" Altmark sucht Landarzt " stellt der SPD-Bundestagsabgeordnete Marko Mühlstein als Motto über eine öffentliche Diskussionsrunde mit Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt und deren sachsen-anhaltischen Amtskollegin Dr. Gerline Kuppe, die am kommenden Dienstag im " Schwarzen Adler " in Stendal stattfi ndet. Stimmt die Schlagzeile ? Die Volksstimme sprach darüber mit Vertretern der Ärzteschaft im Landkreis Stendal.

Stendal. Dr. Jörg Böhme, Stendaler Kreisstellensprecher der Kassenärztlichen Vereinigung, hätte sich gewünscht, die Vertreter der Ärzteschaft hätten nicht nur aus der Zeitung von der Dikussionsrunde zu diesem " hochbrisanten Thema " erfahren. Ein Lapsus, der auch seinem Stellvertreter, Dr. Manfred Urban, sauer aufstieß. Zweite Bemerkung der beiden dazu : Man sollte die Diskussion über die ärztliche Versorgungssituation nicht zum Wahlkampfthema machen. Mit ihr könne sich keiner der beiden Partner in der Großen Koalition schmücken. Im Gegenteil. " Die Probleme betreffen ja nicht nur die Situation beim, Landarzt ‘, also die hausärztliche Versorgung, sondern auch die fachärztliche ", sagt Böhme. Edeltraud Czechowski als Vertreterin der niedergelassenen Fachärzteschaft im Landkreis Stendal pflichtet ihm bei : " Seit fünf Jahren schon gibt es keinen niedergelassenen Rheumatologen mehr in Stendal. Die Kollegin gab aus Altersgründen ihre Praxis auf. Ein Nachfolger fand sich bis heute nicht. "

Eine Ausnahme ? Im Moment noch, aber : " Ich könnte Ihnen auf Anhieb 10 fachärztliche und 20 hausärztliche Praxen nennen, in denen die Kollegen aus Altersgründen aufhören würden, wenn sie denn einen Nachfolger fänden. Den fi nden sie aber nicht. Was ich sagen will, ist : Die hausärztliche Unterversorgung lässt sich nicht von der fachärztlichen trennen. Wer über dieses Problem reden will, muss es als ein einheitliches verstehen. " Darüber zu reden, das habe die Politik immer getan. Geändert habe sie an der Situation jedoch nichts. Manfred Urban : " Wir haben schon 1995 gewarnt : In zehn Jahren werden wir im Osten Deutschlands einen Ärztemangel haben. Hören wollte das damals niemand. " Zu den Früchten solch ignoranten Herangehens gehöre unter anderem, dass ein Hausarzt in der Altmark heute eineinhalb Mal so viele Patienten zu betreuen habe wie sein Kollege in den alten Bundesländern.

Nicht, dass dies das einzige Problem wäre, das den Hausund Fachärzten im Landkreis Stendal auf den Nägeln brennt. Stichwort Bürokratie. " Bürokratieabbau, auch das war ein Versprechen der Politik. Sie glauben gar nicht, wie viel mehr Bürokratie uns allein schon durch die Einführung der Praxisgebühr aufgebürdet wurde. Und das ist nur ein Beispiel ", sagt Fachärztin Edeltraud Czechowski.

Nächstes Thema. Ulla Schmidt behaupte, so die drei Stendaler Ärztevertreter, jede Behandlung, die ein Patient brauche, bekäme er von seinem Arzt. Der aber sei budgetiert. Hat er sein Budget ausgeschöpft, zahlt er drauf oder arbeitet für umsonst. Manfred Urban : " Das machen wir quasi in jedem Quartal einen ganzen Monat. " Edeltraud Czechowski sagt es mit einem Bild : " Das ist, als würde man die Feuerwehr zum Löschen schicken, und wenn das Wasser alle ist, kauft sie selbst noch Wasser dazu. "

Was Feuerwehrleute und Ärzte darüber hinaus gemein haben : Ihr " Job " ist ihnen Herzenssache. " Wir haben nicht vor, unsere Patienten im Stich zu lassen. Keiner von uns wird wegen dieser Probleme seine Praxis aufgeben oder weggehen ", sagt Jörg Böhme auch namens seiner Kollegen. Dennoch sind ihre Forderungen an die Politik eindeutig.

Manfred Urban : " Wir wollen von der Politik ernst genommen werden. Sie muss mit uns auf Augenhöhe reden, wenn Probleme wie die ärztliche Unterversorgung gelöst werden sollen. "

Jörg Böhme : " Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die Ärzte. Es müssen mehr Ärzte ausgebildet werden, und wir müssen uns überlegen, wie sinnvoll es ist, Ärzte sechs Jahre auszubilden und sie dann ins Ausland zu entlassen. "

Edeltraud Czechowski : " Ich wünsche mir vor allem eines – echten Bürokratieabbau. "