Stendal. Sie in den Arm nehmen, ihnen zuhören oder einfach mal fragen, wie es ihnen geht. Das helfe vielen Menschen schon, die zu Opfern von Überfällen, Vergewaltigungen, Wohnungseinbrüchen oder Stalking geworden sind, berichtet Michaela Methner aus ihren Erfahrungen. Seit 2007 ist die Osterburgerin im Landkreis Stendal ehrenamtlich für den Weißen Ring tätig – jenen bundesweiten Verein, der sich als Anwalt für Kriminalitätsopfer versteht, ihnen Beistand und, wenn notwendig, auch finanzielle Hilfe gewährt.

Bis vor Kurzem waren Michaela Methner und die Stendalerin Renate Porep, die die Außenstelle Stendal des Weißen Rings 13 Jahre lang geleitet hat und jetzt etwas kürzer treten will, die beiden einzigen Mitstreiter in der östlichen Altmark. Umso mehr freuen sie sich, dass nun, aufmerksam geworden durch einen Volksstimme-Beitrag im Februar über Johann Lottmann und den Weißen Ring, vier Männer und Frauen zu ihnen gestoßen sind. Gestern stellte Lottmann, der für den Landesverband des Opferhilfevereins arbeitet, die neue Außenstelle Stendal des Weißen Rings öffentlich vor.

" Es gibt auch hier genügend zu tun, um Kriminalitätsopfern besser als bisher beistehen und helfen zu können ", sagte Lottmann, Polizeipräsident im Ruhestand. " Wir tun etwas, was Polizei und Justiz nie leisten könnten. " Mal zwei Stunden zuhören können, trösten, den persönlichen Kontakt pflegen, Tipps für medizinische oder anwaltliche Hilfe geben, die Betroffenen zur Polizei oder ins Gericht begleiten ... Die Anforderungen an die Ehrenamtlichen sind vielfältig und kräftezehrend. " Wir benötigen starke Persönlichkeiten, die auch die Tiefen des Lebens ertragen können ", sagt Lottmann.

Für diese Arbeit fühlen sich Christel Stoldt aus Schernikau, Claus Weps aus Lindtorf, Willy Pohlan aus Börgitz und Nikolaus Hopf aus Goldbeck stark genug. " Ich war acht Jahre Sporttherapeut im Maßregelvollzug, habe also mit den Tätern gearbeitet. Jetzt im Ruhestand will ich etwas für die Opfer tun ", beschreibt Willy Pohlan sein Motiv. Auch die drei anderen wollen sich nach ihrem Berufsleben für leidgeprüfte Mitmenschen einsetzen, deren Schicksal in der Öffentlichkeit häufig von der Tat und den Tätern überdeckt wird.

Die erste Schulung der neuen Mitstreiter des Weißen Rings steht schon bevor.