Storkau ( aho ). Zu einer Ausstellung der ganz besonderen Art hatte Storkaus Hotel-Direktorin Ulrike Brune am Sonnabend eingeladen. Zusammen mit Tangermündes Galeristen Karl-Heinz Russ, beide verbindet seit Jahren eine enge geschäftliche Beziehung, präsentiert sie in diesen Tagen Werke des Malers Leo Steck. Sowohl in der Lobby, dem rechten Schlossflügel und dem Elbzimmer des Hotels Schloss Storkau als auch in den Räumen des Giebels in Tangermünde sind zahlreiche Arbeiten des Schweizer Künstlers zu sehen – im Schloss bis zum 19. April, im Giebel ganzjährig. " Das ist unser Beitrag zum Jubiläum, das in diesem Jahr in der Stadt gefeiert wird ", sagt Russ.

Die mittlerweile dritte gemeinsame Ausstellung von Schloss und Giebel zeigt Arbeiten des Schweizers Leo Steck ( 1883-1960 ). Dessen Adoptivsohn Jacques Steck ( 79 ) hatte mit Unterstützung etlicher Kunstliebhaber die Präsentation der Werke in der Altmark ermöglicht. Russ berichtet, dass der Weg der Steck-Werke auf vielen Zufallsbegegnungen beruhe. Eine davon sei die mit einem Gastdozenten an der Fachhochschule in Stendal.

In einer gut einstündigen Laudatio spricht Jacques Steck aus dem Leben seines Vaters. Leo Steck war das Kind einer Freidenker-Familie. Er studierte zunächst Zoologie, wandte sich jedoch nach seiner Promotion auf diesem Gebiet der Kunst zu. Er zog nach Paris und begann dort mit der künstlerischen Ausbildung. Der frühe Tod seiner Frau, der russischen Ärztin Wjera Dobrowolskaja, wurde zu einem Wendepunkt in seinem Schaffen. Steck wandte sich mehr den symbolischen und religiösen Themen zu. Viele seiner Gemälde haben einen biblischen Hintergrund, der dem Betrachter sofort deutlich wird. Leo Steck ist ein bedeutender Maler und Glasmaler. 126 Kirchenfenster gestaltete er im Laufe seines künstlerischen Schaffens.

Intensiv beschreibt Jacques Steck während seiner Laudatio zwei Werke, die dessen Vater selbst für die wichtigsten hielt. " Der Kampf Jakobs mit dem Engel am Fluss Jabbok " und " Milde und Leidenschaft ".

" Schon sehr früh befasste sich mein Vater intensiv mit Fragen nach dem Sinn des Lebens ", berichtet Steck. Er habe sich nicht mit der vorherrschenden Leichtfertigkeit in der Freidenker-Familie abfinden können. Leo Steck wurde nach seiner Geburt nicht getauft. Nach vielen Jahren des Kampfes und Suchens ließ er sich im Alter von 43 Jahren in Frankreich katholisch taufen.

" Kernpunkte seines Lebens waren seine absolute Aufrichtigkeit und das stete Ringen um Wahrheit ", so Jacques Steck. Die tiefe religiöse Bindung bestimmte sein Leben, seine Arbeit.

Mit netten Anekdoten aus dem Leben seines Vaters unterhält Steck die Vernissage-Besucher. So berichtet er, dass Leo Steck oft so in Gedanken vertieft gewesen sei, dass er eine halbe Stunde nach dem Mittag essen fragte, ob heute eigentlich schon gegessen wurde.

Auch sei ihm seine Kleidung nicht wichtig gewesen. Statt einer Krawatte habe er sich beispielsweise zur Osterzeit kurzerhand ein Samtband umgebunden, das er zuvor einem Schokoladenhasen abgenommen hatte.

Leo Steck liebte die Musik, spielte selbst Cello und zusammen mit seinem Sohn, der am Klavier eine Ausbildung erhalten hatte, besonders gern die Cello-Sonaten von Johann Sebastian Bach.