Der Landkreis Stendal soll eine Modellregion in Sachen medizinischer Basisversorgung in Problemgebieten werden. Das Modell nennt sich " Transage " und ist der Beitrag von AOK und Kassenärztlicher Vereinigung ( KV ) Sachsen-Anhalt zu einem Wettbewerb des Bundesforschungsministeriums, bei dem den fünf Siegern je fünf Millionen Euro winken, um innovative Ideen Wirklichkeit werden zu lassen.

Stendal. Während der jüngsten Kreistagssitzung wurde das Vorhaben bereits grob umrissen ( die Volksstimme berichtete ), versehen mit dem Hinweis des Landrats, dass sich der Fachausschuss im Detail mit diesem Thema befassen würde. So geschehen am Mittwoch im Kreistagsausschuss für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit.

Dr. Matthias Lakotta von der AOK und Thomas Steil von der KV Sachsen-Anhalt, die zu dem Vätern des " Transage " - Projekts gehören, benannten die Probleme, die den Landkreis als Modellregion für eine neue Art der medizinischen Grundversorgung ideal erscheinen lassen. Da sei zum einen die Soziodemografi e, sprich ein Landstrich, der fl ächenmäßig sehr groß ist, dessen Bevölkerungsrückgang aber so dramatisch wie in keiner anderen Region Deutschlands sei. Fakt Nummer zwei : Der dramatisch steigende Anteil älterer Menschen in der Altmark. Und dieser Anteil steige im Landes- und Bundesvergleich überproportional schnell, weil es vor allem die jungen Leute seien, die aus dieser Region abwandern. Eine Entwicklung, von der auch die Ärzteschaft nicht ausgenommen sei. Das heißt : Der Zeitpunkt rückt näher, zu dem Arztpraxen aus Altersgründen aufgegeben werden. Und dann ?

Das Projekt " Transage " versucht, darauf eine Antwort zu geben. Dazu stellten sich die Projektentwickler die Frage : Wie ist es möglich, in so einer Region eine funktionierende ärztliche Infrastruktur zu schaffen und sie so zu gestalten, dass sie den Erfordernissen gerecht wird, die im Alter gehäuft auftretende Krankheiten an die medizinische Versorgung stellen ? Zu den Antworten, dieKrankenkassen-und Mediziner-Vertreter mit ihrem Modellprojekt anbieten, gehören so genannte Filialpraxen.

Sie sollen Ersatz für wegfallende Arztpraxen schaffen, so Dr. Lakotta. Voraussetzung sei, dass sich die niedergelassenen Ärzte zusammenfi nden, und diese Filialpraxen gemeinsam betreiben. Das würde bedeuten, sie finden einen Modus, nach dem die Filialpraxen besetzt werden. Sprechstunden dort müssen nicht an jedem Tag der Woche stattfi nden. Es könnten auch – je nach Bedarf – zwei oder drei Sprechtage pro Woche ausreichen.

Drei Filialpraxen, wenn " Transage " siegt

Ein Modell auch, in das in einem zweiten Schritt zum Beispiel Ärztinnen eingebunden werden könnten, die nicht voll arbeiten können oder möchten, weil sie kleine Kinder haben. Über die Filialpraxen könnten sie auch stundenweise ihren Beruf ausüben. Ebenso sei vorstellbar, dass junge Ärzte sich in diesen Filialpraxen erste Sporen auf dem Weg zur eigenen Landarztpraxis verdienen.

Um in diesen Praxen speziell auf altersbedingte Krankheitsbilder reagieren und sie mit hoher Kompetenz behandeln zu können, soll in ihnen die Telemedizin Einzug halten. Die Filialpraxen werden über entsprechende Computertechnik zum Beispiel mit Herz-Kreislauf- oder Schlaganfallspezialisten in Unikliniken verbunden sein, so dass der Arzt in der Filialpraxis in so einem Fall sofort via Bildschirm den Spezialisten zu Rate ziehen und die schnellst- und bestmögliche Behandlung einleiten kann.

Dass die Mitglieder des kreislichen Fachausschusses dem " Transage " -Projket am Mittwochabend gewogen waren, heißt allerdings noch nicht, dass es auch Wirklichkeit wird. Zwar haben es die Sachsen-Anhalter mit diesem Projekt bereits unter die letzten 20 von ehemals 86 Wettbewerbsteilnehmern geschafft. Es gilt aber, unter die letzten fünf und damit in den Genuss der Millionen-F örderung zu kommen. Am 27. Mai fällt darüber im Bundesforschungsministerium die Entscheidung.

Dr. Matthias Lakotta und Thomas Steil zumindest rechnen sich und ihrem " Transage " -Projket gute Chancen aus, auch diese letzte Hürde erfolgreich zu nehmen. Sollten sie Recht behalten, würden binnen der kommenden vier Jahre drei solcher Filialpraxen im Landkreis Stendal aufgebaut.