In mehr als 200 Unternehmen der Altmark sind gestern Mitarbeiter der Arbeitsagentur zu Besuch gewesen. Der " Tag des Ausbildungsplatzes " war der Anlass, das Ziel war es, gemeinsam nach Wegen zu suchen, um jungen Menschen die in der Region angebotenen Lehrstellen schmackhaft zu machen. Eine Station für Marina Kermer, Geschäftsführerin der Stendaler Agentur für Arbeit, war der Lebensmittelproduzent " Altmärkische Fleisch- und Wurstwaren GmbH ".

Stendal. " Mein erster Berufswunsch war es, Astronaut zu werden – und danach kam gleich der des Fleischers ", erzählt Matthew Hochheimer. Er lernt derzeit beim Stendaler Lebensmittelproduzenten " Altmärkische Fleisch- und Wurstwaren GmbH ". Der Grund für die Berufswahl : " Ich liebe Wurst. "

Mehr junge Leute von dieser Sorte wünscht sich Jörg Viehmann, Geschäftsführer des Unternehmens. Denn das Bild des Fleischerberufs sei bei jungen Leuten völlig verschoben, völlig falsch. Viehmann : " Die meisten Jugendlichen denken, dass das ein schlecht bezahlter Beruf für Menschen mit viel Muskeln und mit wenig Grips sei. Das ist aber längst überholt. " Wie in den meisten anderen Berufen auch hat bei den Fleischern in den vergangenen Jahren die Technik Einzug gehalten. Und das heißt : Maschinen im Wert von mehreren tausend Euro müssen in der Produktion bedient werden. Komplexe Produktionsprozesse erfordern ein Verständnis für Mathematik und für Naturwissenschaften. Viehmann : " Es ist traurig, dass dieser interessante und abwechslungsreiche Beruf oft nur der Notnagel für die ist, die nichts anderes gefunden haben. " Die Folge : Das Unternehmen sucht derzeit händeringend geeignete Auszubildende.

Dass in der Öffentlichkeit oft ein falsches Bild von den einzelnen Berufen vorherrscht, dass junge Leute sich nur wenig Gedanken machen über ihr Berufsleben, dass manche kaum lesen und rechnen können – diese Klage der Unternehmer ist nicht neu. Und seit Jahren gibt es Aktivitäten, mit denen gegengesteuert werden soll – von Praktika über Klassenbesuche in Firmen bis hin zur Berufsberatung in der Agentur für Arbeit. Was also ist noch zu tun, um die passenden Schulabgänger für die richtigen Ausbildungsplätze begeistern zu können ? " Wir müssen die Qualität der Aktivitäten erhöhen ", erklärt Agenturchefin Marina Kermer. Zustimmendes Nicken von Jörg Viehmann. Das bedeutet beispielsweise, dass über Berufe, deren Qualitäten nur unzureichend bekannt sind, offensiv informiert wird – beispielsweise bei eigens organisierten Veranstaltungen der Arbeitsagentur. Und dass auf Veran stal tun gen wie der Ausbildungsmesse die Schüler nicht einfach nur durch die Gänge laufen, sondern gezielt Informationen einholen müssen. Verstärkt soll dafür geworben werden, dass Praktikanten rechtzeitig die Arbeitswelt und die Unternehmensphilosophie der unterschiedlichen Firmen kennenlernen.

Wichtig ist das Thema Ausbildung indes nicht allein für die Unternehmen und für die Schulabgänger. Vielmehr verhindert das auch ein Ausbluten der Region. Marina Kermer : " Es gibt ja zahlreiche Arbeitsplätze in der Region, die noch gar nicht besetzt sind. " Und bei denen die jungen Leute nach einem erfolgreichen Abschluss ihrer Lehre auch gute Chancen haben, übernommen zu werden – wie beispielsweise bei den Stendaler Wurstproduzenten. Jörg Viehmann : " Wir sind ja auch daran interessiert, dass wir selbst unseren eigenen Nachwuchs ausbilden : Bei den Leuten sind wir sicher, was sie können und wollen. "

Was übrigens den 21-jährigen Matthew Hochheimer angeht, ist eine Übernahme durchaus denkbar. Denn in diesem Jahr schließt er seine Ausbildung zum Fleischer ab – mit dem erklärten Ziel, einen " ausgezeichneten Abschluss zu bekommen ".