Die Felder und Wiesen zeigen sich überflutet. Hohe Grundwasserstände und die Schneeschmelze lassen die Pegel der Flüsse weiterhin ansteigen. Bei der Bode sorgen weiterhin hohe Zuflüsse dafür, dass sie zumindest nicht sinken. Es gilt vielerorts der Bode entlang Alarmstufe 3. Das Betreten und Befahren von Deichanlagen wurde gestern verboten.

Gröningen / Kloster Gröningen / /Krottorf. Waren am Wochenende erste Gärten am Gröninger Ortsrand in Richtung Kloster Gröningen überflutet, brachen sich die Wassermassen auch in der Kleingartensparte am Prälatenberg in Gröningen Bahn. Wo mancher Kleingärtner am Freitag noch zufrieden nach dem Rechten sah, stand gestern das Wasser wadentief.

Fritz Mehlhorn, Vereinschef der Gröninger Kleingärtner, berichtet, dass etwa fünf Hektar der Anlage mit Wasser überspült sind. Das betrifft rund 100 Gärtner. Dass Wasser nach starken Regenfällen oder Schneeschmelze in die Anlage fließe, sei normal, in diesem Jahr aber schlimmer als üblich, meint Mehlhorn. "Dieser Heidelbeerstrauch hat zum Beispiel noch nie so viel Wasser gesehen", hebt er hervor, während er mit Gummistiefeln an den Füßen quer durch seinen Garten geht, der komplett unter Wasser steht. Ob der junge Aprikosenbaum, das Tulpenfeld und die Zuckerhutfichte das überleben, wissen Fritz und Ehefrau Ursula Mehlhorn noch nicht. "Wir müssen jetzt erst einmal warten, bis das Wasser weg ist. Dann wird alles aus der Laube rausgeräumt, damit der Betonboden trocknen kann", erklärt der Vereinschef.

Viele andere Gartenbesitzer sehen ihre Pflanzen und Lauben ebenfalls unter Wasser. Eine Seenlandschaft zeigt sich da, wo sonst Steinbeete oder Gartenzwerge die Parzellen dekorieren. Zieht das Wasser wieder ab, kostet das jeden Einzelnen, alles wieder herzurichten. Und zwar nicht nur die eigene Hände Arbeit, sondern auch Geld. Solche Schäden sind in der Regel nicht versicherbar.

"Für manchen wird mit dem Hochwasser ein kleines Lebenswerk zerstört. Da laufen Tränen", weiß er, weil er auch den Trost spendet. Er denkt an ältere Rentnerpaare, die sich mit teilweise 80 Jahren alles schön zurecht gemacht haben. Auch diejenigen, die im vergangenen Jahr erst neu dazu gekommen sind, werden schlucken. Manche nehmen es dennoch locker. Als gestern zum Beispiel einer der Kleingärtner an Mehlhorn vorbeiradelt, ruft er: "Na, das Hochwasser schon da?" Ein paar Meter weiter stoppt er und ruft noch mal: "Oh, ja." Es begegnete ihm wohl früher in der Anlage als er erwartet hatte.

Führungstrupp gebildet

Beim Landkreis Börde wurde unterdessen ein Katastrophenschutzstab einberufen, der Einsätze an den gefährdeten Abschnitten übernimmt. Den Menschen, die in einem Gefährdungsgebiet ansässig sind, empfiehlt der Stab, sich darauf vorzubereiten, im Fall der Fälle schnell ihre Grundstücke verlassen zu können. Die Verantwortlichen rechnen damit, dass heute stellenweise im Landkreis die Hochwasserwarnstufe 4 erreicht wird.

Der für Gröningen entscheidende Pegel an der Bode in Wegeleben ist mit 1,81 Meter gleichbleibend. Es besteht seit Freitagabend Alarmstufe 3. Der Landkreis untersagt deshalb das Befahren und Betreten aller gefährdeten Deichanlagen. Deichwachen werden im gesamten Landkreis eingeteilt. In der Verbandsgemeinde Westliche Börde wurde über das Wochenende ein Führungstrupp aus Ausleber und Kroppenstedter Feuerwehrmänner zusammengestellt.

Sonntagnachmittag sind Verbandsgemeindebürgermeisterin Ines Becker sowie Harald Hinz und Clemens Köhler von der Gemeindewehrleitung mit der Feuerwehr in Krottorf in und um den Ort kritische Stellen abgelaufen. Zum allgemeinen Prozedere sagte Ines Becker: "Seit Freitag kontrollieren wir unsere Flussläufe und dass der Abfluss gewährleistet ist." Vom Stand im Jahr 1994 sei man noch entfernt. "Auf den Ernstfall sind wir vorbereitet, falls das Wasser Grundstücke oder Anwohner bedroht", erklärt die Verbandsgemeindechefin.

 

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