Das Sturmtief " Daisy " hat Stendal nur gestreift, aber doch eine Menge Schnee hinterlassen. Es wird immer schwieriger, bestimmte Straßen in der Stadt zu befahren, obwohl Räumkräfte gestern massiv im Einsatz waren. Hausbesitzer und Anwohner wissen nicht mehr wohin mit der weißen Pracht.

Stendal. Torben Bernd von der Stendaler Feuerwehr erhob sich gestern über das Elend der zugeschneiten und zum Teil kaum noch befahrbaren Straßen der Stadt. Von der Drehleiter ließ sich der Brandmeister-Anwärter zu den Dachrinnen des Landgerichts hochhieven, von wo er bis zu einen Meter lange Eiszapfen herunterholte. Sollte ein solches Geschoss, spitz wie ein Dolch, einen Passanten treffen – nicht auszudenken !

In gleicher Mission war die Feuerwehr gestern am städtischen Bauamt und an der Petrikirchhofschule tätig. " Das können wir natürlich nur an großen öffentlichen Gebäuden tun ", sagt Stadtwehrleiter Michael Geffers. Er weist die Hauseigentümer auf ihre Verantwortung hin, am eigenen Haus selbst für Sicherheit zu sorgen. " Wer gefährliche Eiszapfen nicht entfernen kann, sollte sich um eine Absperrung des Gehwegs bemühen. "

Die bis gestern andauernden massiven Schneefälle forderten den städtischen Winterdienst heraus. Nach Angaben von Stadtsprecherin Sybille Stegemann waren vier Räumfahrzeuge mit vier Arbeitskräften durchgängig von 4 bis 21 Uhr im Einsatz, um Hauptverkehrsstraßen, Brücken, wichtige Kreuzungen, Kreisel, zugewehte Straßen und Gehwege freizuhalten. Neben- und Anwohnerstraßen, so die Sprecherin, blieben am Wochenende dagegen unberührt.

Das änderte sich gestern. Ab 6. 30 Uhr sei verstärkt auch in Nebenbereichen maschinell und manuell geräumt und gestreut worden. Sechs Mitarbeiter waren mit zwei Lkw, einem Multicar und drei Radladern unter anderem im Bahnhofsviertel in Aktion. Darüber hinaus 19 Arbeitskräfte mit sechs Transportern, die per Schippe und Schneeschieber die Schneemassen bekämpften.

Anwohner, die den Gehweg vor ihrem Grundstück kehren, haben zunehmend ein Problem : Wohin mit dem Schnee ? " Nach Möglichkeit nicht auf die Straße ", rät Sybille Stegemann. Wenn möglich, sollte er auf Freiflächen oder in Mulden abgelagert werden.

Wie in der Martinstraße in Stendal ( die Volksstimme berichtete ) besannen sich auch Bürger im Ortsteil Jarchau auf ihren Gemeinschaftssinn und lösten ihr Schneeproblem. Uwe Furchheim erzählt, wie das funktionierte : Am Sonntag habe er schon sehr zeitig zum Schneeschieber gegriffen, um vor seinem Haus in der Bauernstraße zu räumen. Plötzlich kam ein Fahrzeug auf ihn zu. " Das war Nachbar Micha mit seinem Radlader. Michael Jüstel betreibt sonst Teich- und Kleinkläranlagenbau. Er rief mir zu : ‚ Lass das mal, das Problem lösen wir heute anders. ‘" In kurzer Zeit rüsteten beide den Radlader in ein Schneeräumgerät um. Andere Anwohner kamen zu Hilfe, und bis Mittag war das ganze Viertel von Schnee und Eis befreit. Ihr Dank gilt vor allem Micha für seine Initiative.