Eine fünfköpfge Gruppe von Schülern der Klassenstufe 12 des Gymnasiums in Seehausen hat über mehrere Monate an einem freiwilligen Projekt zum Thema " Mobilität im ländlichen Raum " gearbeitet. Zum Dienstag sind die Schüler zur Präsentation ihrer Arbeit in den Magdeburger Landtag eingeladen. Sie werden diesen Termin jedoch nicht wahrnehmen – vor allem aus Enttäuschung über die Entscheidung, die gymnasialen Klassen 7 und 8 nicht in Seehausen zu beschulen.

Seehausen. Monatelang haben sich die Zwölftklässler Paula Kissener, Madleen Runge, Desiree Mertens, Elisa-Marie Eilrich und Ronny Roden – allesamt Teilnehmer des Geografekurses – im zurückliegenden Schuljahr in ihrer Freizeit mit ihrer Projektarbeit zum Thema " Mobilität im ländlichen Raum " beschäftigt, in der Region Seehausen Umfragen und Interviews geführt, eine Menge Daten gesammelt und alles zu Papier gebracht. Eine wesentliche Aussage der Studie : die ländliche Region ist gegenüber den Zentren erheblich benachteiligt. Eine unter Schülern vorgenommene Umfrage sagt aus, dass fast 90 Prozent derjenigen, die in diesem oder kommenden Schuljahr ihre Schulausbildung abschließen, in der Heimat keine Perspektiven sehen. Ronny Roden : " Es tut schon weh, wegzugehen. Aber man muss an seine eigene Zukunft denken. "

Die Schüler haben in ihrer umfangreichen Arbeit aber auch ausführlich dargelegt, was die Menschen dazu bewegen würde, hier zu bleiben. Sehr wichtig war den meisten Interviewpartnern neben einem funktionierenden Nahverkehr vor allem das Vorhandensein von wohnortnahen Kindergärten und Schulen.

Bis zuletzt hatten die Jugendlichen zudem die Hoffnung, mit ihrer Arbeit auch direkt etwas für ihre Schule bewirken zu können – nämlich, dass das Land die Beschulung der gymnasialen Klassenstufen 7 und 8 Klassen in Seehausen bewilligt. Aber die Entscheidung fel bekanntlich anders.

Paula macht keinen Hehl aus ihrer Enttäuschung. " Mehrfach wurde uns gesagt, es sei toll, dass wir uns so engagierten. Bei der Vorstellung auf Kreisebene ist die Arbeit auf großes Interesse gestoßen. Aber letztendlich hat sich gezeigt, dass sie politische Entscheidungen nicht beeinf usst. Das heißt für mich, dass man uns nicht ernst nimmt. "

Zum Dienstag wurden die Schüler vom SPD-Landtagsabgeordneten Ralf Bergmann nach Magdeburg in den Landtag von Sachsen-Anhalt eingeladen, um dort ihre Studie vorzustellen. Dieser Einladung werden sie jedoch nicht nachkommen – vor allem wegen der Ablehnung, die 7. und 8. Klassen an der Außenstelle Seehausen des Osterburger Gymnasiums zu beschulen. Ein weiterer Grund seien aber auch die noch anstehenden Abiturprüfungen. Das Lernen gehe vor.

Mitgefebert mit ihren Schülern, dass deren aussagekräftige Projektarbeit Einf uss auf politische Entscheidungen zu Gunsten der gymnasialen Beschulung in Seehausen haben würde, hat auch ihre Geografelehrerin Astrid Schulz. Entsprechend enttäuscht ist sie über die Ablehnung aus Magdeburg. " Es ist einfach nicht nachvollziehbar, dass das Land in dieser wichtigen Sache gegen den Kreistag und gegen die betroffenen Menschen vor Ort entscheidet. Gerade die jungen Leute in den ländlichen Regionen sind auf vielfältige Weise benachteiligt.

Man schließt ein bestens ausgebautes Gymnasium und schickt die Schüler an eine Einrichtung, wo ungenügende Bedingungen herrschen und die aus allen Nähten platzt. Dafür müssen sie auch noch weite Wege auf sich nehmen. Das für viele Millionen Euro sanierte Schulgebäue in Seehausen wird nur noch zum Teil genutzt. Ich frage mich, wer kann das verantworten ?"

Der Landtagsabgeordnete Ralf Bergmann, der zu der Präsentation der Projektarbeit in den Magdeburger Landtag eingeladen hatte, teilte gestern mit, dass die Veranstaltung abgesagt wurde, da sich die Schüler auf zusätzliche Prüfungen vorbereiten müssten. Er möchte die Projektvorstellung jedoch zu einem späteren Zeitpunkt nachholen.