Etwas Besonderes wollten die Stendaler Bibliotheksfreunde den Gästen der ersten Lesebühne bieten. Mit Unterstützung des Theaters und einem Crossover durch die Literaturgenres ist ihnen das am Mittwochabend auch vor einem begeisterten Publikum in der Stadtbibliothek gelungen.

Stendal. Raphaela Crossey ist Schauspielerin am Theater der Altmark, holt tief Luft und sagt : " Der Durchmesser des Huts kann bis zu 15 Zentimetern betragen. " Das Publikum, dicht gedrängt versammelt auf Stühlen, die im Erdgeschoss der Stadtbibliothek aufgestellt sind, ist begeistert. Um welchen Pilz es gerade geht, ist den mehr als 50 Gästen indes völlig egal. Denn es zählt allein der Umstand, dass die Schauspielerin in Vollendung eine Passage aus einem Pilzbuch vorliest, das kurz zuvor von einer Besucherin eine Etage weiter oben ausgewählt und ihr vom Theaterintendanten Markus Dietze zugeteilt worden war.

Wer damit gerechnet hat, dass die erste Lesebühne des vor einem Jahr gegründeten Vereins " Bücherfreu ( n ) de der Stadtbibliothek Stendal " eine ernsthaft-getragene Veranstaltung wird – der war falsch gewickelt. Neben Raphaela Crossey waren Schauspie lerkollege Reinhard Riecke, Theaterintendant Markus Dietze und Chefdramaturgin Anne Riecke der Einladung von Vereinsvorsitzender Elisabeth Seyer gefolgt. Sehr wohl wurde aus ernsten Werken vorgelesen – aus Ulrich Plenzdorfs " Die neuen Leiden des jungen W. " ebenso wie beispielsweise aus einem polnischen Sprachführer, aus Lexika oder eben aus jenem Pilzführer – ernsthaft blieb die Sache dennoch nicht. Die Besucher besuchten in Zweiergruppen gemeinsam mit Chefdramaturgin Anne Riecke die obere Etage der Stadtbibliothek, suchten einige Bücher aus und übergaben diese dem Theaterintendanten Markus Dietze, der die Bücher wiederum an seine beiden Theaterschauspieler verteilte. Diese lasen bruchstückhafte Passagen vor und sorgten mit den aus dem Zusammenhang gerissen Literaturfetzen für Heiterkeit unter den Bibliotheksbesuchern.

Mit weiteren Veranstaltungen der Lesebühne möchte der Verein nicht nur die Freude an der Literatur fördern, die Reihe soll auch ein Podium sein für jene, die selbst Literatur verfassen und für jene, die besonderen Werken ein Podium verschaffen möchten, erklärte Vereinsvorsitzende Elisabeth Seyer. Die Lesebühne sei offen für Lyrik wie für Prosa. Die nächsten Veranstaltungen sind für den 25. April in der Stadtseebibliothek mit einem Nachmittag für Kinder ab 15 Uhr und für den 13. Mai um 20 Uhr mit einer weiteren Erwachsenen-Lesebühne in der Stadtbibliothek geplant. Laut Vereinsvorsitzender Elisabeth Seyer sollen ähnliche Veranstaltungen in Zukunft im Rhythmus von zwei Monaten angeboten werden. Vornehmlich in der Stadtseebibliothek – die am Mönchskirchhof ist vor der Erweiterung schlicht zu klein für große Veranstaltungen.

www. buecherfreunde-stendal. de