Stendal. Als man Altmeister Dieter Hildebrandt nach der Zukunft der politischen Satire befragte, antwortete er sinngemäß : Solange es die Politik gibt, so wie sie gemacht wird, ist mir nicht bange um unsere Branche. Wir kommentieren doch nur deren Aktionen.

Wenn die Hengstmann-Brüder in ihrem nunmehr achten Programm, mit dem sie am Freitag im Theater der Altmark gastierten, selbstironisch behaupten : " Uns kennt doch keine Sau ", dann brauchen auch sie ihr Licht durchaus nicht unter den Scheffel zu stellen. Sie profitieren ebenso wie ihre Mitstreiter des Genres politisch-satirisches Kabarett von Ereignissen und Ergebnissen, die Politiker liefern, wie schon seit Generationen andere, die auch davon lebten und noch leben werden. Auf die richtige Prononcierung kommt es an, und die treffen die Magdeburger Kabarettisten sehr genau.

Ihr Programm " gegen () Sätze " spießt auf, was aus dem Tagesgeschehen und den Alltagsgesprächen unserer Politiker verwertbar ist. Es untersucht die Brauchbarkeit und den Wahrheitsgehalt der Worte, stellt Taten oder auch die ausgebliebenen gegenüber und hat die Lacher auf seiner Seite.

Da sich die Parteien heute fast wie ein Ei dem anderen gleichen, müssen eben die Worte ihrer verantwortlichen Macher, die sich in " Sätzen " artikulieren, herhalten und auf ihren Gebrauchswert hin geprüft werden. Dabei kommen wahre " Blüten " heraus. Unsere Akteure kommen zur Erkenntnis, dass früheres Früher auch nicht immer besser zu sein schien, als sich heute das Früher darstellt. Oder anders : Dass früher eher markiger geredet wurde als heute, aber wie heute das Resultat auch dem Selbstlauf überlassen blieb. Adenauer sprach ständig zum Beispiel von Deutschland als Ganzem – geworden ist es das nach 40 Jahren. Kohl redete von " blühenden Landschaften " – 1990 !

Bei so viel Ausbeute aus dem Politalltag muss auch den Hengstmann-Brüdern um ihre Satirezukunft nicht bange sein. Ihr Stendaler Gastspiel jedenfalls erhielt viel und herzlichen Beifall.