Großer Bahnhof am Wochenende in Bellingen. Nach dem offiziellen Startschuss mit einem Konzert in der Bellinger Kirche feierten nicht nur Gemeindemitglieder, sondern auch zahlreiche Gäste das 888-jährige Bestehen des Ortes. Mit einem großen Festumzug durch ihr Dorf begannen die Bellinger den Marathon an Feierlichkeiten am Sonnabend.

Bellingen. Dabei hatten sich die Organisatoren eine Menge einfallen lassen. Bereits im August vergangenen Jahres, so verriet es Wolfgang Stroczyk, begannen die Planungen und umfangreichen Vorbereitungen. Ein großer Umzug, gemeinsam mit der Feuerwehr sollte es werden. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen, denn es gelang Stroczyk und Wehrleiter Gerd Schliephake ausgesprochen gut, einen Querschnitt durch alle Bereiche, die Bellingen ausmachen, zu zeigen.

Nach einem ordentlichen Salutschuss aus der Kanone der Tangerhütter Bürgerschützen machte sich der Zug auf den Weg. Angeführt von den Rolandmusikanten und dem Bürgermeister Bellingens, Heinz Arndt, dem Wehrleiter, Gerd Schliephake, und der Verwaltungsleiterin, Birgit Schäfer, schob sich ein buntes Bild durch Bellingen. In den Umzug mischten sich neben den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr, darunter übrigens auch Freunde aus dem gleichnamigen Bellingen im Westerwald, und deren Gäste aus 14 weiteren Wehren, auch die örtlichen Vereine : Landfrauen, Bogenschützen und Jäger. Ein Fundstück aus der Geschichte Bellingens zeigte Bernd Theuer kauf. Er trug die Fahne eines früher bestehenden Bellinger Gesangsvereins, die auf etwa 1800 datiert wird. Aber auch die Landwirtschaft fand sich im Gefolge wieder.

So zeigten 14 Fahrzeuge den Weg landwirtschaftlicher Erzeugnisse von ihrer Saat bis zur Ernte : Auf Pflug, Güllewagen, Grubber und Häufelgerät folgten Kartoffelschleuder, Grasmäher, Schneider und sogar ein Hänger mit Erntekrone. Groß war das Engagement der Bellinger Gewerbetreibenden, die sich mit eigenen Fahrzeugen dem Umzug anschlossen, um ihre Firmen vorzustellen. Ein ganz großes Dankeschön schickte Wolfgang Stroczyk an die Bellinger Agrargenossenschaft, die unter anderem zehn alte Traktoren, Pflug und Grubber stellte.

Das modernste Gerät im Tross aber war ein neuer Mähdrescher, den die Genossenschaft erst vor etwa einer Woche in Betrieb genommen hat.

So bunt und vielseitig aber war das Leben in Bellingen nicht immer. Bürgermeister Heinz Ahrndt kramte ordentlich in Chroniken in und um Bellingen und wusste Interessantes aus der Geschichte seines Heimatortes zu berichten. So stammt die erste urkundliche Erwähnung Bellingens aus dem Jahr 1121, als Bischof Reinhard von Halberstadt dem Kloster Schöningen Besitzungen und Rechte in Bellingen, das früher noch Ballige geschrieben wurde, bestätigte.

Der ganze Stolz der Bellinger, ihre Feldsteinkirche St. Marien, geht übrigens auf diese Zeit zurück, wie Interessierte an der Bauweise von Turm, Kirchenschiff und Apsis erkennen können. Bellingen ging in der Vergangenheit durch viele Hände, war unter anderem Quartier für ein Rittergeschlecht, das sich nach dem Ort benannte, oder herrschaftlicher Besitz der Grafen von Osterburg.

Der 30-jährige Krieg löschte nahezu das gesamte Dorf aus. Und eine Feuersbrunst 1843 zerstörte das erst kurz zuvor wieder aufgebaute Dorf bis auf die Kirche und einige Gehöfte am Westende des Ortes. Heute und vor allem in der Zeit nach der Wiedervereinigung steckte die Gemeinde viel Geld in die Sanierung des Ortes, ließ die Dorfstraße von Grund auf sanieren und ausbauen, schuf der Feuerwehr etwa ein ordentliches Gerätehaus, beteiligte sich an den umfangreichen Sanierungs- und Renovierungsarbeiten in der Kirche und errichtete mit dem Dorfgemeinschaftshaus ein kleines Schmuckstück für alle Bürger Bellingens.