In diesen Tagen vor genau 200 Jahren spielte Stendal eine bedeutsame Rolle im Befreiungskampf gegen die napoleonischen Besatzer. Das Jubiläum ist an der Stadt ohne jedes Echo vorübergegangen, beklagt Hobbyhistoriker Dieter Bergmeier. Nur die Schützen gedenken des Stendalers Joseph Manns, der am 14. April 1809 am Schützenplatz hingerichtet wurde.

Stendal. Die Erinnerung an den Maurer Joseph Manns ist in Stendal noch relativ wach. Eine Straße in Nord trägt seinen Namen ; auf dem Schulhof der Diesterwegschule, nahe der Stelle seiner Exekution, ist ihm ein eisernes Kreuz gewidmet. Doch den Hauptmann Friedrich Karl von Katte ( 1770-1836 ) kennt so gut wie niemand. Dabei war er der eigentliche Macher, der von Stendal aus einen Volksaufstand gegen die napoleonischen Besatzer und ihre westfälischen Vasallen vom Zaune brechen wollte. " Manns wäre nichts ohne Katte ", sagt der Stendaler Dieter Bergmeier.

Der Hobbyhistoriker, der in den Winckelmann-Blättern des Förderkreises des Winckelmann-Gymnasiums bereits die Militärgeschichte Stendals aufarbeitete, sitzt zurzeit über einer neuen großen Arbeit : " Der Kattesche Zug oder : L’Affaire de Stendal ". Diese Affäre jährt sich in diesen Tagen zum 200. Mal. Die Ereignisse in Kurzform :

Am 2. April 1809 überquert Friedrich Karl von Katte mit etwa 250 Leuten bei Sandau die Elbe, die damals die Grenze zum napoleonischen Königreich Westfalen bildete. Bald darauf nehmen sie das Viehtor in Stendal ein, ziehen durch die Viehtor-, heute Bismarckstraße, zum Marktplatz. Stendaler Bürger begrüßen die preußischen Befreier, Stadtmusikus Henning macht Musik. Katte beschlagnahmt im Rathaus die Kasse, die 18 500 Taler enthalten haben soll, und lässt sich alles quittieren. Maire von Woldeck, von den Franzosen als Bürgermeister eingesetzt, fragt ihn, mit welchem Recht er handele. Katte, der den preußischen König hinter sich fühlt, weist auf seinen Säbel : Das sei sein Recht. Der Maire und einige Ratsherren werden im Schwarzen Adler unter Hausarrest gestellt.

Mit einer flammenden Rede vor Stendaler Bürgern, vermutlich auf dem Marktplatz gehalten, ruft Katte zum Volksaufstand gegen die französischen Besatzer auf. Doch sein eigentliches Ziel ist die Einnahme der Festung Magdeburg. Schon am nächsten Tag zieht sein Trupp zum Tangermünder Tor hinaus und über Burgstall nach Wolmirstedt. Dort erreicht ihn die niederschmetternde Nachricht, dass seine Sache verraten wurde und aus Berlin keine Unterstützung mehr zu erwarten ist. Es kommt zu Gefechten mit den anrückenden westfälischen Truppen und zu Verhaftungen. Katte flieht über die Elbe nach Burg, dann weiter nach Berlin.

Zum Volksaufstand ist es nicht gekommen, auch in Stendal nicht. " Aber das war die erste Aktion dieser Art in Deutschland ", schätzt Dieter Bergmeier ein.

In Stendal kreuzen sich auch die Wege des Hauptmanns von Katte und des Maurers Joseph Manns. Manns, über den so gut wie keine Fakten überliefert sind – nur, dass er ein noch junger Mann gewesen sei –, muss Katte, der mit seiner Familie eine Wohnung auf dem heutigen AtO-Grundstück Breite Straße / Ecke Altes Dorf, hatte, schon länger gekannt haben. Er schließt sich mit anderen Stendalern seinem Trupp an, wird in Wolmirstedt verhaftet und am 13. April 1809 nach Stendal gebracht. Nach einer Nacht im Torhaus am Viehtor, in der seine Mutter bei ihm ist, wird Joseph Manns am 14. April zwischen den beiden Wällen am Schützenplatz erschossen. Er ist der einzige Stendaler, der hier hingerichtet wird. Andere Aufständische, die ebenfalls mit nach Wolmirstedt ziehen, werden auf dem Glacis in Magdeburg exekutiert : der Dammsetzer Futsch, der Tuchmacher Riek, der Fleischermeister Schüler, der Unteroffizier Friedrich Bugow und der Arbeiter H. F. W. Schmidt. Stendals Stadtmusikus Henning, der die Katteschen Truppen mit Musik empfing, stirbt im Kerker.

Diese Ereignisse liegen jetzt genau 200 Jahre zurück. Dieter Bergmeier hätte sich gewünscht, dass in Stendal der Geschehnisse in irgendeiner Form gedacht worden wäre. Bisher ist nichts passiert. " Das sind wichtige Ereignisse in der Stadtgeschichte ", sagt Stadtsprecherin Sybille Stegemann. " Die Stadt wird zumindest noch eine Gedenkschrift verfassen. "

Der Schützenverein Diana wahrt wenigstens das Andenken an Joseph Manns und lädt für kommenden Sonnabend wie alljährlich zum Joseph-Manns-Gedächtnisschießen ein.