Fast 20 Jahre leitete Günter Kasten die Geschicke des Mietervereins in Stendal. Nun übergibt er das Zepter an Angela Mattke. Am Sonnabend führte er letztmalig durch die Mitgliederversammlung. Und blickte auch etwas wehmütig auf die vielen Jahre beratender Tätigkeit zurück.

Stendal. Für Günter Kasten war der vergangene Sonnabend nicht wie jeder andere. Zum einen war da die alle zwei Jahre stattfindende Mitgliederversammlung des Mietervereins Stendals, den er nun schon fast zwei Jahrzehnte leitet. Zum anderen war diese Mitgliederversammlung seine letzte. Seine letzte als geschäftsführender Vorsitzender.

"Der Verein war immer sein drittes Kind"

Von nun an wird Angela Mattke aus Stendal die Stendaler Geschäftsstelle des Mieterbunds in der Grabenstraße leiten. Sie wurde einstimmig als Nachfolgerin Kastens gewählt. Mattke arbeitet seit 2004 für den Mieterbund. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder. Als Rechtsberaterin war sie bisher für den Mieterverein Stendal und Umgebung tätig. "Zugegeben, Günter Kasten und ich mussten erst zusammenwachsen", sagte sie. "Aber nun hoffe ich, seiner Arbeit gerecht zu werden und in seine Fußstapfen treten zu können. Schließlich war der Verein immer sein drittes Kind."

Vor der Wahl des neuen geschäftsführenden Vorsitzenden gab Kasten letztmalig einen Überblick über die Geschäftsjahre 2008 und 2009.

Gegenwärtig zähle der Verein 2027 Mitglieder. Damit sei er der viertstärkste Mieterverein, nach Magdeburg, Halle und dem Burgenlandkreis, in Sachsen-Anhalt. "Die Jahre 2008 und 2009 waren trotz der schlechten Arbeitsmarktsituation, der indiskutablen Lohnpolitik und der Preissteigerungen erfolgreiche Arbeits- jahre", resümiert Kasten.

"Der Mieter braucht ein Gegengewicht"

Im Durchschnitt suchten täglich 10 bis 15 Ratsuchende die Geschäftsstellen in Stendal, Osterburg, Gardelegen und Salzwedel auf. Die meisten Probleme entstünden bei den Betriebskosten, Wohnungskündigungen, der Abwehr unangemessener Schönheitsreparaturen oder auch der rechtlichen Prüfung von Mietverträgen. "Die Vielfalt der Fragen und Probleme nimmt immer zu", sagte Kasten. "Wichtig und entscheidend sind dabei nicht nur die Rechte der Mieter, sondern auch ihre vertraglichen Pflichten."

Zuletzt wies Kasten auf die Zeit der Computertechnik und Handys hin. So können seit einiger Zeit auch alle Internetgänger auf der neuen Homepage Kontakt zu den Beratern suchen und die wichtigsten Informationen finden oder ein Aufnahmeformular herunterladen.

Letztmalig wandte er sich an die Mitglieder und meinte: "Der Mieter braucht ein Gegengewicht. Das kann der Markt nicht allein regeln. Dazu ist der Mieterbund mit seinen zahlreichen Anlaufstationen da. Egal ob nun im Internet, per Telefon oder in der Geschäftsstelle. In Zukunft aber ohne mich als Vorsitzenden." Und so ganz einfach fiel Kasten der Rücktritt nicht. Mit einem weinenden Auge verlässt er den Mieterbund. Mit einem lachenden Auge blickt er in die Zukunft. "Nun habe ich mehr Zeit für meine Enkel und vor allem für meine Frau, die mir so viele Jahre den Rücken freigehalten hat."

www.mieterverein-stendal.de