Stendal. Das Halberstädter Musiktheaterensemble überzeugte, wie schon so oft in den Gastspielen, am Freitagabend im Theater der Altmark mit einer geschlossenen Ensembleleistung. Das Kunstwerk Aufführung entstand in der Einheit von differenziert geführtem Musikeinsatz unter Musikdirektor Johannes Rieger, dem ein harmonisch aufeinander eingespieltes Solistenensemble und ein geschulter Opernchor zur Seite standen, begleitet vom einfühlsamen Halberstädter Orchester.

Die Regie von Henriette Sehmsdorf verstand es, eindringlich erzählende Arrangements zu finden, die die konfliktreiche Handlung klar hervortreten ließen. Die Dritte im Bunde war Ausstatterin Sabine Hilscher, die ohne vordergründige Aktualisierung die für die Handlung authentisch geschichtlich nachzuweisenden Spielorte mit wenigen, aber eindrucksvollen Details charakterisierte. Für Besucher, die kein Italienisch verstanden, wurde der Text in deutschen Übertiteln projiziert.

Die Handlung um Sängerin Tosca und Maler Cavaradossi, die beide am 17. Juni 1800 in Konflikt mit Diktator Scarpia in Rom geraten, ist vor dem historischen Geschehen der Kämpfe Napoleons mit der östereichisch-englisch-russischen Allianz von dramatischer Dichte gekennzeichnet.

Floria Tosca ( Katharina Waken ) gestaltet ihren Konflikt zwischen ästhetischem Schönheitssinn, religiöser Frömmigkeit und notwendig werdender Härte gegen den Diktator mit hoher sängerischer Qualität und Brillanz sowie disziplinierter szenischer Darstellung. Ihr zur Seite Cavaradossi ( Raymond Sepe ), der alle Folterungen in Scarpias Gewalt kraftbewusst besteht und ihm sein " Victoria " entgegenschleudert, ist ebenbürtiger Partner. Berührend, von gefühlvoller Tiefe getragen, das Duett der beiden in Hoffnung auf Freiheit in der Engelsburg.

Diktator Scarpia ( Juha Koselka ) setzt weltmännisch arrogante Auftrittsweise und brutale Gewaltanwendung ein, um seine Ziele zu erreichen. Aussagestark die Arrangements im Kampf um Tosca am Banketttisch über die gesamte Bühnenbreite. Dramatischer Höhepunkt : Die Befreiungstat Toscas gegen Scarpia. Die dramatisch kaum noch steigerbare Handlung erhöht Puccini durch ein aggressiv klingendes Orchester, das andererseits zu atmosphärisch dichten Klangwirkungen ( z. B. im Vorspiel 3. Akt ) eingesetzt wird.

So entstand vor den Zuschauern im TdA die überzeugende Einheit künstlerisch szenischer Umsetzung und musikalisch glanzvoller Bewältigung der musikalischen Ideen des Komponisten durch ein einsatzbereites Ensemble. Der minutenlange Beifall war berechtigter Lohn dafür.