Wer glaubte, nach dem jahrelangen Ausdünnen der Schullandschaft im Landkreis sei keine der ostaltmärkischen Schulen mehr in ihrem Bestand gefährdet, saß einem Irrglauben auf. Vor allem kleine Grundschulen sind es, die sich aufgrund sinkender Schülerzahlen ernsthafte Gedanken machen müssen. Und das ist zum Teil auch der Gebietsreform geschuldet.

Stendal. Es sei an der Zeit, darüber zu reden, stimmte die Leiterin des Stendaler Schulverwaltungsamtes, Dr. Ulrike Bergmann, die Mitglieder des kreislichen Schul-, Kultur und Sportausschusses auf eine zum Teil durch die Gebietsreform bedingte Entwicklung in der kreislichen Schullandschaft. Es geht um die Grundschulen und um die Zahl der Kinder, die dort in den kommenden Jahren eingeschult werden. Mit Blick auf diese Zahlen sagte Ulrike Bergmann im anschließenden Gespräch mit der Volkstimme : " Wir sind noch nicht überall in sicherem Fahrwasser. Und darauf wollte ich die Ausschussmitglieder aufmerksam machen. "

Ein Hinweis der noch frühzeitig genug kommt, um ohne Hast zwar aber dennoch gezielt nach Lösungen im Interesse des Erhalts der kleinen Schulen zu suchen.

Zum Beispiel für die in Rochau, Sanne und Schinne. Für sie könnte ab dem Schuljahr 2011 / 12 ( in Sanne ab 2012 / 13 ) zum Verhängnis werden, dass Kinder aus den nun zu Stendal gehörenden Orten auch in Stendaler Grundschulen eingeschult werden. Die Schulamtsleiterin machte es an konkreten Zahlen deutlich.

Die Kinder aus Groß Schwechten sollen im nächsten Jahr in der Stendaler Grundschule am Stadtsee eingeschult werden. Damit würde nach bisheriger Übersicht die Grundschule in Rochau in ihrem, dann keineren Einzugsbereich nicht mehr die vom Land geforderten zehn Kinder zusammenbekommen, um 2011 eine erste Klasse zu bilden. Für die Grundschule in Schinne, die ab 2011 auf die dann ebenfalls in der Stendaler Grundschule am Stadtsee einzuschulenden Kinder aus Uenglingen verzichten muss, ist die Lage nicht ganz so dramatisch. Dort wäre die Bildung einer ersten Klasse trotz des Weggangs der Uenglinger

Kinder im kommenden Jahr noch gewährleistet.

Die Grundschule in Sanne wird in zweieinhalb Jahren vor dem gleichen Problem wie die in Rochau stehen. Die Kinder aus Jarchau ( bislang Sanner Grundschüler ) werden in der Grundschule Nord in Stendal eingeschult. Damit wird die Zahl der einzuschulenden Kinder in der Sanner Grundschule 2012 unter die Klassenbildungsgrenze von zehn Schülern rutschen.

In dieselbe Bredouille gerät die Grundschule in Hohenberg-Krusemark bereits im nächsten Schuljahr, auch ohne dass sie auf Kinder aus anderen Orten verzichten müsste. Nur sechs Jungen und Mädchen werden nach bisheriger Übersicht im Sommer in Hohenberg-Krusemark eingeschult. Allerdings ist die Existenz dieser Grundschule dadurch nicht bedroht. Denn Hohenberg-Krusemark erfüllt die wichtige zweite Bedingung, die das Land den Bestand einer Grundschule knüpft : Mindestens 40 Kinder müssen an einer Grundschule insgesamt unterrichtet werden. An der Grundschule Hohenberg-Krusemark werden es im kommenden Jahr – alle vier Jahrgänge zusammengerechnet – 43 Kinder sein, im Schuljahr 2013 / 14 sogar 47 und darunter dann auch wieder 17 Abc-Schützen.

" Für Rochau und Sanne könnte es hingegen es eng werden ", befürchtet Schulverwaltungsamtsleiterin Ulrike Bergmann, da dort zumindest vorübergehend die 40-Schüler-Grenze unterschritten wird.

Wie die Orte Rochau und Sanne gehört auch Werben zur Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck. Die Werbener Grundschule konnte im Vorjahr neun Kinder einschulen und wird in diesem Jahr zehn Abc-Schützen haben. Auch dort muss man sich ernsthafte Gedanken machen, um den Bestand der Grundschule für die Zukunft zu sichern.

Von derartigen Sorgen ist auch die Verbandsgemeinde Seehausen nicht frei, wenn es um die Grundschule in Krüden geht. Sie würde mit Beginn des kommenden Schuljahres keine zehn Abc-Schützen mehr haben und damit unter die geforderte Gesamtschülerzahl von 40 rutschen. " In Seehausen macht man sich ernsthaft Gedanken und sucht ganz doll nach einer Lösung ", bescheinigt die Schulamtsleiterin den dort Verantwortlichen und gibt ihnen in diesem Bemühen Rückenhalt, in dem sie gegenüber der Volksstimme versichert : " Freiwillig werden wir keine Grundschule schließen. "

Nur weiß die Schulverwaltungsamtsleiterin auch, dass die Entscheidung darüber letztendlich im Landesverwaltungsamt fällt. Und das gilt es, wenn schon nicht Zahlen dann doch pfiffigen und damit tragfähigen Schulkonzepten zu überzeugen. Schützenhilfe könnten die Gemeinden und könnte das Schulverwaltungsamt des Landkreises dabei von zum Beispiel aus dem Stendaler Kreistag kommen. Wie berichtet, fordert bislang zumindest die CDU-Fraktion im Ergebnis einer Klausurtagung vom vergangenen Wochenende von der Landesregierung, den Norden des Landes, sprich die Altmark zu stärken, indem sie sich unter anderem dazu bekennt, im Landkreis Stendal keine Schulen mehr zu schließen.