Die Teestube "Maranata" feiert am Sonnabend 30. Geburtstag. Der Treff für Jugendliche, Frauen und Senioren entstand 1981 aus dem Gedanken heraus, Raum für offene Gespräche zu bieten. Aus diesem Raum ist nicht nur eine feste Institution geworden, sondern für viele junge Menschen auch eine Familie.

Stendal. "Das eine ist aus dem anderen entstanden, darum feiern wir gemeinsam." Katharina Feuerherdt und Barbara Miesterfeldt freuen sich schon auf Sonnabend, denn dann wird in der Teestube "Maranata" gleich doppelt Geburtstag gefeiert. Die Teestube wird 30, und ihre "Mutter", die Adventgemeinde Stendal, wird 100.

Die Teestuben als Begegnungsstätten kamen Ende der 70er im Westen Deutschlands auf. "Unser damaliger Pastor hat diese Idee dann auch hier umgesetzt", erzählt Katharina Feuerherdt von der Adventgemeinde, die vor 100 Jahren in Stendal gegründet wurde. "Die Kinder- und Jugendarbeit war ja stark ideologisch geprägt, da bot die Kirche einen Raum, wo man offener reden und auch mal provokant sein konnte."

Solch ein Raum war dann die Teestube, damals noch "Dachstübl" genannt und in der Marienkirchstraße beheimatet. Das war im Mai 1981, anfangs kamen 80, 90 Leute zu den Treffen in dem winzigen Raum. "Es war eine interessante Zeit", erinnert sich Feuerherdt, die von Anfang an dabei war. "Wir haben die Jugendlichen auf der Straße angesprochen, um uns bekannt zu machen."

Nach der Wende zog die Teestube in eine Dreiraumwohnung in Stadtsee um, Mitte der 90er schließlich fand sie ihr Domizil in der ehemaligen Kinderkombination "Kunterbunt" in der Heinrich-Zille-Straße. Dort ist sie bis heute, und kunterbunt geht es dort auf jeden Fall zu.

Kinder von ganz klein bis volljährig, junge Erwachsene bis hin zu 30-Jährigen kommen in die Teestube. Es sind vor allem Kinder von Spätaussiedlern, Migranten, aber auch Deutsche. Ihnen werden Freizeitangebote gemacht, und ihnen wird geholfen bei Bewerbungen und Stellensuche, beim Meistern des Alltags. Und regelmäßig finden Frauenfrühstück und Bastelrunden statt, Treffen für Senioren gibt es, und auch der Charity-Shop in der Bahnhofsvorstadt gehört zur Teestube, die unter den Fittichen der Adventgemeinde als Verein betrieben wird.

"Es ist ein sehr schönes Arbeiten", findet Barbara Miesterfeldt, die vor allem die Jugendarbeit in ihren Händen hat, "es ist nicht nur, dass wir geben und geben, sondern wir bekommen auch ganz viel zurück. Unsere Arbeit ist keine Einbahnstraße." Die Hilfsbereitschaft vieler Jugendlicher begeistere und berühre sie. "Es ist gewiss nicht immer einfach hier, aber es ist immer wieder spannend." Schöne Erlebnisse wechseln sich ab mit traurigen Erfahrungen. "Wichtig ist, dass wir für die Jugendlichen immer ein offenes Ohr haben."

Ohne die vielen Ehrenamtlichen, ohne Unterstützung von Landkreis, Stadt und einigen Firmen wäre das, was in den 30 Jahren entstanden ist, gar nicht denkbar gewesen. "Ein Jugendlicher", erinnert sich Miesterfeldt, "hat mal gesagt: Es ist wie eine Familie, die immer weiter wächst." Damit diese Familie auch gut funktioniert, würden die Teestuben-Betreuer gern auch mal Mini-Jobber einstellen. Dafür allerdings fehlt das Geld.

Der Name "Maranata" verdeutlicht übrigens den religiösen Ursprung der Einrichtung. "Das kommt aus dem Aramäischen und heißt ¿Unser Herr kommt‘, das ist ein alter Gruß", erklärt Barbara Miesterfeldt. Und auch wenn nicht jeder, der in die Teestube kommt, christlichen Glaubens oder überhaupt religiös ist, ist es den Mitarbeitern wichtig, christliche Werte zu leben. Barbara Miesterfeldt: "Wir wollen ein Stück Liebe geben in einer Zeit, die oft so kalt ist."