Ein breites Echo fand die Volksstimme-Berichterstattung der vergangenen Tage über die offensichtlichen Pannen beim Winterdienst und bei der Müllabfuhr. Zahlreiche Leser teilten der Redaktion ihre persönlichen Erfahrungen und ihre Meinung mit. Fazit : Bei allem Verständnis für die schwierigen winterlichen Bedingungen werden die Zustände sehr kritisch gesehen.

Stendal. Zum Thema Winterdienst in Stendal schickt Peter Hecht aus der Martinstraße der Redaktion obiges Bild. Dazu fallen ihm nur ein paar knappe, aber überaus treffende Worte ein : " 13 Jahre ohne städtischen Winterdienst. Die Bewohner der Martinstraße packen selbst zu. " Für die kleine, vor 13 Jahren entstandene Fachwerksiedlung zwischen Georgen- und Michaelstraße ist die bürgerschaftliche Selbsthilfe offenbar noch realisierbar. In den meisten anderen Straßen der Stadt klappt das nicht – häufig nicht einmal auf den Gehwegen, zu deren Freihaltung die Anwohner verpflichtet sind.

" Stendal hat viele kleine Straßen, und dort wird kein Schnee geräumt ", schreibt Uwe Hünemöller. " Man kann diese Straßen mit dem Auto kaum befahren. Als Anwohner kann man den Schnee ja auch nirgendwo entsorgen. Auch geht nun die Schule wieder los. Sind die Schulwege beräumt ? Kommen die Kinder sicher über die Straße ? Nicht alle Eltern haben Zeit, mit dem Auto zur Schule zu fahren. Es geht um die Sicherheit der Kinder !"

Dann kommt Uwe Hünemöller auf das Thema Müllentsorgung zu sprechen, das in den vergangenen Tagen, nachdem das Bioabfall-Fahrzeug mehrere Stendaler Straßen wegen des Schnees links liegen ließ, in der Volksstimme Schlagzeilen machte : " Wenn die ALS sagt, sie kann bei zu viel Schnee nicht abholen, muss dieses Problem doch geklärt werden. Es soll ja noch mehr schneien, und dann ? Werden dann nur noch beräumte Straßen von der ALS befahren ?"

Von der ausgefallenen Biomülltour am Silvestertag ( Volksstimme berichtete am Dienstag ) waren große Teile der Innenstadt betroffen, darunter auch die Priesterstraße. Anwohner Ulf Gutzeit, der seine Tonne auch an den Tagen danach mehrmals herausstellte, allerdings vergebens, staunte nicht schlecht, als am Dienstag der Restmüll abgefahren wurde. " Die Priesterstraße war im gleichen ungeräumten Zustand wie zuvor ", sagt er, " aber es ging. " Die Begründungen der ALS beziehungsweise der von ihr beauftragten Entsorgungsunternehmen sind für ihn " ein linkes Ding ".

Arbeit der Anwohner

häufig missachtet

Ab und zu kommt der Winterdienst dann doch in die Nebenstraßen der Hansestadt, doch dann tut sich ein anderes Problem auf, auf das Joachim Fichtner aus Wahrburg aufmerksam macht. " Tagelang schneit es immer wieder, die Nebenstraßen werden aber nicht oder nur dürftig beräumt ", schreibt er. " Die Anwohner haben sich recht gut damit arrangiert. Die Fußwege sind größtenteils frei und die Straße bei vernünftiger Fahrweise recht gut befahrbar. Nach ein paar Tagen kommt dann aber doch der Winterdienst vorbei und schiebt den ganzen Schnee von der Straße auf die Fußwege. Wie sollen sich ältere Leute, körperlich Behinderte oder junge Eltern mit Kinderwagen durch diese Hindernislandschaft bewegen ? Ich finde dieses Vorgehen des städtischen Räumdienstes gelinde gesagt verantwortungslos und grob fahrlässig das Leben und die Gesundheit der nicht motorgestützt verkehrenden Bevölkerung gefährdend. " Viele Anwohner seien zudem kaum in der Lage, die schweren Eisbrocken, die auf diese Weise auf die Gehwege gekehrt würden, zu beseitigen.

Mit hochgeklapptem

Schiebeschild ...

Bei allem Verständnis für den Arbeitsaufwand des Räumdienstes und den Kostendruck der Stadt kann Joachim Fichtner nicht verstehen, dass die Arbeit der Anwohner, die ihrer Räumpflicht nachkommen, derart missachtet werde. Er verlangt eine öffentliche Stellungnahme und eine Entschuldigung der Verantwortlichen.

Marion Bunk aus Buchholz bedankt sich für Frank Eckerts Kommentar " Fehlstart ins neue Jahr " und Nora Knappes Beitrag zum Thema Winterdienst in der Volksstimme vom Dienstag und schildert die Situation in ihrem Dorf an der B 189 : " Den für die Bundesstraße zuständigen Winterdienst haben wir am 1. Januar nur mit fast unangepasster Geschwindigkeit entweder in Richtung Magdeburg die Bundesstraße hinauf rasen gesehen, oder die Fahrzeuge kamen wieder zurück in Richtung Stendal. In beiden Fällen waren die Schiebeschilde hochgeklappt, obwohl die Schneeverhältnisse ein Schieben gerechtfertigt hätten. Die Straßenräumung überließ man dann getrost den vielen Fahrzeugen, die diese Straße täglich frequentieren. " Auch in Stendal seien am 2. Januar viele der Hauptstraßen nicht geräumt gewesen. Als sie zum Altmarkforum fuhr, habe sie sich durch Schneematsch quälen müssen.

" Fakt ist, dass die Räumdienste im Stendaler Bereich schlafen, zumindest nicht ihrer Aufgabe gerecht werden ", geht Norbert Veit mit den Winterdiensten von Stadt, Landkreis und Landesbetrieb Bau hart ins Gericht. " Wenn es an Geld oder entsprechendem Gerät fehlt, sollte das offen zugegeben werden. " Seiner Meinung nach geht es auch anders : Während viele Straßen im Landkreis Stendal nicht geräumt waren, seien " die Straßen ab Dolle in Richtung Magdeburg zur gleichen Zeit gut befahrbar " gewesen.

Diese Beobachtung hat auch Lutz Weber aus Stendal gemacht : " Ab Kreisgrenze in Richtung Magdeburg und ab Ziegenhagen in Richtung Osterburg ist die Bundesstraße picobello geräumt und bestens befahrbar gewesen. " Der Stendaler sieht die wirklichen Probleme erst noch kommen. " Was wird bei Tauwetter ? Wo soll das Wasser hin, wenn die Gullys zu sind ? Jetzt müssten die Schneemassen aus den Bordstein- und Fußwegbereichen geräumt werden. " Die Begründungen der Winterdienstverantwortlichen für die Versäumnisse sind in seinen Augen " Ausreden, Ausreden, Ausreden, zum Teil in Richtung Zynismus ".