Brunkau. " Die Verseuchung des Waldes mit der spätblühenden Traubenkirsche ist eine große Last, die waldbaulich und wirtschaftlich unsere größte Sorge ist. Es braucht viel manuelle Arbeit, um hier ein Eichenpflänzchen hochzukriegen ", sagt Wilhelm von Carlowitz, Forstbetriebsinhaber in Brunkau und Mitglied im Landesforstverein Sachsen-Anhalts.

Dieser hatte jetzt zu einer Tagung mit Erfahrungsaustausch rund um die spätblühende Traubenkirsche nach Brunkau eingeladen. Von Carlowitz spricht im Zusammenhang mit der aus Amerika eingeschleppten Pflanze, die sich in Norddeutschland äußerst wohl fühlt und alles andere überwuchert, vom " Aids des Waldes ". Auf rund 600 Hektar Waldflächen rund um Brunkau wirtschaftet er gemeinsam mit Ehefrau Astrid. Etwa 150 Hektar davon seien mit der Traubenkirsche befallen, schätzt er ein. Auch Peter Sültmann, Regionalgruppenleiter der Altmark im Landesforstverein Sachsen-Anhalt sagt : " Diese Pflanze ist in der Altmark bereits sehr stark verbreitet und wird noch zu einem Problem für Sachsen-Anhalt werden. "

Um Erfahrungen in der Bekämpfung weiterzugeben und sich untereinander auszutauschen kamen Waldbesitzer und Forstunternehmer in Brunkau zusammen. " Ich setzte große Hoffnungen in den Erfahrungsaustausch, weil man so voneinander lernen kann und Bekämpfungsmethoden

kennenlernt ", sagt von Carlowitz. Diese erstrecken sich von manueller Beseitigung über biologische Bekämpfung bis hin zu chemischer Behandlung. Die Bekämpfung muss in der Praxis aber ökologisch und ökonomisch sinnvoll sein, so von Carlowitz.

Zu Gast waren die Referenten Regina Petersen und Axel Noltensmeier von der Nordwestdeutschen Forstversuchsanstalt sowie Malte Münte vom Landesforstamt Berliner Forsten. Sie stellten Versuche vor, bei denen die Bekämpfung der bereits 1685 nach Europa eingeschleppten Baumart mehr oder weniger erfolgreich praktiziert worden war. Der Baum, der in Amerika bis zu 35 Meter hoch werden und dort für Bauholz genutzt werden kann, erreicht in seiner europäischen Variante nur Strauchgröße. Als Pionierpflanze ist sie mit kargen Böden zufrieden und kann sogar im Schatten wachsen. Die Samen, die von Vögeln gut verbreitet werden, sind bis zu 25 Jahre keimfähig. Weil sie vor allem im 19. Jahrhundert für die Befestigung von Dünen und zur Bekämpfung von Kieferngroßschädlingen eingesetzt worden war, ist die Verbreitung im norddeutschen Raums inzwischen flächendeckend vorhanden, sagen die Fachleute.

Ein Pilz könnte helfen, das Problem zu lösen

Weil der unscheinbare Strauch aber auch wegen seiner sattgrünen Blätter von Laien kaum als störend empfunden wird, ist das Problem bislang wenig bekannt, betont von Carlowitz. Dabei nimmt die spätblühende Traubenkirsche anderen Baumarten in ihrer Umgebung Licht und Luft zum Leben und breitet sich rasant aus. Versuche, die seit 2001 angelegt worden waren, hätten gezeigt, dass Buchen oder Douglasien im Einflussbereich der Traubenkirsche eingegangen sind, fasste Regina Petersen in einem Lichtbildvortrag zusammen. Als vielversprechend bezeichnete Peter Sültmann den Versuch, die Traubenkirsche mit Hilfe des sogenannten violetten Schichtpilzes zu bekämpfen, wie in Berlin erprobt und von Malte Münte vorgestellt.

Im Anschluss an die Fachvorträge ging es für die Teilnehmer zu einer Exkursion in die Wälder.

Dabei waren nicht nur Forstleute, sondern auch Politiker wie Bundestagsabgeordneter Hans-Heinrich Jordan oder der Landtagsabgeordnete Jürgen Barth zu Gast. Vor allem letzter beschäftige sich seit langem mit Dingen, die den Wald betreffen, betonte Peter Sültmann.