Ein heftiges Gewitter mit Starkregen setzte in der Nacht zum Donnerstag Straßen, Unterführungen, Tunnel und Keller im Landkreis Stendal unter Wasser. Die Feuerwehren rückten zu 16 Einsätzen aus. Besonders stark betroffen war die Gemeinde Bellingen, in der bis gestern Nachmittag die Dorfstraße und viele Häuser von Schlamm und Schmutz gesäubert werden mussten. Von Reinhard Opitz, Sebastian Siebert und Anke Hoffmeister

Stendal. " Bis über die Knie stand hier der Matsch an einigen Stellen ", erklärte der Bellinger Bürgermeister Heinz Ahrndt. Häuser seien durch die vorbeifahrenden Autos bis zum Dach mit Schlamm bespritzt worden. Heftige Regenschauer hatten die Böden einer Anhöhe im Norden der Gemeinde aufgeweicht. Die Wassermassen hatten sich mit Lehm und Sand der frisch gepfl ügten, abschüssigen Ackerflächen zu einem matschigen Fluss vermengt, der unaufhaltsam in das Dorf eindrang.

Von sieben Uhr morgens bis in den frühen Nachmittag hinein schufteten 15 Kameraden der Feuerwehr, zahlreiche Anwohner und Mitglieder der Agrargenossenschaft, um die Ortsdurchfahrt wieder vom Schlick zu befreien. Die Feuerwehr spritzte mit Schläuchen Häuser und Wände der Anwohner frei. Dort hatte sich daumendick der Morast über die Häuser gelegt, weil durchfahrende Fahrzeuge die moddrige Masse bis auf die Dächer spritzten. Nur vage schätzen die Bewohner die Menge des Schlamms, die sie von der 800 Meter langen Straße geräumt hatten, aber " gute hundert Tonnen " waren es bestimmt.

In der Unwetternacht zu Donnerstag rief die Rettungsleitstelle die Feuerwehren im Landkreis Stendal zu 16 Einsätzen. Schwerpunkte waren die Städte Stendal und Tangermünde, wo Keller auszupumpen, Tunnel und Unterführungen trockenzulegen waren. Am Edeka-Markt am Nordwall hatte der Blitz in einen Baum eingeschlagen, der in der Mitte abbrach. Ob von diesem Einschlag ein benachbartes Wohnhaus in der Brauhausstraße betroffen war, in dem mehrere Steckdosen verschmorten, konnte Stadtwehrleiter Michael Geffers gestern noch nicht bestätigen. Die Stendaler Feuerwehr musste in dem Haus nichts löschen, kontrollierte aber den Schaden.

Wie bei vielen Starkregen zuvor wurden der Bahnhofstunnel zur Lüderitzer Straße und die Unterführung der Osterburger Straße unter der Bahnbrücke überfl utet. Vor der Unterführung waren mehrere Autos liegengeblieben, da herangeschwemmtes Laub die Gullys verstopfte. Die Feuerwehr, die in der Nacht mit 28 Kräften und vier Fahrzeugen im Einsatz war, säuberte die Abflüsse, so dass die Straße relativ schnell wieder passierbar war.

Vielen Pendlern erging es am gestrigen frühen Morgen wie der Stendalerin Sybille Munter. Als sie vom Parkplatz an der Lüderitzer Straße durch den Tunnel zum Bahnhof gehen wollte, hielt knöcheltiefes Wasser sie davon ab. Auf die andere Seite des Bahnhofs zu fahren und dort wahrscheinlich vergeblich einen Parkplatz zu suchen, war ihr zu risikoreich. Also fuhr sie gleich mit dem Auto zu ihrer Arbeit nach Magdeburg. " Viele Pendler waren sehr verärgert ", sagt Sybille Munter. " Warum legt man keine Paletten in den Tunnel, wenn Regen zu erwarten ist ?"

In Tangermünde waren 20 Kameraden der Wehr von 1. 15 bis 2. 30 Uhr im Einsatz. In der Magdeburger Straße legten sie einen Gully frei, damit das Wasser nicht in ein angrenzendes Wohnhaus laufen konnte. Im Altenpflegeheim in der Heerener Straße stand der Eingangsbereich unter Wasser. In der Friedrich-Ebert-Straße musste in einem Privathaus der Keller ausgepumpt werden. Auch in der Breitscheidstraße hatte der Besitzer eines Eigenheims um Hilfe gerufen, beim Eintreffen der Wehr allerdings schon selbst eine Pumpe in Betrieb genommen.