Die erste Biostrom-Tankstelle in der Altmark wurde gestern in Arneburg in Betrieb genommen. Direkt beim Erzeuger des grünen Stroms, beim Zellstoffwerk. In den kommenden Wochen können jetzt Mitarbeiter einen Elektroroller als Alternative zum Auto testen – angetrieben von Strom aus dem eigenen Unternehmen. Der Idener Norman Pempel machte den Anfang.

Arneburg. Wie eine effiziente Nutzung von Holz aussieht, zeigt das Zellstoffwerk seit der Inbetriebnahme im Jahr 2004. Es produziert jährlich nicht nur weit über 600 000 Tonnen Zellstoff, sondern auch Strom für rund 250 000 Haushalte. Der größte " Bioenergiekessel Europas ", so Wolfram Ridder, Geschäftsführer der Stendal Pulp Holding, erzeugt zehn Prozent der gesamten Bioenergie – basierend auf festen Stoffen – in Deutschland. Ganz konkret heißt das : Aus 5, 3 Kilogramm Holz werden 2, 6 Kilogramm Zellstoff und drei Kilowattstunden Strom. Grüner Strom, der auch die Energiesparlampen im Bundesumweltministerium und seinen nachgeordneten Einrichtungen zum Leuchten bringt. Neu ist seit gestern : Das Zellstoffwerk sorgt auch für klimafreundliche Mobilität. Eine Strom-Tankstelle mit vier Anschlüssen ist in Arneburg eingeweiht worden. Zudem steht jetzt ein Elektro-Roller, Höchstgeschwindigkeit 45 Stundenkilometer, für die mehr als 600 Mitarbeiter zum Test bereit. " Wir wollen zeigen, dass Elektromobilität auch für ländliche Regionen interessant ist, und testen jetzt die Akzeptanz bei unseren Mitarbeitern ", sagte Ridder.

Drei Kilowattstunden Strom aus 5, 3 Kilogramm Holz : " Genau eine Tankfüllung, ausreichend für 100 Kilometer ", sagt Norman Pempel. Der 30-jährige Idener fährt mit dem ersten Elektro-Roller des Zellstoffwerkes für eine Woche täglich seinen Arbeitsweg. Während der Arbeitszeit wird am Parkplatz aufgetankt, eben mit Strom aus dem Zellstoffwerk. Norman Pempel, leidenschaftlicher Motorradfahrer, findet das neue Projekt toll. " Das kann wirklich eine Alternative sein. " Für Niklaus Grünenfelder, seit Februar Geschäftsführer der Zellstoff Stendal GmbH, schließt sich mit der Stromtankestelle " die grüne Kette des Zellstoffwerkes ". Ein Lückenschluss, von dem auch mit Elektrokraft unterstützte Nutzer des Elberadwanderweges profitieren können. " Für einen symbolischen Obolus zugunsten des Biosphärenreservates ", so Ridder.

Der 100-Megawatt-Generator des Zellstoffwerkes ist voll ausgelastet. Er könnte Verstärkung erhalten in Gestalt eines 20-Megawatt-Generators. Erweiterungspläne, die der US-kanadische Konzern Mercer ernsthaft prüft, wie Ridder gestern gegenüber der Volksstimme bestätigte. Damit könnte dann nicht nur mehr Zellstoff, sondern eben auch mehr grüner Strom produziert werden. Und das geplante Steinkohlekraftwerk ? Das sieht Wolfram Ridder kritisch. " Ich weiß nicht, ob es ohne Kraftwärmekoppelung heute noch zeitgemäß ist ", sagte er. Und das Problem sei eben, Abnehmer der anfallenden Prozesswärme zu finden. Das Zellstoffwerk verbraucht diese zu 100 Prozent selbst.