Wie geht es weiter mit der Bildung in der Region ? Auf Einladung der Stendaler CDUStadtratsfraktion stand Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz am Dienstag in Stendal vor spärliche erschienenem Publikum Rede und Antwort.

Stendal. Nicht ganz 30 Besucher waren es, die am Dienstagabend etwas verloren wirkten im großen Festsaal im Stendaler " Schwarzen Adler ". Gefolgt waren sie der Einladung der CDU-Stadtratsfraktion zu einem Stendaler Bildungsgespräch. Rede und Antwort stand Sachsen-Anhalts Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz ( parteilos ), der die Bildungspolitik in unserem Bundesland erwartungsgemäß auf einem guten Weg sieht : Fit für die Zukunft sei das Schulsystem nun, jetzt müsse man sich auf das Kerngeschäft der Schule konzentrieren. Die bestünden darin, Kernkompetenzen zu vermitteln.

Investitionen als Konjunkturpaket und aus EU-Töpfen fließen derzeit in altmärkische Bildungseinrichtungen. Das sei ein Zeichen für die Bedeutung dieses Bereichs : " Jeder Euro für die Bildung ist mehr wert als 100 Euro für die Abwrackprämie ", erklärte der Kultusminister.

Dennoch : Noch längst sei nicht alles optimal, was allein ein Blick auf hohe Schulabbrecherquoten deutlich mache. Olbertz : " Es ist oft die Rede davon, dass die Schule die Gesellschaft formt. Ganz im Gegenteil : Die Gesellschaft formt die Schule ", erklärte er den versammelten Pädagogen, Studenten, Politikern und Schülern. Im Klartext bedeutet das : Die Schule könne keine sozialen Probleme lösen, dürfe die Eltern nicht ihrer Verantwortung entbinden.

Die Zuhörer indes interessierten sich nicht zuletzt für die Probleme, die an altmärkischen Schulen zu bewältigen seien. Wie sinnvoll lange Fahrzeiten einzelner Lehrer zu mehreren Schulen seien ? Olbertz sieht das als einen notwendigen Kompromiss : Auch wenn " Wanderlehrer " weniger Zeit für die Schüler haben und sich vielleicht auch nicht mehr so mit den Einrichtungen identifizieren wie jene Lehrer, die ständig an einer einzigen Einrichtung unterrichten : Der Einsatz von Lehrkräften an mehreren Schulen sei eine Folge der politischen Entscheidung des Kreistags, auch kleine Schulen auf dem Land zu erhalten. Olbertz : " Wenn wir nicht wollen, dass die Kinder weite Schulwege haben – dann müssen eben die Lehrer fahren !"

Außenstellen nicht in jedem Fall erhalten

Nachfrage : Warum denn diese Entscheidungen des Kreistags von der Landesregierung akzeptiert würden, andere aber nicht ? Beispiel sei der Gymnasialzweig in Seehausen, der bislang nur mit Sondergenehmigung als Außenstelle des Osterburger Markgraf-Albrecht-Gymnasiums

existiert hat und der entgegen dem Willen des Kreistags vor dem Aus steht. Dazu der Minister : " Ich muss mich natürlich an Gesetze halten. " Wenn die den Erhalt von Gymnasialstandorten ermöglichen, dann werde sich sein Haus dagagen nicht sträuben. Olbertz : " Mit der Außenstelle des Tangermünder Gymnasiums in Havelberg funktioniert das doch sehr gut. " Nicht aus den Augen verlieren dürfe man aber bei jeder Entscheidung, welchen Einfluss der Erhalt einzelner Standorte wiederum auf die Schülerzahlen an anderen Schulen habe, erklärte der Kultusminister.

Um die grundsätzlichen Strukturen des Schulsystems geht es derzeit in Sachen Förderschulen mit einem Modellprojekt im Landkreis Stendal. Olbertz : " Es ist natürlich wichtig, auch Schüler mit Förderbedarf in Grund- und Sekundarschulen zu integrieren. Das aber wird nicht immer möglich sein. " Die Erfahrungen aus den laufenden Modellversuchen würden ausgewertet – und bei Misserfolgen müsse nach neuen Wegen gesucht werden.

Lesen Sie morgen in der Volksstimme, welche Positionen der Kultusminister zur frühkindlichen Erziehung vertreten hat.