Die Grundschule Altenweddingen braucht mehr Platz. Nach den Vorstellungen der Schulleiterin wäre die Nutzung der alten Sekundarschule eine Möglichkeit, den Platzbedarf zu decken.

Altenweddingen l Die Grundschule Altenweddingen arbeitet seit einem Jahr nach dem Leitbild der Inklusion. An einer inklusiven Schule erhalten alle Kinder ungeachtet ihrer individuellen Voraussetzungen und aktuellen Lebenssituation die gleichen Bildungschancen. In Altenweddingen lernen Kinder mit und ohne Handicaps gleichberechtigt zusammen.

Vor einem Jahr hat die Grundschule Altenweddingen vom Land Sachsen-Anhalt die Zertifizierung erhalten, nach dem Leitbild der Inklusion zu arbeiten. Aus diesem Grund hatten Schulleiterin Ute Ellert und Dr. Karin Greve vom Kultusministerium Sachsen-Anhalts Lehrer von Schulen, die ebenfalls nach dem Leitbild der Inklusion arbeiten, und Verwaltungsmitarbeiter zu einer Weiterbildungsveranstaltung nach Altenweddingen eingeladen.

Als Ort der Veranstaltung hatte Chefin Ute Ellert bewusst nicht die alte Gründerzeitvilla, in der die Grundschule untergebracht ist, sondern die wenige Meter entfernt liegende, leer stehende Sekundarschule ausgesucht. "In der Grundschule haben wir keinen großen Raum, in dem wir die 40 Teilnehmer der Beratung hätten unterbringen können", sagte Ute Ellert. Ihre Wahl hatte aber noch einen anderen Grund. Sie wollte besonders den Verantwortlichen von Einheitsgemeinde und Landkreis Börde zeigen, dass ihre Schule mehr Platz benötige. Die individuelle Förderung der Kinder in der Grundschule Altenweddingen bedürfe einer Erweiterung. Von den 106 Mädchen und Jungen haben 32 Prozent einen erhöhten sonderpädagogischen Förderbedarf. Darunter sind auch Kinder, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind. In der alten Grundschulvilla gibt es zwar einen Fahrstuhl, der jedoch nur vom Keller in die erste Etage reiche. Die Etage darüber kann nicht von den Rollstuhlfahrern erreicht werden. Die Lösung des Platzproblems sieht Ute Ellert darin, für die Grundschule das ehemalige Sekundarschulgebäude zu nutzen. Dieses steht seit Jahren leer und befindet sich in der Trägerschaft der Einheitsgemeinde Sülzetal. Die Gemeinde könne die alte Sekundarschule nach den Vorstellungen der Schulleiterin mit Hilfe des Landesförder-programms Stark III ausbauen. Damit wären die Platzprobleme gelöst und die Grundschule könne noch besser nach dem Leitbild der Inklusion arbeiten.

Nachdem Grundschulkinder die Teilnehmer der Beratung mit einem Programm aus Gesang und Theater erfreut hatten, stellte Schulleiterin Ute Ellert die Grundschule Altenweddingen vor. An der Schule arbeiten sieben Grundschullehrerinnen, eine Förderschulpädagogin, eine pädagogische Mitarbeiterin und eine Integrationshelferin sowie eine Referendarin. Bei Kindern, die einen erhöhten Betreuungsbedarf durch Ergotherapeuten, Logopäden und Physiotherapeuten haben, werden die nötigen Therapien am Vormittag durchgeführt. Die Therapeuten kommen dabei in die Schule, die Kinder müssen nicht zu ihnen in die Praxen. "Das ist sehr hilfreich", sagte Ute Ellert. Zudem ist die Grundschule im Ort zentral gelegen, was die Erreichbarkeit für die Eltern erleichtert. Hort, Kindertagesstätte, Sportplatz, Sporthalle oder Freibad befinden sich nur wenige Gehminuten entfernt und können von den Schülern und Lehrern gut erreicht werden. Auf dem Schulhof steht den Kindern eine Bewegungslandschaft zur Verfügung.

"Wir setzen das Recht für alle Schüler auf individuelle Förderung um", erklärte Ute Ellert. Damit die Lehrer und das Unterstützerteam noch besser mit den Kindern arbeiten können, sei mehr Platz nötig. Jeder Raum soll gleich aussehen und die gleiche Anordnung der Möbel haben. Das erleichtere den Kindern die Orientierung und schaffe einen geordneten Ablauf. Nach 13 Uhr, wenn der Unterricht zu Ende ist, können die Mädchen und Jungen freiwillige Angebote der Schule wahrnehmen. Unter anderem verfügt die Schule über ein Hausaufgabenzimmer.

"Das System der inklusiven Schule passt sich an die Unterschiedlichkeit der Schüler an", nannte Karin Greve vom Kultusministerium die Besonderheit dieser Schulform. 25 Schulen in Sachsen-Anhalt hatten sich beworben, eine Zertifizierung nach dem Leitbild der Inklusion zu erringen. Schulen in diese Richtung umzugestalten, "ist ein gesamtgesellschaftliches Aufgabenfeld, die Schule darf nicht alleine damit stehen", sagte die Bildungsexpertin. Ziel sei es, das Schulsystem umzubauen. "Die Kinder zeigen uns, wie schnell sie das Neue annehmen", freute sich Greve über die bereits erzielten Erfolge.

 

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