Dass die Mädchen und Jungen in den Schulen etwas liegenlassen, ist alltäglich. Vieles wird aber einfach nicht wieder abgeholt - nach einer gewissen Zeit landet einiges davon bei der Kleiderkammer vom Deutschen Roten Kreuz.

LandkreisBörde l Im Hausflur vom Platz der Jugend 13 in Weferlingen, wo Elisabeth und Hans-Jürgen Gerlach wohnen, liegen meistens irgendwelche Schulsachen. Dabei sind Gerlachs Kinder längst aus dem Haus. Vor der Tür aber ist die Bushaltestelle. Mehrere hundert Gymnasiasten fahren täglich mittags mit dem Bus nach Hause. Da bleibt öfter etwas stehen. Gerlachs nehmen das in ihre Obhut und sagen im Gymnasium Bescheid, meistens klingelt nach ein paar Tagen ein Schüler und fragt nach dem Vergessenen.

Manches aber scheint keiner zu vermissen. Elisabeth Gerlach zeigt eine gut gefüllte Sporttasche, die schon fast zwei Monate auf Abholung wartet, eine andere Tasche liegt seit über einer Woche dort. "Das sind doch sehr gute Sachen", sagt sie. Eine Wetterjacke wartet schon etliche Monate auf Abholung.

Aber nicht nur an den Bushaltestellen wird mal etwas vergessen. Im Sekretariat des Weferlinger Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums wird öfter etwas Liegengebliebenes abgegeben, bestätigt Schulsachbearbeiterin Ines Borrack. Sie bewahre das dann noch einige Tage im Sekretariat auf, bei wertvollen Sachen mache sie auch mal einen Aushang. Nach ein paar Tagen aber bringt sie die Fundstücke in den Keller zum Hausmeister. Wer später nachfragt, muss dann hier suchen. Zu Elternsprechtagen werden schon mal Sachen auf Tischen ausgelegt, aber dennoch wird weniger als die Hälfte wieder abgeholt, weiß sie aus Erfahrung. Wenn sich die Fundstücke nach einem Jahr etwa sehr häufen, wird Platz gemacht. Gut Erhaltenes könne zum DRK gebracht werden, sagt sie.

Ähnliche Erfahrungen gibt es auch an der Grundschule "Erich Kästner" in Haldensleben. Dort steht meist eine Wanne mit Fundstücken, wo die Schüler nachsehen können, wenn sie etwas vermissen. Aber vieles wird offensichtlich nicht vermisst, denn auch die Kästner-Schule bringt nach einer gewissen Zeit Fundstücke zur Kleiderkammer des DRK.

"Meist sammelt sich ein ganz schönes Lager an", weiß auch Bianka Lange, Schulsachbearbeiterin an der Sekundarschule Niederndodeleben. Fundsachen bleiben ein paar Tage bei ihr liegen, dann werden sie weggeräumt. Kommt dann noch ein Schüler, geht sie mit ihm in den Raum, wo die Fundstücke aufgehoben werden. Aber vieles wird einfach nicht abgeholt. Dass mal jemand nach einem einzelnen Handschuh gefragt hätte, hat sie noch nie erlebt.

"Bei uns hält es sich im Rahmen", meint Almut Schmidt, Schulsachbearbeiterin an der Puschkin-Grundschule in Oschersleben. Meistens können die Fundstücke wieder zurückgegeben werden. Da wird mal in den Klassen nachgefragt und bei Elternversammlungen liegen die Fundstücke auch aus, versichert Almut Schmidt.

Die Schulen gehen ähnlich mit Fundsachen um, weiß Heinrich Schulze, Leiter des Schulamtes in der Kreisverwaltung. Dazu gebe es auch keine Regelung. Denn für Verlorengegangenes werde in der Schule keine Haftung übernommen, die Schülerinnen und Schüler sind für ihre Sachen selbst verantwortlich. Dass die Fundstücke erst im Schulsekretariat und dann beim Hausmeister deponiert werden, sei aber die Regel.