Stendal. " Ein Esel in Rom ist mehr wert als ein Kamel in Ägypten. " Mit diesem von Winckelmann zitierten Satz eines Zeitgenossen hatte Dr. Eva Hofstetter ihren Vortrag zur derzeitigen Sonderausstellung im Winckelmann-Museum am Mittwochabend überschrieben. Der Untertitel " Winckelmann und die Orientreisen " drückte klarer aus, worum es ihr ging.

Das Referat durchforschte Hinweise und Schriftbekenntnisse des Archäologen zu Reisewünschen in den Orient. Allerdings war Johann Joachim Winckelmann weder in Ägypten noch in der Türkei, trotz mehrerer Einladungen durch Forscher und Diplomaten, ihn zu begleiten. Weshalb er feststellte : " Ein Esel in Rom ist wertvoller als ein Kamel in Ägypten ", bleibt Geheimnis der Vergangenheit. Fest steht aber, dass das letzte Reiseangebot eines Forscherteams an ihn nur durch seinen plötzlichen Tod verhindert wurde. Dieses Projekt wurde mit finanzieller Hilfe des dänischen Königs nach Winckelmanns Tod realisiert.

Dr. Eva Hofstetter bewies anhand vieler Exzerpte, die Winckelmann aus Reisebeschreibungen zeitgenössischer Autoren anfertigte, und durch seine Sprachstudien, dass er doch immer wieder an eine Orientreise dachte. Zeitig, während seiner Nöthnitzer Bibliothekarszeit, beweisen das Briefbekenntnisse an seinen Magdeburger Freund und Koranübersetzer Boisen. In Sachsen stieß er auch auf Beschreibungen des Engländers Dr. Thomas Shaw. Sein Werk " Reisen in die Barbarei " nutzte er unter anderem auch für Sprachübungen im Französischen. Architekturbeschreibungen Shaws finden sich in Anmerkungen Winckelmanns, zum Beispiel in dessen Architekturschriften.

Edward Montague lud ihn in Italien schließlich zur Mitreise ein. Wieder kam eine Ablehnung, weil ihm Pompeji näher lag als Konstantinopel. Allerdings bat er den Freund um Beobachtungen an antiker Baukunst, die später ebenfalls Eingang in seine wissenschaftlichen Arbeiten fanden.

Schließlich studierte er neben anderen Reise-Angeboten auch Schriften von Zeitgenossen, die nicht im Orient waren, aber Beschreibungen lieferten. Sprachstudien muss er in dieser Zeit für die verschiedenen Orientsprachen getrieben haben. Seine Bemerkung : " Ohne Sprachkenntnisse bleibt man im Orient ein Fremder ", bezeugt diese Aufmerksamkeit.

Alle Angebote verliefen also im Sande. Spuren des Interesses am Orient, an Ägypten insbesondere findet der Leser heute noch in den Schriften Winckelmanns über Kunst und Literatur.

Der Abend klang aus beim Genuss süßer Schmackhaftigkeiten aus der Türkei, bei einer Tasse Mokka oder einem Gläschen Raki und vielerlei Gesprächen im kleineren Kreis.