Aids ist und bleibt ein wichtiges Thema in der Gesellschaft. Doch die offi ziellen Zahlen der Infektionen sind lediglich die Spitze des Eisberges. Volksstimme-Mitarbeiterin Judith Kadow sprach über das Thema Aids mit Petra Ahrens von der Aids-Beratungsstelle des Stendaler Gesundheitsamtes und Sven Warminsky, Geschäftsführer der Aids-Hilfe Magdeburg.

Volksstimme : Im Rahmen der Kampagne " Ich weiß was ich tu " der Deutschen Aids-Hilfe finden derzeit sogenannte Testwochen statt, auch in Stendal. An wen wendet sich diese Aktion ?

Petra Ahrens : Das Ziel ist, Männern, die mit Männern Geschlechtsverkehr haben, auch MSM genannt, eine spezialisierte Beratung anzubieten. Auch ein HIV-Test wäre hier vor Ort möglich. Dabei achten wir auch darauf, dass zwischen dem Zeitpunkt der möglichen Infektion und der Testung mindestens drei Monate liegen. Erst dann können im Blut Antikörper nachgewiesen werden, die auf eine Infektion hindeuten.

Sven Warminsky : Der Fokus liegt deshalb auf dieser Gruppe, weil die Zahl an Infektionen unter MSM seit 2002 wieder enorm angestiegen ist. Bundesweit sind homosexuelle Männer, die von HIV meist betroffene Gruppe.

Volksstimme : Wie sieht die Entwicklung in Sachsen-Anhalt aus ?

Warminsky : Hier sind die Meistbetroffenen Heterosexuelle. Allerdings bin ich mit Zahlen immer vorsichtig, da die Dunkelziffer nicht bekannt ist und man das eigentliche Ausmaß nur erahnen kann. Allerdings würde ich dem Robert-Koch-Institut zustimmen, dass zur Zeit rund 600 HIV-Infizierte in Sachsen-Anhalt leben. Diese Zahl halte ich für sehr realistisch.

Volksstimme : Sind vor allem Städter betroffen ? Wie stellt sich die Verteilung in unserem Bundesland dar ?

" Vielen fehlt die

Betroffenheit "

Ahrens : Zwar sind die größten Gruppen in Halle und Magdeburg zu fi nden, aber auch, weil sich dort viele in Behandlung begeben. HIV-Infektionen konzentrieren sich nicht nur auf die Städte, sondern sie sind gleichmäßig auf Sachsen-Anhalt verteilt.

Volksstimme : Wo sehen Sie die Gründe, dass viele das Angebot einer anonymen, kostenlosen Beratung und Testung nicht annehmen ?

Warminsky : Ich glaube, dass bei Vielen, egal ob homo- oder heterosexuell, die Betroffenheit fehlt. Sie denken : Mich trifft es schon nicht.

Ahrens : Und die meisten sind in ihrer Partnerschaft auch treu. Nur das sie davor schon in anderen Beziehungen waren und ihr Parnter auch, das bedenken sie nicht. Kein Verständnis habe ich, wenn Schwangere nicht das Angebot einer kostenlosen Testung durch den Frauenarzt wahrnehmen. Denn in diesem Fall geht es um das Kind, das ohne HIV auf die Welt kommen könnte. Diese Infektionsgefahr kann heute deutlich minimiert werden. Leider habe ich in meiner Beratungstätigkeit andere Erfahrungen machen müssen und wenn Kinder betroffen sind bewegt mich das besonders.

Volksstimme : Wenn sich nun doch jemand für eine Beratung entscheidet, wie geht es dann weiter ?

Ahrens : Wir führen mit demjenigen ein anonymes Einzelgespräch. Im Falle eines Tests, teilen wir das Ergebnis wieder in einem persönlichen Einzelgespräch mit.

Volksstimme : Wie lange dauert es, bis ein Testergebnis feststeht ?

Ahrens : Es dauert eine Woche. Das ist schon ziemlich lang, aber es dauert einige Zeit bis alle drei Bestätigungstests gemacht sind. Das ist für den Betroffen endlos lang, aber die Tragweite des Ergebnisses ist enorm.

Volksstimme : Heute bieten sie im Rahmen der allgemeinen Sprechstunde eine weitere spezialisierte Beratung für MSM. Wo und wann ist dies möglich ?

Ahrens : Interessierte können zwischen 14 Uhr und 17 Uhr ohne Voranmeldung in unsere Beratungsstelle in der Wendstraße 30, Raum 337, kommen. Wie gesagt, die Aktion läuft bundesweit und wir wollten Stendal dabei nicht außen vor lassen. Es ist ein Angebot und einen Versuch allemal wert.