Das Osterburger Gymnasium platzt aus den Nähten, während in Seehausen ein gut ausgestattetes Gymnasiums-Gebäude nahezu leer steht. Ein Zustand, den der Kreis-Schulausschuss nicht mehr hinnehmen will. Seehausen soll eine Gymnasiumsaußenstelle für die Klassen 5 bis 8 bekommen. Ob es sie geben wird, hängt nicht nur vom Kreistag, sondern auch vom Landesverwaltungsamt ab.

Stendal. Dass der Entwurf des Schulentwicklungsplans am Dienstag noch einmal auf den Prüfstand kam, war keine Überraschung – und gewollt. Ausschussvorsitzende Edith Braun ( SPD ) : " Es gab im Verlauf der Diskussion neue Erkenntnisse, die in den Schulentwicklungsplan einfließen sollten, und darüber wollen wir reden – Stück für Stück. "

Die meisten der an diesem Abend " diskutierten Stücke " fanden den Beifall der nicht wenigen Eltern und Lehrer, die gekommen waren, um möglichst Konkretes über die Zukunft ihrer Grund- und Sekundarschulen zu erfahren ( dazu in der morgigen Ausgabe mehr ). Edith Braun : " Nur zufriedene Gesichter heute Abend. Ist doch auch mal schön. "

Das änderte sich schlagartig, als die aus Elternsicht unbefriedigende Raumsituation im Osterburger Gymnasium zur Sprache kam. Die Betonung liegt auf Elternsicht, denn aus Sicht der Stendaler Schulverwaltung hat das Osterburger Gymnasium genügend Räume, zitierte die Ausschussvorsitzende aus einem Brief von Seehausener Eltern, denen das Amt genau das geantwortet hatte.

" 34 Klassen in 35 Räumen unterrichten zu wollen, ist ein Unding "

Mit dieser Meinung steht das Schulverwaltungsamt genau auf dem Standpunkt, auf den das Landesverwaltungsamt aus " schulfachlicher Sicht " beharrt. Während der Sitzung des kreislichen Schulausschusses stand das Schulverwaltungsamt Stendal mit dieser Interpretation der Platzverhältnisse im Osterburger Gymnasium allerdings allein auf weiter Flur. Schulausschussmitglied Rüdiger Kloth ( CDU ) : " Die Platznot in Osterburg ist extrem. " Ausschussmitglied Peter Zimmermann ( Die Linke ) : " 34 Klassen in 35 Räumen unterrichten zu wollen, ist ein Unding. Das sage ich als langjähriger Pädagoge, der selbst Unterrichtsplanungen machen musste. "

" Viele Eltern empfinden die Schule als überfüllt. Und so ist es auch : Das Osterburger Gymnasium ist trotz der Anmietung weiterer Räume überfüllt und in Seehausen stehen gut ausgestattete Räume leer ", fasste Edith Braun zusammen.

Eine Situation allerdings, die der Schulausschuss und der Stendaler Kreistag mitverschuldet haben. Sie beschlossen den derzeit gültigen Schulentwicklungsplan, mit dem das Schicksal des Seehausener Gymnasiums besiegelt wurde. Das Gymnasium wurde geschlossen. Die Gymnasiasten aus Seehausen und dem Umland werden seither in Osterburg beschult. Einzige Ausnahme, der das Landesverwaltungsamt zustimmte : Die gymnasialen Klassen 5 und 6 aus Seehausen werden als " ausgelagerte Klassen des Osterburger Gymnasiums " im Gebäude des ehemaligen Seehausener Gymnasiums unterrichtet.

Elternwille ist es jedoch, mit dem neuen Schulentwicklungsplan diesen offenkundigen Fehler – das gestanden am Dienstag auch Schulausschussmitglieder ein – zu korrigieren. Daraus und aus eigener Überzeugung, wie Edith Braun unterstich, wurde ein Antrag der SPD-Fraktion an den Kreistag. In ihm werden die Kreistagsmitglieder aufgefordert, im neuen Schulentwicklungsplan des Landkreises zu verankern, dass in Seehausen eine Außenstelle des Osterburger Gymnasiums für die Klassen 5 bis 8 eingerichtet wird. Der Schulausschuss des Kreistags stimmte diesem Antrag zu. Gesetzt den Fall, der Kreistag beschließt es, ist jedoch erst die erste Hürde im Interesse der Seehausener genommen. Offen bleibt, ob das Landesverwaltungsamt diese Seehausener Gymnasiums-Außenstelle auch genehmigen wird.