Ein bunter Mix kleinmotoriger Zweiräder bestimmte am Freitagmittag das Bild wenige Meter neben der Statue Grete Mindes. Der Blick fiel nicht zuerst auf sie, auch nicht auf den Schmuckgiebel des historischen Rathauses von Tangermünde. Etwa 20 Zweiradbegeisterte aus Sachsen-Anhalt hatten auf ihrem Weg an die Ostsee hier Halt gemacht, gönnten sich eine Mittagspause.

Tangermünde. Strahlender Sonnenschein, blauer Himmel – ein Bilderbuchwetter für jeden Zweiradfan. Und als hätten sie’s gewusst – genau an einem solchen Tag starteten zu Pfingsten etwa 20 Männer und eine Frau zur 2. Baltic Ocean Moped Rallye (BOMR).

Schön gemütlich über Nebenstrecken

Los ging es am Freitagmorgen in Magdeburg. Über Glindenberg, Rogätz, Mahlwinkel, Tangerhütte und Elversdorf erreichten die Zweiradfahrer am Mittag die Elbestadt. Kurz zuvor hatten sie alle in Demker die erste Sonderprüfung absolviert. Norman Zepernick, Mitglied des MC Billberge und Teilnehmer der Tour, hatte für sich und alle anderen Teilnehmer der BOMR dort eine Geschicklichkeitsprüfung organisiert. "Der MC Billberge unterstützt die Aktion mit dieser Prüfung", erklärt Zepernick.

Zusammen mit den anderen Mopedfans wird Zepernick in zwei Tagen 326 Kilometer zurücklegen, Straßen und Nebenstraßen kennenlernen, die man als Autofahrer wohl nur dann nutzen würde, wenn eine Umleitung über sie hinweg führen würde. "Wir fahren schön gemütlich", berichtet Wilhelm Leuschner. Er und seine Schwalbe wollen unbedingt an der Ostsee ankommen. "Im vergangenen Jahr war keine einzige Schwalbe dabei", sagt er. In diesem Jahr sind es gleich zwei – die von Leuschner und die von Miriam Beyer.Die 21-Jährige ist zugleich die einzige weibliche Teilnehmerin und stolz, diesen Status auch noch mit einer Schwalbe halten zu dürfen.

Zwar nennt sich die Aktion eine Rallye. Doch die BOMR-Teilnehmer nehmen das nicht ganz so wörtlich. Ankommen lautet die Devise. Im Pulk wird nicht gefahren. Die Teilnehmer starten zeitversetzt. Jeder fährt sein Tempo. Im Durchschnitt schaffen die Mopedfahrer 50 Kilometer pro Stunde. Mit Zweirädern der Marke Simson SR 50 und S 51, Star, Fantic und Beta ARK 50 sind die Männer und eine Frau unterwegs. Das älteste Modell ist ein Star aus dem Jahre 1978 und wird von Max Beyer gefahren.

Um für jeden Zwischenfall gewappnet zu sein, geht die zweite BOMR nicht ohne technische Hilfe über die Bühne. Organisiert von Reiner Fink, der Teilnehmer, Organisator und Sponsor zugleich ist, rollt ein Servicemobil mit gen Norden. Maximilian Fink (15) und Christian Bisping (16) sind als jüngste Teilnehmer an Bord dieses Trucks und hoffen auf ihre Einsätze, die es bereits auf der ersten Etappe gibt.

Außerdem begleiten Motorräder die Rallye. "Die sind schmückendes Beiwerk", scherzt Wilhelm Leuschner.

Dann geht es nach einer gut 45-minütigen Mittagspause unter Tangermünder Himmel weiter gen Norden. Ziel des ersten Tages heißt Parchim. Hier erwartet die Fahrer eine weitere Sonderprüfung – ein Geschicklichkeitsspiel. Am Sonnabend starten die Zweiradfans die dritte Prüfung auf der Sandbahn von Parchim. Zwei Rennen à vier Runden werden hier absolviert. Danach geht es zur zweiten Etappe in Richtung Ostsee. Hier steuern sie die Gemeinde Kägsdorf bei Kühlungsborn an.

Im Übrigen gibt es auch demnächst in der Region wieder eine Veranstaltung für alle Zweiradbegeisterten. "Am 3. Juli findet in Stendal das Viertel-Meilen-Rennen statt", lautet der Hinweis von Norman Zepernick.

Mit der "Simmi" gen Norden

Die Idee zur BOMR hatte im vergangenen Jahr Reiner Fink in die Tat umgesetzt. Der Zweiradliebhaber – ein Mann aus dem Westen – muss sich seit Jahren anhören, wie gut die Simson immer lief, viel besser, als alle Gefährte aus dem Westen. Früher sei man mit der "Simmi" bis an die Ostsee gefahren. Dass das auch noch heute geht – mit Zweirädern aus Ost und West – das bewiesen die 20 Männer und eine Frau zu Pfingsten. Informationen zur Baltic Ocean Moped Rallye gibt es auch im Internet.

www.bomr.de