Stendal ( uha ). Er gilt als der erste große Förderer der Kunst : Gaius Maecenas. Die der römischen Lebensweise zugeordneten Begriffe Muße und Geschäft sind Grundpfeiler auch seiner Philosophie. 65 vor Christus im heutigen Arezzo geboren – das mit der Blüte aretinischer Keramik vom 200-Seelendorf zur wichtigen Handelsstadt im römischen Imperium wurde – stand Maecenas in der Rolle des Beraters beim römischen Kaiser hoch im Ansehen.

Das Winckelmann-Museum zeigt nun in einer Sonderausstellung eine Marmorkopfstudie des Römers. Die im Museum von Arezzo stehende Originalskulptur wurde mit Hilfe modernster Computer-Scanmethodik dreidimensional erfasst und konnte so bis in kleinste Details nachgebildet werden. Dass es sich um den Kopf des Maecenas handelt, wurde von Prof. Dr. Bernhard Andreae anhand verschiedener Vergleiche mit Zeitgenossen des Maecenas festgestellt.

Bisher ist nur eine einzige, leider nicht auf wissenschaftlichen Argumenten beruhende Gegendarstellung bekannt geworden. Die Marmorkopie kann mit einigem Recht dank der Recherchen von Bernhard Andreae als das angesehen werden, was sie darstellt : Das Duplikat der in Rom hergestellten, heute in Arezzo stehenden Marmorbüste von Maecenas.

Ein Jahr stand die Kopie im Arbeitszimmer des Bundespräsidenten im Schloss Bellevue, nun hat sie als Dauerleihgabe ihren festen Platz in Stendal gefunden. Von hier aus begleitet sie künftig die Maecenas-Ehrungen der Arbeitsgemeinschaft selbstständiger Kulturinstitute.

Prof. Andreae nahm die Ausstellungseröffnung zum Anlass für einen feinsinnigen Vergleich : In Athens Akropolis gab es einen Sockel für Maecenas. Die Griechen haben also den Sockel, aber Stendal besitzt jetzt den Kopf.

Die Ausstellung " Maecenas – Urbild aller Förderer der Kunst " ist bis 31. Mai im Winckelmann-Museum zu sehen.