13. September 1617 : Ein Datum, das die Tangermünder nie vergessen werden. 80 Prozent der Häuser der Kaiserstadt versanken nach einem Großbrand in Schutt und Asche. Wie gut, dass es seit 126 Jahren eine Freiwillige Feuerwehr in Tangermünde gibt, die seit neun Jahren von einem Förderverein unterstützt wird. Doch zwischen Wehrleitung und Förderverein knistert es nicht nur, es brennt. Mit Folgen für die zweitgrößte Wehr im Landkreis und auch für die tausendjährige Stadt.

Tangermünde. " Ich habe echt Angst, wenn hier in der Stadt mal was sein sollte. Zum Beispiel ein Feuer in einem der vielen Betriebe ", sagt Jens Bordel. Er ist vom Fach. Er ist Wehrleiter in Bindfelde und arbeitet in Tangermünde. Auch er hat längst mitbekommen, dass es zwischen der Tangermünder Wehr und dem Förderverein nicht rund läuft, dass erfahrene aktive Kameraden deswegen die Tangermünder Wehr verlassen haben. Feuerwehren wie die in Miltern, Arneburg und Buch sollen von diesem Aderlass, unter anderem ging ein langjähriger Gerätewart, profitiert haben.

" Ich sage nichts dazu. Der Bürgermeister hat doch alles gesagt "

" Ich bin informiert ", sagt Bürgermeister Rudolf Opitz. Mit Sorge beobachte er die " persönlichen Zwistigkeiten ", die nicht dazu führen dürften, dass die Einsatzbereitschaft gefährdet werde. Wehrleiter Uwe Classe, erst im März 2008 im Amt bestätigt, will sich dazu nicht äußern. Auch nicht nach einer mehrtägigen Bedenkpause. " Ich sage nichts dazu. Der Bürgermeister hat doch alles gesagt. " Wirklich ?

Im November 2000 ist der Feuerwehr-Förderverein in Tangermünde gegründet worden. Er war einer der ersten im Landkreis. Die Bewirtung bei Festen, neue Mitglieder werben, sich um die ehemaligen Kameraden kümmern, Kontakt zu anderen Wehren halten: Das hat sich der Verein, der bis Mitte Februar 2008 von Klaus-Jürgen Schafberg geleitet wurde, auf die Fahne geschrieben. Bei den Vorstands-Neuwahlen im vergangenen Jahr trat der alte Vorstand, zu dem auch Classe als Stellvertreter und die Tangermünder Ordnungsamtsleiterin Elke Gottschlich als Schriftsführerin gehörten, nicht mehr an.

Um Bernd Tangelmann formierte sich ein neuer Vorstand. 82 Mitglieder – Sponsoren, fördernde Mitglieder und natürlich auch die Mitglieder der Tangermünder Wehr – zählte damals der Verein. Der neue Vorstand krempelte die Ärmel hoch: Osterfeuer, Versorgung der Teilnehmer des 1. Tangermünder Elbdeichmarathons, Stadtfeuerwehrtag, Burgfest … Nur mit der Wehrleitung ist er nie recht warm geworden, stattdessen seien Steine in den Weg gelegt worden, heißt es. " Wir hatten Probleme, die Fahrzeughalle zu betreten, um die vereinseigenen Tische und Bänke zu holen ", schildert Tangelmann.

Damit nicht genug. Im November sah der neue Vorstand die rote Karte. Wehrleiter Classe, Schafberg und Zugführer Michael Classe, Sohn des Wehrleiters, erzwangen per Unterschriftenversammlung eine außerordentliche Mitgliederversammlung. Auf dieser wurde der Rücktritt des Vorstands gefordert. Eine Mehrheit erhielten die drei nicht. " 90 Prozent der Mitglieder sprachen uns ihr Vertrauen aus ", erinnert sich Tangelmann.

Die Quittung kam prompt. Die gesamte Wehrleitung und noch einige Kameraden traten aus dem Verein aus. Dann traf beim Förderverein ein Brief aus dem Rathaus ein : Der Verein möge bis zum 31. Dezember 2008 seine Sachen aus dem Gerätehaus räumen. Jenem Gerätehaus, in das wenige Jahre zuvor rund 1, 4 Millionen Euro investiert wurden, um der Wehr " geradezu fantastische Bedingungen " zu bieten, wie es Bürgermeister Opitz bei der Einweihung formulierte.

Bernd Tangelmann, nicht nur Mitglied der Tangermünder Wehr, sondern auch als Ingenieur für Brandschutz hochqualifiziert, versuchte mit einem " Runden Tisch " zu retten, was noch zu retten ist. " Der Versuch blieb ohne Erfolg. Die Wehrleitung ließ uns abblitzen. " Classe und Tangelmann verkehren seitdem nur noch schriftlich. Ende Februar 2009 zog der Förderverein aus dem Gerätehaus aus.

Die Probleme blieben, und erstmalig spürten es auch die Tangermünder Bürger. Das beliebte Weihnachtsbaum-Verbrennen fiel in diesem Jahr aus. Aus " technisch-organisatorischen Gründen ", wie es Ordnungsamtsleiterin Gottschlich formulierte. Der Bürgermeister war deutlicher: Weil Verein und Wehr sich nicht auf Zuständigkeiten einigen konnten. Das jetzt am 1. Mai beim Tag der offenen Tür der Feuerwehr der Förderverein nicht am Grill und an der Gulaschkanone stand, braucht da nicht zu wundern. " Mitgliederwerbung ist so auch nicht möglich ", beklagt Tangelmann. Dabei hat dies die Tangermünder Wehr bitter nötig. Das weiß auch das Rathaus und verschickte deswegen rund 1800 Briefe an die Tangermünder im Alter zwischen 20 und 40 Jahren, um sie für den aktiven Dienst in der Feuerwehr zu gewinnen. Mit mäßigen Erfolg. Vier Männer hätten sich für den aktiven Dienst bereit erklärt, sagte Ordnungsamtsleiterin Gottschlich, etliche hätten Interesse gezeigt.

Der Knatsch in Tangermünde hat längst die Runde in der Region gemacht. Er trifft auf Unverständnis.

" Wenn beide
nicht miteinander können, ist das schlecht "

" Der Feuerwehr-Förderverein ist für die Feuerwehr da. Wenn beide nicht miteinander können, ist das schlecht ", sagt der Milterner Wehrleiter Klaus Bochmann. Mit Sorge blickt auch Kreisbrandmeister Dieter Bolle, ihm unterstehen 206 Feuerwehren mit rund 5000 Aktiven, in Richtung Kaiserstadt. " Es ist bedauernswert, dass solche Dinge passieren ", sagt er. Im Landkreis sei dieser Fall einmalig. Seine Bitte: " An einen Tisch setzen und die Dinge klären. "

Zeit wird es wohl. Denn der Brand im E-Center von Tangermünde im Dezember zeigte, dass die Sorgen von Jens Bordel nicht unberechtigt sind. Wie es aus Feuerwehrkreisen heißt, musste die Tangermünder Wehr zweimal alarmiert werden, weil beim ersten Mal zu wenig aktive Kameraden zum Gerätehaus eilten. Zudem konnte die Tangermünder Drehleiter bei dem Großfeuer zwei Tage vor Heiligabend erst zum Einsatz kommen, nachdem der Ex-Tangermünder Gerätewart mit der Milterner Wehr eintraf. Von den anwesenden Tangermünder Kameraden habe keiner die dafür erforderliche Ausbildung gehabt, wird erzählt.