Bildung für alle – Stendal ward diesen Freitag zum Musterstädtle in Sachen Jugendförderung. Denn während das Mathemobil aus Magdeburg im Winckelmanngymnasium für die Künste der Geometrie und Arithmetik begeistern sollte, hatten sich die Kindheitswissenschaftler der Hochschule die Sekundarschulen vorgeknöpft : Eigens für sie fand eine Kinder-Uni mit vollem Hörsaal und wissbegierigen Schülern statt.

Stendal. Warum eigentlich hat man im Mittelalter die Säuglinge so eigenartig gewickelt ? Klar, weil man sie dann so schön an einen Haken über einem wärmenden Ofen oder während der Arbeit an einem Baum am Feldrand hängen konnte. Dr. Beatrice Hungerland sorgt für erstaunte Gesichter bei den Kindern im Hörsaal, die das Audimax der Hochschule bis auf den letzten Platz besetzt haben. Sie alle sind Schüler, die mit dieser Sonder-Kinder-Uni speziell an Sekundarschulen für die Hochschulbildung werben können.

Selbst wenn Sekundarschüler an Schulen wie dem Fachgymnasium erst noch die Studienberechtigung erreichen müssen – ein Thema ist das Studium für viele Sekundarschüler dennoch. " Ja, das könnte ich mir vorstellen ", erklärt beispielsweise Wiebke Albert ( 12 ) von der Comenius Sekundarschule. Das sehen auch Jerome Blaneck und Tobias Karallus, ebenfalls Schüler bei Comenius, so : " Am liebsten Englisch ", sind sich alle drei einig. Ob das an Englischlehrerin Iris Dröse liegt, die an diesem Tag die Fäden in der Hand hat ?

Bei der Kinderuni jedenfalls stehen für diesen Tag erst einmal Kinderrechte und Kindheit im Mittelalter auf dem Vorlesungsverzeichnis. Themen, die für die drei Sekundarschüler auch spannend sind – selbst wenn’s eben nichts mit der englischen Sprache zu tun hat.

Ein spannendes Experiment für alle Seiten. So erklärt der stellvertretende Schulleiter der Tangermünder Brunsbergschule Dieter Nowak vor Beginn der Veranstaltung : " Wir sind gespannt und lassen und überraschen. " Der angehende Kindheitswissenschaftler Michael Siegmund hat für die Hochschule an diesem Tag die Organisation in der Hand und sagt : " Wir hätten den Hörsaal viermal füllen können. " Ob es eine Fortsetzung gibt, steht allerdings noch nicht fest. Dazu müssen beispielsweise erst die Fragebögen ausgewertet werden, die die Schüler ausgefüllt haben.

Im Winckelmanngymnasium hatte derweil das Mathemobil von der Otto-von-Guericke-Universität Station gemacht. Die Schule hat zu diesem Anlass eigens einen " Tag der Mathematik " ausgerufen. Der bedeutete zum einen das volle Programm der Studenten uns Wissenschaftler – eine Knobelstrecke, bei der die jungen Altmärker sich beispielsweise anhand von Modellen in der Lösung kniffliger Fragen versuchen konnten – und dabei zumeist zu cleveren Antworten samt Aha-Erlebnissen kamen. Initiator des Mathemobils ist übrigens Professor Prof. Dr. Herbert Henning, der ein Freund des Stendaler Schulleiters Horst Niewerths aus Studientagen ist.

Henning hielt als Rahmen für sein Mathemobil einen Vortrag " Mathematische Überraschungen und Zauberei ", Kollege Prof. Dr. Volker Kaibel ging unter dem Titel " Von Fröschen und Surfern " den Gleichungssystemen auf den Grund, mit denen die Suchmaschine Google funktioniert. Es ging um " Schöne Körper " in Sachen Mathematik, und Peter Dröse – Doktorand und ehemals Schüler des Winckelmanngymnasiums – beschäftigte sich mit der Mathematik des Airbacks.

Dr. Wolfgang Ludwicki, stellvertretender Schulleiter : " So etwas baut auch Vorurteile gegen das Fach ab. " Das wird sich zeigen : So bei der nächsten Runde der Matheolympiade am 11. November in seinem Haus.