Stendal ( ri ). Jetzt ist er satt : Zufrieden schlummert der am Freitag geborene Jakob in den Armen seiner Mutter Liane Lehmann ( 38 ). Sie kommt aus Drüsedau, hat mit Jakob einem Bruder für ihren 15-jährigen Sohn Marius das Leben geschenkt. Und sie ist glücklich, dass es ihrem Wunschkind so gut geht : Wohlig streckt der Kleine sich im Schlaf in dem hellgelben Schlafsack, den er als eines der ersten in Stendal geborenen Kinder von der Johanniter-Frauenklinik geschenkt bekommen hat. Damit will das Haus sein Zertifikat als babyfreundliches Krankenhaus ( ein Qualitätssiegel von WHO und Unicef ) untermauern – genauso wie mit Beratung und Stillgruppen und mit der Förderung des Kontakts der Eltern mit den Neugeborenen.

Schlafsäcke zu verschenken, ist indes mehr als nur ein Baustein, um das werbeträchtige Siegel als babyfreundliches Krankenhaus zu verteidigen. Vielmehr sind Schlafsäcke für Babys ein Bestandteil der Aktion " Sicherer Babyschlaf ". Die soll dafür sorgen, dass weniger Kinder am plötzlichen Kindstod sterben. Hebamme Evelyn Helmeke erläutert : " Es gibt bislang keine Erkenntnisse darüber, was die genaue Ursache dafür ist, dass in Deutschland eines von 2000 Babys völlig unerwartet stirbt. "

Sehr wohl gebe es aber statistische Untersuchungen mit entsprechenden Schlussfolgerungen. Eltern, die die beachten, senken das Risiko für den plötzlichen Kindstod. Evelyn Helmeke : " Einer der wichtigsten Punkte ist, die Kinder in Babyschlafsäcken und auf dem Rücken im Kinderbett schlafen zu lassen. " Dass ganz nebenbei in dem Zimmer – bei dem es sich in der Anfangszeit um das elterliche Schlafzimmer handeln sollte – keinesfalls geraucht werden soll, verwundert kaum. Und das Stillen verhilft laut Studien den Babys zusätzlich zu einem gesunden Schlaf – und stärkt sie so gegen den plötzlichen Kindstod.

Im vergangenen Jahr sind in der Stendaler Frauenklinik übrigens 846 Kinder zur Welt gekommen. Jetzt, zur Jahresmitte, liegt das Haus bei 402 Geburten. Stationsschwester Margit Langer erklärt : " Ein Trend ist damit nicht zu erkennen. " Dass die 1000-Baby-Marke geknackt werden könnte, erscheint ebenso unwahrscheinlich wie das Eintreffen der Befürchtung, dass die Zahl der in Stendal geborenen Kinder in diesem Jahr wesentlich sinkt. Margit Langer sagt : " Die Mütter kommen aus dem ganzen Landkreis zu uns, wir haben aber beispielsweise auch Frauen gehabt, die aus Perleberg zur Entbindung nach Stendal gekommen sind. " Die Entscheidung für einen Entbindungsort fällt nach Erfahrung der Stationsschwester oft erst dann, wenn eine Reihe kritischer Fragen zu Ausstattung und Betreuung zum Beispiel bei den Informationsabenden jeden ersten Montag im Monat geklärt ist. " Selbst wenn dann die Entbindung in einer Wanne doch wesentlich seltener genutzt wird, als die Eltern vorher nachfragen ", berichtet die Stationsschwester.