Der strenge Winter macht dem heimischen Wild schwer zu schaffen. Spätestens, seitdem der Frost den Schnee verharschen ließ, finden insbesondere Rehe kaum noch Nahrung. Waidmänner wie Helge Reichstein aus Königsmark mussten in den zurückliegenden Tagen immer mehr verendete Tiere versorgen.

Königsmark. Helge Reichstein steht vor einer leeren Futterraufe. Sie symbolisiert die Notlage, in der sich in diesen Tagen viele frei lebende Tiere befinden. Während Dam- und Rotwild in den besser vor dem Schnee geschützten Wäldern immer noch Nahrung finden, hat der strenge Winter insbesondere für das Rehwild eine bedrohliche Kulisse aufgebaut.

Die Rehe hungern, weil verharschter Schnee weite Teile der Flur bedeckt und das Finden von Futter ungemein erschwert. Immer häufiger werden in der Landschaft verendete Rehe entdeckt. Wie das Tier, das Reichstein vor der Raufe mühelos mit einer Hand in die Höhe hebt. " Normalerweise brauche ich beide Arme, um ein Reh zu halten ", verweist der Waidmann darauf, dass das Tier schon deutlich an Gewicht verloren hatte, bevor es verhungerte. " Und dieses Reh ist ja längst kein Einzelfall. Seitdem der strenge Frost herrscht, sind es täglich zwei bis drei Tiere, die verendet gefunden und von uns versorgt werden ", erzählt Reichstein.

Unruhig und besorgt hat der Jäger die Situation in den zurückliegenden Tagen verfolgt. Und scheinbar ohnmächtig, " denn laut Landesjagdgesetz ist uns Waidmännern das Füttern der Tiere untersagt. " Ausnahmen seien für Notzeiten wohl möglich, " aber ich habe noch nicht gehört, dass wir jetzt füttern dürfen ", erzählt der Waidmann. " Früher haben mein Opa und seine Jagdkollegen sich in strengen Wintermonaten um Futter für die Tiere gekümmert. Nach der Schule sind meine Schwester und ich oft mit dem Schlitten losgezogen, um Heu in das Jagdrevier meines Opas zu bringen. Aber das ist jetzt nicht mehr erlaubt ", kritisiert Reichstein. " Viele meiner Jagdkollegen können dieses Verbot auch nicht verstehen. Denn das Waidhandwerk, das wir ausüben, bedeutet für uns auch Hege und Pflege ", sagt er.

Wie andere Waidmänner hat Reichstein die Zahl der Kontrollgänge durch sein Revier dramatisch reduziert. " Wir wollen die Tiere nicht unnötig beunruhigen. Denn jeder zusätzliche Schritt kostet wertvolle Energie. Deshalb bitte ich auch alle Hundefreunde eindringlich darum, bei einem Gang durch die Natur den Hund unbedingt an die Leine zu nehmen, um das Wild nicht aufzuschrecken ", appelliert Reichstein. Landwirte sollten ein Auge zudrücken, wenn sich die Tiere aus Futtermangel an Gras- und Maissilos zu schaffen machen. Und die Kraftfahrer bittet der Waidmann um erhöhte Aufmerksamkeit, weil sich viele Rehe aufgrund der Mineralstoffe im Streusalz an den Straßenrändern aufhalten würden.

" Ich möchte aber nicht nur Ratschläge und Hinweise geben. Sondern mich selbst um Futter für die Tiere kümmern. Aber mir sind die Hände gebunden. Warum muss das so sein ?", fragt er.

Ist es aber gar nicht, macht Martina Hass von der Unteren Jagdaufsichtsbehörde des Landkreises deutlich. Denn laut Paragraf 34 des Landesjagdgesetzes sei das Füttern zwar generell untersagt, in Notzeiten aber eben nicht. " Jeder Revierinhaber hat selbst einzuschätzen, ob eine Notsituation vorliegt. Bejaht er dies, kann er sich um Futtermaterial für das Wild kümmern. Wobei aber auch klar festgelegt ist, was als Futter verwendet werden darf ", sagt Hass. Warum Jäger wie der Königsmarker Helge Reichstein von dieser Regelung keine Kenntnis haben, kann die Mitarbeiterin der Jagdaufsicht nicht beantworten. Sicher sei aber, dass ihre Behörde stets als Ansprechpartner für die Jäger zur Verfügung stehe. " So hatten wir in den zurückliegenden Tagen schon mehrere Anfragen wegen der Notfütterung von Wild ", stellt sie klar.

Für Helge Reichstein bedeutet die Information aus der Jagdaufsichtsbehörde aber vor allem : Ab sofort kümmert sich der Königsmarker wegen der vorherrschenden Notsituation um Futtermaterial für das Rehwild. Die Zeiten leerer Futterraufen, in der Königsmarker Flur sind sie zum Glück wohl vorbei.