Auf der Bühne stehen will jeder mal. Es muss ja nicht gleich in Aktion sein. Das Theater der Altmark bietet neuerdings regelmäßige Führungen durch die für viele Nichttheaterleute geheimnisvolle Welt des großen Hauses an der Karlstraße an. Am Sonnabend war Auftakt.

Stendal. Am Ende wurde es für Emil ganz besonders spannend. Im Fundus, ganz oben unterm Dach, entdeckte der Siebenjährige den gruseligen Hakenarm von Captain Hook aus " Peter Pan ", den Muff von Gerda, mit dem sie sich gegen die Kälte der Schneekönigin schützt, und eine Ritterrüstung – aus der " Orestie " -Inszenierung stammend –, die er hätte anprobieren können. Aber Emil hatte keine Lust. Eine Stunde Rundgang durchs Theater sind eine total coole, aber auch anstrengende Sache.

Emil hatte Mama und Oma im Schlepptau. Die drei nutzten das neue Angebot des TdA, dem Kulturtempel mal unter die sonst perfekt beleuchtete, glitzernde Oberfäche zu schauen. Künftig kann man sich immer am ersten Sonnabend im Monat um 13. 30 Uhr von Susanne Roske durch die geheimnisvolle Theaterwelt führen lassen. Die Dramaturgieassistentin kennt sich bestens aus im großen, verwinkelten Haus, hat zu jeder Requisite und zu jedem Kostüm eine witzige Geschichte parat.

Sie macht die Besucher auf die Besonderheiten des 1995 nach einem radikalen Umbau durch den Essener Architekten Prof. Werner Ruhnau wiedereröffneten Hauses aufmerksam. Da sind das verglaste Mediengrab im Foyer mit den versenkten Fernsehern, der nackte Sichtbeton, die blauen Theatertränen, die an manchen Säulen herunterlaufen, die Fenster und Balkons im Großen Haus, die eine Marktplatzatmosphäre suggerieren sollen. Dann geht ‘ s natürlich auf die Bühne und hinter die Bühne. Der Eiserne Vorhang, gerade heruntergelassen, ist tatsächlich aus Eisen, denn er soll bei einem Feuer Bühne und Zuschauerraum trennen.

Dass das Haus gerade Ferien hatte und über Wochen verwaist war, riecht man ihm an. Es muffelt ein wenig, und Staub hängt in der Luft. Doch das ändert sich jetzt. Schon laufen die Proben für " Faust I ", für den " Elchtest " und das " Covergirl ", die allesamt am 19. September Premiere haben und die neue Spielzeit, die erste von Intendant Dirk Löschner, mit einem wahren Premierenfestival eröffnen sollen. Auf der Hauptbühne, im Kleinen Haus und im Rangfoyer stehen schon die Kulissen.

" Da, in dem verrrückten Strickkleid habe ich Ingrid Birkholz in ‚ Die Präsidentinnen ‘ gesehen. Herrlich !", ruft Margrit Frankenberg, die Oma von Emil, beim Stöbern zwischen den endlosen Kleiderreihen im Fundus aus. Emil schielt in der Requisite nach Schachteln von Süßigkeiten. " Lecker ", entfährt es ihm. Doch Susanne Roske rät ab, davon zu kosten. Das Theater ist kein Schokoladenladen, und Requisiten schmecken selten süß.

" Ganz schön spannend ", fand Margrit Frankenberg die Entdeckungstour rund um die berühmten Bretter. " Als Zuschauer kann man ja nicht hinter die Bühne sehen. " Emil hat ‘ s auch gefallen. Ein bisschen enttäuscht war er nur, dass das Mackie-Messer-Kostüm nicht aufzuf nden war. Das hätte er vielleicht sogar angezogen.

Anmeldungen bei Susanne Roske, Tel. ( 0 39 31 ) 635 721