Der Schneefall über die Feiertage hielt nicht nur rodelnde Kinder in Atem, sondern vor allem auch den Winterdienst. Vielfach gibt es Kritik, dass nicht ausreichend geräumt worden sei. Die Volksstimme fragte bei Kreisstraßenmeisterei und Landesbetrieb Bau nach, wie der Räumdienst im Einsatz war.

Stendal. " Dass der Winterdienst seit dem ersten Schneefall unermüdlich im Einsatz ist, ist sicherlich sehr löblich ", sagt Karsten Lemke aus Stendal. " Jedoch drängt sich mir die Frage auf, wo denn so fleißig geräumt wird ?" Seine Verärgerung bezieht sich vor allem auf die Bundesstraßen im Landkreis, die über Silvester und Neujahr nicht ausreichend geräumt worden seien. " Beispielsweise die B 188 zwischen Stendal und Gardelegen ist bis Hottendorf eine reine Rodelbahn ", beschreibt er den Zustand. " Im weiteren Verlauf ab der Ortslage Hottendorf ist die Straße vollständig von Schnee und Eis geräumt und das bis weit hinter Gardelegen. Da stellt sich mir die Frage, warum andere Landkreise mit der Herausforderung fertig werden und der Landkreis Stendal offensichtlich überfordert ist. "

Diese Einschätzung teilen viele Volksstimme-Leser, die ihrem Unmut gestern am Lesertelefon Luft machten. Wo sich diese Kritik allerdings allzu schnell pauschal gegen die Kreisstraßenmeistereien richtet, muss differenziert werden.

Zuständig für die Bundesund Landesstraßen ist nämlich der Landesbetrieb Bau. Hans-Peter Reinemann, in der Niederlassung Nord in Stendal für den Betriebsdienst zuständig, sagt dazu : " Alle Meistereien haben im Zweischichtsystem gearbeitet und somit den gesetzlichen Forderungen entsprochen. Ich möchte daran erinnern, dass der Gesetzgeber vom Landesbetrieb Bau fordert, dass er die Befahrbarkeit der Straßen gewährleistet und dies war offensichtlich gewährleistet. Es gab weder Landes- noch Bundesstraßen, bei denen der Winterdienst nicht im Einsatz war. "

Wie der Winterdienst am Folgetag durchgeführt wird, werde entsprechend der Wettervorhersagen des Deutschen Wetterdienstes Potsdam festgelegt. Alle Fahrzeuge, die zum Einsatz kommen, haben ihre vorgesehene Strecke, die sie streuen und / oder räumen müssen. Reinemann : " In unserem Einzugsbereich sind 17 eigene und 19 angemietete Fahrzeuge im Einsatz. " Die haben fast 1090 Kilometer Bundes- und Landesstraßen zu betreuen.

Ein Einsatz rund um die Uhr gelte im Übrigen nur für die Autobahnen. Eine Ausnahme bildet der Ausruf des Notstandes durch den Landkreis. Und, so Reinemann : " Es ist aus den Jahren zuvor wiederholt festzustellen, dass die Bürger überspitzte Forderungen an den Winterdienst stellen. "

" Die Leute sind alle

äußerst besonnen

gefahren "

Kritik an der Kreisstraßenmeisterei wiederum will Carsten Köppe nicht gelten lassen. Der Chef der Tangermünder Dependance sagt : " Über den Jahreswechsel haben wir beinahe rund um die Uhr geräumt. Das Problem ist, dass die geräumten Straßen durch Schneeverwehungen ständig wieder zu sind. " Die Mitarbeiter der Kreisstraßenmeisterei, die eine Niederlassung in Tangermünde und eine in Osterburg hat, sind ab 4 Uhr morgens im Einsatz. " Wir fahren in zwei Schichten, die erste geht bis 13 Uhr ", so Köppe. " Und sollte dann noch Bedarf sein, startet die zweite Schicht um 14 Uhr. " Und das sei in den vergangenen Tagen der Fall gewesen. Insgesamt 470 Kilometer Straße im Landkreis Stendal werden pro Schicht von insgesamt elf Fahrzeugen abgefahren.

" Salz kann nur bei genügend Verkehr

richtig wirken "

Dafür aber, dass nicht jede Straße zu jeder Zeit völlig schneefrei sein könne, bittet er die Autofahrer um Verständnis. " Während wir an der einen Stelle räumen, kann die vorherige schon wieder zugeschneit oder verweht worden sein ", so Köppe. Solche Schwerpunkte mit Schneeverwehungen, die auf den Einsatzkarten extra eingetragen werden, lägen zum Beispiel bei Arneburg, Dalchau, Dahlen, Dahrenstedt, Welle, Buch und Schelldorf. Diese Strecken würden mit besonderer Aufmerksamkeit befahren. Steckengeblieben sei jedenfalls kein Fahrzeug, berichtet Carsten Köppe. " Die Leute sind alle äußerst besonnen gefahren. "

Vor dem Problem, dass bei den vorherrschenden Witterungsbedingungen nicht alle Straßen gleichzeitig und dauerhaft beräumt werden können, stehen auch die Winterdienstler in den Städten. Die Hauptstraßen aber seien an den Tagen um den Jahreswechsel immer frei gewesen, weist Sybille Stegemann, Sprecherin im Rathaus Stendal, Kritik zurück.

Die Mitarbeiter des Bauhofs hätten ihre Schichten an den Tagen zum Jahreswechsel täglich um 4 beziehungsweise 5 Uhr begonnen, seien jeweils mit vier oder fünf Mitarbeitern und vier Fahrzeugen bis abends 17 oder 20 Uhr im Einsatz gewesen. " Geschäfte konnten schließlich alle problemlos mit Lkw angefahren und beliefert werden, da gab es keinerlei Beschwerden. Allerdings müssen Autofahrer natürlich auch auf entsprechende Winterausrüstung und angemessene Fahrweise achten. "

Volksstimme-Leser Michael Praast aus Stendal allerdings ist da anderer Ansicht. Bezugnehmend auf den Beitrag " Winterdienst im Dauereinsatz " vom 31. Dezember merkt er an : " Womit sind die denn dauerbeschäftigt ? In Stendal fahren die Jungs mit hoch erhobenen Schilden durch die Straßen, um ja keine Straße zu beräumen. Aber das liegt ja nur an der Definition von befahrbahren Straßen, denn befahrbar ist auch eine Straße mit 20 Zentimetern Schnee ( wie ab Silvester ) – man muss nur vorsichtig fahren. Winterdienst gibt es faktisch seit Jahren nicht mehr in Stendal und Umgebung. "

Doch noch etwas erschwert den Winterdienstlern die Arbeit : Dass zu den Feiertagen nur sehr wenige Autofahrer unterwegs sind. " Wenn wir Salz streuen, müssen genügend Fahrzeuge verkehren, damit es richtig wirken kann ", erklärt Köppe. " Je mehr Autos drüberfahren, desto besser wird es in den Schnee eingewirkt und desto eher wird die Straße frei. " Die für die nächsten Tage angekündigten starken Fröste bringen ein weiteres Problem : " Das Salz wirkt ab minus zehn Grad nur sehr langsam. " Und wenn dann immer wieder neuer Schnee – ob durch Niederschlag oder Verwehung – draufkommt, geht die Sisyphosarbeit von vorn los.