Dieser Tage werden nach der Katastrophe von Nachterstedt die Tagebaulöcher im Land überprüft. Experten wollen klären, wo noch Gefahr lauert, dass wie in Nachterstedt weitere Hänge abrutschen. Doch auch in der Altmark werden Rohstoffe gefördert. Eine Gefahr geht davon aber nicht aus, beteuern zumindest der Erdgasförderer und das Landesamt für Geologie unisono.

Stendal. Für Schlagzeilen hat der Bergbau in den vergangenen Tagen in Sachsen-Anhalt gesorgt : Auf großer Fläche war in Nachterstedt im Salzlandkreis ein Hang in den Concordiasee gerutscht, hatte unter anderem ein Haus in die Tiefe gerissen. Drei Menschen wurden dabei getötet.

In der Altmark gibt es keine großflächigen Tagebaue. Abgesehen von Kiesgruben wird in der Region allein Erdgas im großen Stile gefördert. Vor allem in der westlichen Altmark – doch die Lagerstätten reichen bis in den Landkreis Stendal hinein. Könnte das auch zu Bodeneinbrüchen führen, in denen Menschen und Ortschaften versinken ? Für den regionalen Erdgasförderer antwortet Dr. Stefan Brieske, Sprecher der Gaz de France Suez : " Die Förderung von Erdgas geschieht unter komplett anderen Bedingungen als der Kohlebergbau. Beide Verfahren sind nicht miteinander vergleichbar. Im Kohlebergbau werden durch Schächte und Stollen untertägige Hohlräume und im Tagebau großflächige Gruben geschaffen. "

Hingegen komme Erdgas untertägig nicht als Gasblase vor, sondern es wird punktuell angebohrt. Die Kohlenwasserstoffe werden aus den feinen Poren des Trägergesteins gelöst und an die Oberfläche gebracht. " Die Stabilität des Gesteins bleibt erhalten, und Wasser fließt in die vormals gasgefüllten Poren nach ", erklärt Brieske.

Nach dem Ende der Förderung werden die Anlagen komplett abgebaut. " Ein Erdrutsch wie in Nachterstedt ist durch Gasförderung bedingt ausgeschlossen und in dieser Form noch nicht aufgetreten ", erklärt der Unternehmenssprecher.

Dr. Bodo-Carlo Ehling ist Sprecher des Landesamts für Geologie und Bergwesen in Halle. Er räumt zwar ein, dass es in der unmittelbaren Umgebung von Bohrlöchern in der Vergangenheit schon einmal leichte Absenkungen gegeben habe. " Das waren aber wirklich nur Ereignisse im Umkreis von wenigen Metern um die Bohrlöcher. " Aus seiner Sicht also auch keine Gefahr für Siedlungen wie am Rande des Nachterstedter Tagebaulochs.

Ehling bestätigt von Amts wegen die Darstellung von Gaz de France : " Es entstehen im Untergrund ja keine großen Hohlräume. " Wenn das Erdgas abgeleitet ist, könne das Gebiet theoretisch leicht absinken – dann aber nicht mit Erdeinbrüchen, sondern nur um wenige Zentimeter und so, dass es kaum jemand merkt.

Wenn überhaupt von Gefahren aus dem Untergrund die Rede sein soll, dann habe das in der Altmark weniger mit Gas als mit Salz zu tun. Ehling : " Historisch ist der Einbruch des Arendsees dafür ein gutes Beispiel. " Wenn nämlich wie an dieser Stelle Salzstöcke bis an die Oberfläche reichen, kann das dazu führen, dass im Untergrund Hohlräume ausgewaschen werden. Das allerdings auch nur über sehr lange Zeiträume – wie eben das Beispiel mehrerer Einbrüche am Arendsee zwischen dem 9. und 17. Jahrhundert zeigt, bei dem der heutige See in seiner heutigen Gestalt erst entstanden ist. In der Altmark gibt es mehrere Stellen, an denen die Salzschichten bis an die Erdoberfläche ragen. Eine akute Gefahr für Einbrüche sei an diesen Stellen aber derzeit nicht zu erkennen.

Eine detaillierte Karte mit den geologischen Strukturen der Altmark gibt es übrigens im Internet auf den Seiten des Landesamts für Geologie und Bergbau. Dort unter " Daten und Produkte ", weiter unter " Landesübersichtskarten " die Region auswählen. Beim Vergrößern des Kartenausschnitts werden auch die einzelnen Ortschaften sichtbar.

www.lagb.sachsen-anhalt.de