Mit einem eindrucksvollen Programm aus Vorträgen und Musik ist in der Katharinenkirche die Ausstellung "Eine Spur von mir ... Zwangsarbeiter im Nationalsozialismus" eröffnet worden. Die von der Konrad-Adenauer-Stiftung organisierte Schau kann bis zum 27. Juni im Altmärkischen Museum besichtigt werden.

Stendal. Die Stadt Hattingen im südlichen Ruhrgebiet hat der Hansestadt Stendal eines voraus: Sie hat die Geschichte der Zwangsarbeiter, die während des 2. Weltkrieges in ihren Mauern schuften mussten, aufgearbeitet. Mehr als 10 000 waren es in den Jahren 1939 bis 1945; jeder vierte Hattinger war Ausländer. Sie waren in 90 Lagern und Gemeinschaftsunterkünften in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Einheimischen untergebracht. 356 von ihnen starben, bevor sie wieder in ihre Heimat durften.

"Wenn Sie in Stendal nachforschen, werden Sie überrascht sein, welche Dimension die Zwangsarbeit auch in Ihrer Stadt hatte", sagte Thomas Weiß, Leiter des Hattinger Stadtarchivs, zur Eröffnung der Ausstellung "Eine Spur von mir ..." in der vergangenen Woche im Altmärkischen Museum. Zuvor hatte Oberbürgermeister Klaus Schmotz eingeräumt, dass die Ereignisse dieser Zeit in Stendal bisher wenig erforscht seien. Durch zahlreiche Anfragen von Kindern ehemaliger Zwangsarbeiter, die nach Spuren ihrer Eltern suchen, wisse die Stadt aber, dass auch hier, zum Beispiel auf dem Flugplatz Borstel, zahlreiche ausländische Arbeitskräfte zwangsbeschäftigt waren.

Acht bis zehn Millionen, so wird geschätzt, sollen es im Deutschen Reich gewesen sein – von freiwilligen Bauarbeitern aus dem verbündeten Italien bis zu gewaltsam verschleppten, zumeist jugendlichen Frauen und Männern aus der damaligen Sowjetunion und schließlich KZ-Häftlingen.

Zwangsarbeiter war nicht gleich Zwangsarbeiter. Diejenigen aus Frankreich oder den Niederlanden wurden ungleich besser behandelt als Ostarbeiter, die wie die Juden ein Abzeichen tragen mussten und als "Untermenschen" der Gewalt und Demütigung ihrer Bewacher ausgeliefert waren.

Bürger von Buchum wie Heide Rieck und Waltraud Jachnow stießen in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts bei ihren Nachforschungen auf Überlebende wie Valerian Lopatto aus Sewastopol auf der Krim. Als 15-Jähriger ins Ruhrgebiet verschleppt, hielt er das dort Erlebte erst im hohen Alter in Zeichnungen fest, die einen wesentlichen Teil der Ausstellung ausmachen. Sie zeigen keineswegs nackte Gewalt, berühren stattdessen mit der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, die die Gesichter der Gedemütigten ausstrahlen.

Heide Rieck und Waltraud Jachnow, die für die Gesellschaft Bochum-Donezk tätig sind, berichteten in Stendal von den herzlichen Begegnungen zwischen ehemaligen Zwangsarbeitern und Bochumern, die sich im Zuge der Spurensuche und der Städtepartnerschaft mit Donezk entwickelten.