das, obwohl der städtische Haushalt für Jarchau eine große Investition vorsieht, die gerade die Feuerwehr unterstützen soll: Für 295 000 Euro soll ein neues Gerätehaus in Jarchau für die Einsatzfahrzeuge gebaut werden. Doch genau hier taucht die Frage auf: Lohnt sich die Investition überhaupt, wenn Jarchau nicht mal genügend aktive Kameraden vorzuweisen hat? "Wir wollen die Wehr auf keinen Fall schließen, sondern am Leben erhalten", sagte Geffers, der insgesamt 26 Ortsfeuerwehren zu betreuen hat. "Doch die Mitgliederzahl muss unbedingt erhöht werden. Die jetzigen Kameraden können es sonst nicht schaffen."

Geffers lobte zwar die starke Vereinstätigkeit und die Gestaltung des Dorflebens, aber "die Anzahl der Aktiven muss verstärkt werden". Auch die Anzahl der Jugendwehrmitglieder sei mit acht Jugendlichen zu gering. Zwar habe die Jugendwehr Erfolge zu verzeichnen und nimmt am Zeltlager teil, aber: "Die Zahlen sind grenzwertig. Die Feuerwehrtaktik sagt was anderes." Je mehr Leute die Ortswehr stellen könnte, umso höher sei die Wahrscheinlichkeit, dass im Brandfall auch Hilfe vor Ort möglich wäre. "Nicht, dass sie sich sonst überschätzen", so der Stadtwehrleiter. Jetzt müsse Engagement vom Ortsteil kommen.

"Wir sind bemüht, neue Leute zu werben, aber es ist schwierig in Jarchau", machte ein Ratsmitglied deutlich. Das Dorf werde als Schlafstätte benutzt, viele Bewohner hätten gar kein Interesse am dörflichen Leben. Sie müssten erst die Tragweite des Problems erkennen. "In der Feuerwehr zu sein, heißt Verantwortung zu übernehmen, das wollen viele nicht", hieß es weiter aus der Runde.

Ortsbürgermeister Heinz-Jürgen Twartz sagte, es gebe auch Lichtblicke bei der Mitgliederwerbung. Das sei schon 2010 Thema beim Förderverein der Feuerwehr gewesen. Ein Tag der offenen Tür brachte zwar Interesse, aber keine neuen Mitglieder. Eyk Mahnke vom Förderverein forderte mehr Unterstützung vom Ortschaftsrat. Zudem sei jetzt auch eine Kinderfeuerwehr in Planung. Dadurch erhofft man sich auch, dass Eltern über ihre Kinder Interesse an der Feuerwehr finden und Mitglied werden.

Die Anwesenden einigten sich darauf, dass Feuerwehr und Förderverein sich um dieses Thema Gedanken machen und der Rat die Ideen dann versucht mit umzusetzen.