Haldensleben l Zahlreiche Besucher zog es in die Kulturfabrik. Dieses Mal lockte allerdings kein kulturelles Highlight, sondern 28 Unternehmen aus der Region. Sie stellten sich und ihre Ausbildungsberufe vor. In der Börde gibt es nämlich noch knapp 600 freie Ausbildungsstellen und die Firmen suchen teilweise händeringend nach jungen Interessenten.

Von A wie Altenpfleger bis Z wie Zimmerer ist bei den Stellenangeboten alles dabei. Nach den Zahlen, die der Agentur für Arbeit vorliegen, geht das Verhältnis zwischen Bewerbern und Lehrstellen eigentlich genau auf.

"Es gibt viele Berufe, die sich in der Arbeitsweise stark ähneln." - Jana Echternach, Arbeitsagentur

"Das Problem ist allerdings, dass es für manche Berufe, wie etwa den beliebten Kfz-Mechatroniker, viel mehr Interessenten als freie Stellen gibt. Bei der Fachkraft für Lagerlogistik ist es eher andersrum. Hier gibt es in der Börde 71 Stellen", erklärt die Pressesprecherin der Arbeitsagentur, Jana Echternach. "Deshalb wollen wir mit der Ausbildungsbörse und unserer regulären Berufsberatung die Jugendlichen dazu anregen, sich etwas breiter gefächert umzusehen. Es gibt ja noch viele andere Berufe, die sich in der Arbeitsweise aber doch stark ähneln."

"Häufig sind es die Eltern, die Interesse zeigen und die Fragen stellen." - Angela Rohde, Personalreferentin

Dass es aber nicht unbedingt von Nutzen ist, auf Biegen und Brechen irgendeinen Beruf auszuwählen, weiß Laureen Kramer aus Wanzleben. Sie brach die Ausbildung zur Pharmazeutisch-technischen Assistenin wieder ab, weil es doch nicht ganz ihren Vorstellungen entsprach.

Mit ihrer Freundin Cindy Liskow aus Haldensleben wollte sie sich nun bei der Ausbildungsbörse nach einem passenden Beruf erkundigen. Auch die Haldensleberin hatte ihre Lehre zur Rechtsanwalts-fachangestellten vorzeitig beendet. "Ich will gerne im Verwaltungsbereich arbeiten. Aber in der Kanzlei hatte ich viel weniger Kundenkontakt, als ich es mir wünsche", sagt sie.

Mit dieser Erfahrung haben sie vielen Bewerbern einiges voraus. Denn häufig wissen die Schulabgänger noch gar nicht genau, was sie wollen. Die meisten kamen mit ihren Eltern in die Kulturfabrik. Das mache es manchmal schwierig, an die Bewerber tatsächlich heranzukommen, da sind sich die Unternehmensvertreter einig.

"Häufig sind es dann die Eltern, die Interesse zeigen und die Fragen stellen. Die jungen Leute sind eher schüchtern und zurückhaltend. Das ist sehr schade, da wir ja eigentlich mit ihnen und nicht mit ihren Eltern in Kontakt kommen wollen", schildert Angela Rohde, Personalreferentin eines Getränkeherstellers.

Sie betreute ihren Infostand gemeinsam mit Glenn Krzemien, der sich bereits im dritten Lehrjahr seiner Ausbildung zum Fruchtsafttechniker befindet. Er kann also aus Erfahrung sprechen.

"Ich bin sehr glücklich mit meiner Berufswahl", sagt er. Dass er für den Blockunterricht des seltenen Ausbildungsberufes nach Hessen fahren muss, wertet Glenn Krzemien als Vorteil. "Ich bin ganz froh, wenn ich auch mal für vier Wochen aus meinem gewohnten Umfeld rauskomme. Dadurch bin ich viel selbständiger geworden."

Daran sollten auch schon die zukünftigen Bewerber arbeiten. "Eltern und Lehrer sollten sie mehr dazu ermutigen", schlägt Angela Rohde vor. Denn spätestens beim Vorstellungsgespräch werden sie auf sich allein gestellt sein.