Stendal ( ro ). Dass sich teilweise bis ins 20. Jahrhundert mehrere Flussarme der Uchte durch die Stendaler Altstadt schlängelten, die nach und nach verrohrt wurden, war bekannt. Dass die Stadt im Mittelalter offenbar von einem ganzen Netz kleiner Wasserstraßen durchzogen war, diese Vermutung nähren jüngste archäologische Funde im Umkreis der Stadtbibliothek. Dort, am westlichen Rand der Altstadt, förderte ein Team des Landesamtes für Archäologie in den zurückliegenden Wochen die Spuren von zwei vermutlich 800 Jahre alten Gräben zutage. " Sie waren zwei beziehungsweise fünf Meter breit, der größere war mit Sicherheit auch schiffbar ", berichtete Grabungsleiter Uwe Weiß gestern Abend bei einer öffentlichen Präsentation der Grabungsfunde im Stendaler Rathaus.

Mehr als 1100 Fundstücke vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert, darunter 13 Gräber aus dem 18. Jahrhundert, sind die Ausbeute der Archäologen an der Stadtbibliothek.

Der kleine gotische Backsteinbau am Mönchskirchhof war einst das Refektorium ( Speisesaal ) eines um 1250 gegründeten Franziskanerklosters, das im 16. Jahrhundert abbrannte und später weitgehend abgerissen wurde. In diesem Jahr soll das historische Gebäude durch einen modernen Anbau erweitert werden. Im Vorfeld der Neubebauung ist das Umfeld von September 2009 bis Mitte Januar dieses Jahres intensiv archäologisch untersucht worden.