Ein sogenanntes Sozialkaufhaus soll es ab Juli auch in Oschersleben geben. Die Vorbereitungen für das von den Maltesern initiierte Projekt laufen auf Hochtouren.

Oschersleben l Die Magdeburger Straße 18 in Oschersleben war den Einheimischen über mehrere Jahrzehnte bekannt als das Geschäft von Foto-Brennecke. Seit dem vergangenen Jahr stehen die Räum- lichen leer. Doch nun soll wieder Leben in das Erdgeschoss des Gebäudes aus dem 18. Jahrhundert einziehen. Das "Malteser Stübchen" wird, so wollen es die Initiatoren, als sogenanntes Sozialkaufhaus am 1. Juli seine Pforten öffnen.

Seit mehreren Jahren schon hat der Orden mit dem weißen Kreuz und sein Kooperationspartner, die Caritas Trägergesellschaft, die Einrichtung eines Sozialkaufhauses geplant. "Uns fehlte jedoch ein geeignetes Objekt, bis Bewos-Geschäftsführer Thomas Harborth anrief und sagte: `Ich hätte da vielleicht etwas für Sie`", erklärte Andreas Kretschmer von der Caritas. Damit sei nun der richtige Standort gefunden worden.

"Getreu dem Motto `Von Mensch zu Mensch und von Hand zu Hand` ist es unser Anliegen, alle Menschen zu erreichen."

Martin Schelenz, Malteser

"Wir finden es klasse, mit der Bewos und weiteren Partnern hier ein Sozialkaufhaus errichten zu können", sagte der Diözesan und Landes- geschäftsführer der Malteser, Martin Schelenz. Menschen mit schmalem Geldbeutel sollen hier die Möglichkeiten erhalten, preiswert Produkte wie beispielsweise Kleider, Bücher oder CD`s zu erwerben. Ausgenommen seien gebrauchte elektrische Geräte, da für sie keine Garantieleistungen gewährt werden könnten. Bereits ab diesem Monat - montags von 14 bis 18 Uhr und donnerstags 10 bis 12 Uhr - sollen die Oschersleber eingeladen werden, Dinge, die sie nicht mehr benötigen, abzugeben.

"Getreu dem Motto `Von Mensch zu Mensch und von Hand zu Hand` ist unser Anliegen, alle Menschen zu erreichen, ob mit oder ohne Geldbeutel. Wir bieten Warmes gegen die Kälte unserer Zeit und meinen damit nicht nur den Frost, wir wollen auch die Seele erreichen", betonte Schelenz und hob hervor, dass dennoch hier kein Armenhaus geplant sei. Auch wohlhabende Menschen seien willkommen, wenn sie Hilfe benötigen oder Gesprächsangebote wahrnehmen wollen.

Ein Abteil ist nach den Worten des Malteser-Chefs einzig dem Nachwuchs vorbehalten. "In unserem Kinderzimmer wird es Angebote wie Kleidung und Schulranzen sowie eine Spielecke mit Trickfilm-Vorführungen geben. Diese können sich die Kleinen dann anschauen, während die Eltern beispielsweise das Gespräch mit einem unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter suchen", erklärte der Malteser-Chef weiter.

Schelenz hob besonders die Unterstützung von Partnern hervor. So vermiete die kommunale Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft Bewos das Objekt mit einer Gesamtfläche von rund 200 Quadratmetern zu Sonderkonditionen. Das Küchenstudio Petra Dräger aus Halberstadt sowie die Firma Haustechnik Böhle spendieren Möbel und Ausstattung, der Innenausbau werde von der Malerfirma te:zet aus Magdeburg bewerkstelligt. "Alles in allem spendieren die Unternehmen im Wert von rund 15000 Euro", schätzte Firmenchef Klaus-Otto Böhle ein, der kurzerhand die Anwesenden mit der Ankündigung überrascht, auch eine Waschmaschine zu spenden. Laut Schelenz wurde das Projekt ferner durch den Pfarrer der katholischen Gemeinde in Oschersleben, Christoph Sperling, unterstützt sowie durch den Ordnungsamtschef Gerd Ludwig.

Die offizielle Eröffnung ist für den 28. Juni geplant. Auch Landrat Hans Walker (CDU) wird als Gast erwartet. Ab dem 1. Juli soll dann der Regelbetrieb mit zunächst einem Öffnungstag pro Woche eingeläutet werden. "Wir müssen ja erst einmal schauen, wie unser Laden angenommen wird und wie hoch der Bedarf ist", begründete Martin Schelenz und betonte, dass im Sozialkaufhaus ausschließlich Ehrenamtliche für die Sorgen und Nöte bereitstehen.

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