Der alte Feuerwachturm auf dem Landsberg bei Lüderitz wird derzeit aus einer Art Dornröschenschlaf erweckt. Nach dem Abschluss ihrer Sanierung am Donnerstag wird die Metallkonstruktion mitten im Wald bald wieder eine für den Brandschutz wichtige Rolle spielen. Der Turm soll in der Waldbrandüberwachung zwei andere Türme, bisher noch manuell überwacht, ersetzen und schließt die Modernisierung des Überwachungsnetzes im Landesbetrieb für Privatwaldbetreuung und Forstservice in Sachsen-Anhalt ab.

Lüderitz. 132 Meter hoch erhebt sich der Landsberg am Rande der Colbitz-Letzlinger Heide bei Lüderitz. Auf seiner Spitze stand schon früher ein Feuerwachturm. In den 60 er Jahren wurde der hölzerne Vorgänger durch einen Metallbau mit 32 Metern Höhe ersetzt. Dort oben saßen, wenn eine Waldbrandwarnstufe ausgerufen war, bis etwa 1997 noch Wächter, die das Waldgebiet im Auge behalten mussten. " Ein sehr anstrengender Job, vor allem im Hochsommer ", sagt Gerd Henke, Leiter des zuständigen Betreuungsforstamtes Letzlingen. Bei schönem Wetter könne man Magdeburg, manchmal gar den Brocken sehen, erzählt Revierförster Peter Denecke gestern bei der Bauabnahme des sandgestrahlten, rostgeschützten und teilweise ausgebesserten Turms. Doch die Zeiten der Arbeitsplätze über den Baumwipfeln sind nun auch in der Altmark vorbei, die Kanzel hoch oben ist verschwunden. Als einer der letzten Bereiche im Land wird nun auch der südliche des Landkreises Stendal auf moderne, videokameragestützte Überwachungssysteme umgestellt. Der Wachturm auf dem Landsberg ersetzt zwei Türme, die bisher noch mit Forstarbeitern besetzt worden waren : Einen bei Vinzelberg / Uchtspringe und einen bei Golzhausen, zwischen Dolle und Colbitz. Mit einem garantierten Überwachungsradius von 15 Kilometern, oft sogar mehr, und einem Schwenkbereich von 360 Grad meldet die Technik ab der kommenden Waldbrandsaison, die per Gesetz im Februar beginnt, alle verdächtigen Rauchentwicklungen an die Waldbrandüberwachungszentrale in Genthin.

Auf 15 Kilometer sei eine Rauchwolke von zehn Metern Breite durch das Kamerasystem gut erkennbar, sagte Henke. In Genthin werden die per Richtfunk übermittelten Bilder noch einmal manuell bewertet und im Ernstfall die Rettungsleitstelle benachrichtigt. Diese hat übrigens auch zu dem Wachturm auf dem Landsberg eine besondere Beziehung. Seit den 90 er Jahren ist der Turm, der Eigentum des Landesbetriebes für Privatwaldbetreuung und Forstservice ( LPF ) ist, mit Rettungsfunkantennen des Landkreises Stendal bestückt. Sie werden auch künftig vom Landsberg aus funken, ebenso wie die Kamera der Waldbrandüberwachung. Für die Bauzeit war der Rettungsfunk auf den Wachturm in Scheeren bei Tangerhütte verlegt worden. Der wird nun auch nicht mehr gebraucht und soll verkauft werden. Nach der gestrigen Bauabnahme am Feuerwachturm, die auch Bärbel Specht und Andreas Goldschmidt von der Geschäftsführung des LPF begleiteten, werden die Baugerüste verschwinden. Den Ausblick vom Turm auf der höchsten Erhebung des Landkreises Stendal genossen deshalb alle Beteiligten auch bei diesigem Wetter. Künftig werden nur noch Fachfirmen mit Spezialausrüstung auf den schmalen Steighilfen zur Wartung der Technik nach oben gehen.