Etwa 300 Besucher aus nah und fern haben an der Einweihungsfeier der in den zurückliegenden Monaten für etwa 200000Euro sanierten Kroppenstedter Compenius-Reubke-Orgel teilgenommen. Nach einem Festgottesdienst ist das Kircheninstrument vorgestellt und den Gästen zur Besichtigung freigegeben worden.

Kroppenstedt l Die vielleicht wichtigste Nachricht vorneweg: Der Halberstädter Orgelbauer Reinhard Hüfken ist ungeschoren davongekommen, ist also nicht in das Kroppenstedter Rathausgefängnis gesperrt worden. Das nämlich war seinem Handwerksbruder Esaias Compenius vor 400 Jahren widerfahren, weil der nach Ansicht der Kroppenstedter Ratsherren seinerzeit viel zu langsam an der Orgel für die Martinikirche gebaut hatte. Mit Reinhard Hüfkens Arbeitsweise bei der jetzt erfolgten Sanierung des Instruments waren die Kroppenstedter hingegen sehr zufrieden. Wie sollten sie auch nicht, haben Hüfkens und seine Leute doch so gearbeitet, dass am Tag der geplanten festlichen Einweihung alles fertig war.

300 zufriedene Gesichter in der Martinikirche

Und so waren etwa 300 zufriedene Gesichter in der Martinikirche zu sehen, als diese Einweihungsfeier mit einem Gottesdienst begonnen wurde. Mit einem feierlichen Gottesdienst, in dem die sanierte Orgel nicht nur zu hören, sondern in dem sie auch schon das entscheidende Thema im Grußwort der Gemeindekirchenratsvorsitzenden Alexandra Balliet, in der Predigt der Superintendentin Angelika Zädow und in den Zwischentexten des Gemeindepädagogen Jürgen Vogel war.

Und selbstredend blieb die Orgel auch nach dem Gottesdienst Mittelpunkt des Geschehens. Dafür haben nicht zuletzt der Orgelbauer Reinhard Hüfken und der Halberstädter Domorganist Karl-Ernst Heinrichs gesorgt. Denn der eine hat viel über den Aufbau solch einer Kirchenorgel erzählt und der andere mit Klangbeispielen das Instrument musikalisch vorgestellt.

Wobei es sich ja in Kroppenstedt eigentlich nicht um eine, sondern um zwei Orgeln handelt. Denn Mitte des 19. Jahrhunderts hatte der Orgelbauer Adolf Reubke die Compenius-Orgel zur Compenius-Reubke-Orgel umgebaut und nun hat Reinhard Hüfken alles so saniert, das quasi beide Instrumente mit ihren ursprünglichen Klangeigenschaften wiederhergestellt sind. Sogar zwei Spieltische gibt es jetzt. Einen hoch oben und den anderen in Parterre hinter den Kirchenbänken.

Festbesucher marschieren hoch und runten

So dass die Besucher der Festveranstaltung hoch und runter marschiert sind, um sich alles anzuschauen und zwischendurch die Möglichkeit hatten, sich für diese Besichtigungstour an Stehtischen mit Kaffee und Kuchen zu stärken.

Diese Besucher waren nicht nur Kroppenstedter. Auch Landrat Hans Walker und der frühere Landesminister und Kreistagspräsident Karl-Heinz Daehre waren gekommen. Wie zudem Orgelfreunde aus benachbarten Orten und Landkreises wie auch aus Bayern oder auch aus Mecklenburg-Vorpommern.

Arbeitsgruppe hatte sich im Jahr 2007 formiert

Worüber sich zuallererst Monika Schmidt und Jürgen Vogel gefreut haben. Waren sie es doch, die sich mit einigen weiteren Kroppenstedtern im Jahr 2007 zu einer Arbeitsgruppe formiert und sich damals fest vorgenommen hatten, die Orgel bis 2013, also bis zum 400-Jahr-Jubiläum zu sanieren und die dafür notwendigen 200000 Euro als Spenden und Fördermittel aufzutreiben.

Nun hat das Ganze zwar nicht zuletzt deshalb ein Jahr länger gedauert, weil zunächst für etwa 600000 Euro Teile des Kirchendaches erneuert werden mussten. Nichtsdestotrotz ist diese Orgelsanierung in den Augen der Beteiligten und Beobachter "ein ganz großer Erfolg", wie während der Einweihung nicht nur einmal gesagt wurde.

Wie sich auch alle einig sind, dass es nun eine einzigartige Orgel ist, "bei der die Kunst zweier großer Orgelbaumeister unterschiedlicher Epochen in einer Orgel erhalten blieb und auch der jeweiligen Epoche gemäß zum Klingen gebracht werden kann", wie Jürgen Vogel in der Einladung zum Einweihungsfest geschrieben hatte und wovon sich die Besucher dieser Festveranstaltung überzeugt haben.

Auf die eingeschmolzenen Pfeifen sind ersetzt worden

Wie sie sich zudem davon überzeugt haben, dass bei dieser Sanierung auch die 90 Orgelpfeifen ersetzt wurden, die im Jahr 1917 beschlagnahmt und für die Waffenproduktion des Ersten Weltkriegs eingeschmolzen worden waren. Und da 25 dieser 90 Orgelpfeifen noch keinen Paten haben, sind Jürgen Vogel und Monika Schmidt guter Dinge, dass sie mit Hilfe dieser weiterhin möglichen Patenschaften auch noch die knapp 7000 Euro zusammenbekommen, die ihnen zur Begleichung der Sanierungs-Rechnung noch fehlen. Wobei solche Einzelpatenschaften nicht nur für die letzten 25 Orgelpfeifen, sondern auch für die Restaurierung der geschnitzten Zierelemente an der Orgel vergeben werden.

Interessenten für die 200 bis 400 Euro teuren Orgelpfeifen-Patenschaften oder von Einzelpatenschaften für die geschnitzen Zierelemente an der Orgel sollten sich an die evangelische Kirchengemeinde Kroppenstedt unter Telefon 0160/90723293 beziehungsweise 039264/248 oder per E-Mail an: kirchenscheune@online.de wenden.

   

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