Stendal. Ein bisschen " Easy Rider " umweht ihn, wenn Peter Struck von seinem Motorrad – einer 110 PS starken BMW RT 1200 – absteigt. So richtig leicht und gemütlich hat es dem Fraktionsvorsitzenden der Sozialdemokraten im Bundestag gestern Nachmittag dann weder das Regenwetter in Stendal gemacht noch das Publikum, das er zum Plausch in der Rösterei " Kaffeekult " zur besten Sonntags-Kaffeezeit um sich hatte.

Für diese Prime Time ließ er sich auf dem Weg aus dem niedersächsischen Uelzen ins politische Berlin eine Stunde aufs Volk ein. Ob er es überzeugt hat, blieb im Ungefähren bei Fragen zu Afghanistan, wo Struck – ganz der alte Verteidigungsminister – von seiner Notwendigkeitslinie genauso wenig abzubringen war, wie davon, die Bundesrepublik bestünde aus zu vielen Bundesländern. " Ich könnte auch mit weniger leben ", sagt der Föderalismus-Kommissions-Mann der SPD.

Er erntet Kopfnicken wie Kopfschütteln. Und Widerworte, etwa von Manfred Hoffmeister, der " sofort raus " ruft, als es um die Bundeswehr am Hindukusch geht, oder vom 88-jährigen Peter Königsmann, der wissen will, wann es gleiche Renten in Ost und West gibt. " In den nächsten vier Jahren wollen wir das schaffen ", sagt Struck. Königsmann fragt nach dem geplanten Steinkohlekraftwerk. Gastgeber Marko Mühlstein antwortet, " Strom soll dort entstehen, wo er gebraucht wird, deshalb ist Arneburg nicht der richtige Standort ". Struck nickt und pafft genießerisch weiter seine Pfeife. Eine Hartz-IV-Empfängerin will umsatteln und studieren und fragt, warum sie dann aber keine Förderung mehr erhalte. Struck hinterließ das Volk unentschieden. Während Königsmann wisse, wen er am 27. September wählt, blieb Hoffmeister vage. " Mal sehen. Überzeugt hat mich Struck nicht. " Keine leichte Tour nach Berlin für den SPD-Easy-Rider.