Ein holländischer Investor will in Stemmern eine große Hähnchenmastanlage bauen. Auch während der Auslegungsfrist der Antragsunterlagen macht die Bürgerinitiative ihren Widerstand deutlich. Zur Einwohnerversammlung am Dienstagabend fanden sich viele Mitstreiter in der Altenweddinger Festhalle ein.

Altenweddingen/Stemmern l Noch bis zum 23. Juni liegen die Antragsunterlagen zu der in Stemmern geplanten Hähnchenmastanlage im Bauamt der Gemeinde Sülzetal in Osterweddingen aus. Die Frist für die Einwendungen ende, wie Gabriele Siegel als Kopf der gegen die Hähnchenmastanlage agierenden Bürgerinitiative weiß, am 7. Juli um 24 Uhr. Wenn bis dahin 1000 Einwendungen von Betroffenen aus dem Sülzetal und benachbarten Gemeinden den Antragsunterlagen entgegengesetzt werden, wäre sie glücklich.

Starke Rückendeckung aus Dodendorfer Richtung

Das erklärte sie am Dienstagabend auf einer Einwohnerversammlung in der Festhalle Altenweddingen, auf der die Bürgerinitiative noch einmal auf die Dringlichkeit für die notwendigen Reaktionen seitens der Bevölkerung hinweisen wollte. Schon allein die Anwesenheit von etwa 100 interessierten Bürgern auf dieser Versammlung zeigte Gabriele Siegel aber, dass sie nicht allein kämpft.

Starke Rückendeckung gab es auch aus Dodendorf. Speziell die Dodendorfer hätten nämlich, wie Michael Schmitz vom Dodendorfer Heimatverein berichtete, 2002 schon einmal einen Konflikt mit dem Investor der geplanten Hähnchenmastanlage, Gerrit Tonkens, gehabt. Damals stank in Dodendorf abgelagerter Hühnertrockenkot wahrlich zum Himmel und raubte den Dodendorfern die Luft. Michael Schmitz, der damals gemeinsam mit seinen Mitstreitern des Dodendorfer Heimatvereins kämpfte, sprach von unerträglichem Gestank und einem Reigen, der sich jetzt in einer höheren Liga fortsetze. "Dodendorf liegt etwa dreieinhalb bis vier Kilometer Luftlinie von der geplanten Anlage entfernt", so Schmitz, der die Zuhörer motivierte, sich zu wehren. Denn: "Wenn wir das zulassen, dann darf der Investor das, und dann tragen wir auch eine Mitschuld."

"Keiner soll denken, dass wir das Ding hier haben wollen", bekräftigte Gabriele Siegel, die bereits vor vier Jahren demonstrativ auf das Problem aufmerksam gemacht hat. "Das Plakat ist bereits vier Jahre alt", sagte sie und hielt ein Schild mit der Aufschrift "Idylle mit Gülle - Danke, Herr Aeikens!" hoch. Als dieses Schild entstand, war auch Undine Kurth, sachsen-anhaltische Landesvorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), bereits in Stemmern. Seitdem hat sie zahlreiche Argumente gesammelt, die gegen die Hähnchenmastanlage für geplante 350000 Tiere sprechen.

Beide Frauen sind sich einig, dass das Vorhaben nichts mehr mit Landwirtschaft zu tun habe, denn welcher Bauer könne sich eine Investition von 4,5 Millionen Euro leisten. Undine Kurth nannte die Haltungsbedingungen in derartigen großen Anlagen zudem eine Respektlosigkeit gegenüber den Tieren.

Weitere Belastungen für Umwelt und Gesundheit

Ebenso an die Belastungen der Umwelt durch die Massenproduktion an Gülle, die dann beim Ausbringen auf den Äckern zu Überdüngung und zur Grundwasserbelastung führten, erinnerte sie. Die Verkehrsbelastung durch An- und Abtransport von Futter und Tieren sowie die Belastung durch multiresistente Keime, die der Betrieb einer solchen Anlage mit sich bringt, rückte die BUND-Landesvorsitzende außerdem in den Mittelpunkt des Interesses. "Wer dort im Umfeld wohnt, verliert an Lebensqualität. Das ist ein Grund zu sagen, hier lebe ich und ich möchte nicht durch die Rahmenbedingungen belastet werden", forderte sie die Bewohner des Sülzetales zu entsprechendem Protest auf. Alle sollten ihre eigene Betroffenheit klarmachen.

In einem Redebeitrag signalisierte der Bürgermeister der Gemeinde Sülzetal, Jörg Meth-ner, dass auch die Gemeinde der Hähnchenmastanlage kritisch gegenüberstehe. Die Kommunalpolitiker des Sülzetales, von denen auch einige anwesend waren, haben bereits eine Willensbekundung abgegeben, dass sie die Anlage nicht wollen. Leider sei die Gemeinde bei einem sogenannten BImSch-Verfahren, so Methner, außen vor. Hier trifft das Landesverwaltungsamt die Entscheidung, ob gebaut werden darf oder nicht.

"Wir haben eine echte Chance", unterstrich Siegel trotz eines sehr kleinen Zeitfensters, das zum Durchsehen der etwa 1000-seitigen Antragsunterlagen des Investors sowie zum Formulieren der Einwendungen bleibt. Dass es durchaus Hoffnung gibt, den Bau der Anlage zu verhindern, machte Undine Kurth an einige Beispielen in Sachsen-Anhalt deutlich. Mehrere geplante Projekte sind nach entsprechendem Protest in den vergangenen Jahren von den Investoren zurückgezogen worden.

Nächste Aktion: Radeln und demonstrieren

Die Bürgerinitiative gegen die Hähnchenmastanlage in Stemmern plant unterdessen bereits die nächste Aktion. Am 21. Juni soll es eine Fahrraddemo geben, die in Magdeburg beginnt und über Dodendorf nach Stemmern führt. "Dann wollen wir die Strecke abfahren, die dann wahrscheinlich der Hühnerkot in Richtung Wolmirsleben nehmen wird", kündigte Gabriele Siegel an und hofft auf ebenso viele Mitstreiter wie bei der Einwohnerversammlung.

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